Christian Popescu, Familie Popescu
Manchen Texten kennt man das pfiffig-geniale quasi in jedem Satz an, je gewöhnlicher oft die Themenwahl ausfällt, umso aufregender werden diese Konzeptionen.
Ausgestattet mit einem frühen Tod unter ungeklärten Umständen, im nahezu klassischen Heroenalter von fünfunddreißig Jahren, haften natürlich Christian Popescu geniale Züge an, zumal die Texte disparat erschienen sind, und einige Texte bis zu dieser aktuellen zweisprachigen Procura-Edition nicht einmal im rumänischen Original zugänglich gewesen sind.
Unter einem saftigen Schäferroman versteht man etwas lieblich Schönes, die Figuren zeigen mit den Fingern aufeinander und machen dabei stille Erotik, die Landschaft ist fruchtig, Schönwetter ist angesagt und als Leser erlebt man Seitenweise Happyness.
In einer schier endlosen Nacht driftet ein nachdenklicher Alkoholiker hellwach durch die Wiener Innenstadt. Er ist sein eigener Reiseführer und begleitet sich selbst mit kundigen Gesten in jene finstere Gegend, die bei Tageslicht als repräsentative Hauptstadt genutzt wird.
Unter dem moralisch knalligen Titel „Seitensprung“ stellt sich jeder sofort etwas individuell Aufregendes vor. Bei William Trevor jedenfalls sind unter diesem Titel zwölf abgeklärte Geschichten zusammengefasst, und die Erotik ragt dabei wie ein Büschel Strohblumen der Zuneigung aus einer Vase aus vergangener Zeit.
Während allenthalben die Würdenträger Österreichs auf das Abknallen eines formidablen Hirsches aus sind, liefert die Hirschin den Unterleib dieser Geisteshaltung. Fast jede Lederhose ist aus einer Hirschin gefertigt, deren Haut musisch, dramatisch oder lyrisch sich um die Genitalien des Lederhosenträgers schmiegt.
Botschafterromane haben immer etwas Skurriles an sich. Da ist zum einen die abgehobene Sprache, mit der sich Diplomaten gegenseitig die Nasenkrümel aus der Semantik ziehen, und zum anderen das Elitebewusstsein, wo immer ein Botschafter auch ist, er hält sich in einem sozial besonders ätherischen Areal auf.
Große Journalisten lassen sich zwar nicht mit einer Zauberformel verkürzt darstellen, aber man verbindet ihr aufregendes Werk leichter mit dem eigenen Leben, wenn es eine Lebensformel zwischen Journalismus und dargestellter Welt gibt.
Im Beatles-Song über Eleanor Rigby klaubt ein Mauerblümchen in der Kirche den Reis auf, den eine Hochzeitsgesellschaft ausgestreut hat. Seither steht dieser Name für eine Frau, die von jenen Glücksbrosamen leben muss, welche die anderen übrig gelassen haben.
Die Schweiz exportiert nicht nur den Magnetismus von Großkonzernen, der dann allenthalben wieder das Kapital in die Schweiz schickt, Schweizer Autoren kümmern sich in ihren Texten auch um die Befindlichkeiten der Manager, die diese Konzernphilosophie bis zum jeweils bitteren Ende durchziehen müssen.
Zahlen im Titel lösen immer Verdutzung aus und die Lust, diese Zahl mit einem Sinn in Verbindung zu bringen. Handelt es sich bei 96 um eine Jahreszahl, eine Route 96 oder gar um eine umgedrehte Sexstellung?