Gesellschaft | Kultur

Gerhard Ochs, Ernte 23

andreas.markt-huter - 20.01.2007

Buch-CoverBei diesem fruchtigen Titel denkt man auch als Nichtraucher zu allererst an eine Zigarette. Aus alten Inseraten, als im Spiegel noch für Rauch geworben werden durfte, steigt der Duft von Bonn und Kleinbürgertum auf, alles riecht goldig und erfolgreich.

Tatsächlich lässt sich Gerhard Ochs Erzählung wie ein Stück Wunder aus der Nachkriegszeit an. Der Icherzähler ist Schelm, Held eines Bildungsromans und mit wachsender Zeitgenosse.

Hannelore Valencak, Das Fenster zum Sommer

andreas.markt-huter - 18.01.2007

Buch-CoverKann man die Vergangenheit planen wie die Zukunft? – Das ist vielleicht die schlimmste Situation, in die jemand geraten kann: Man wacht auf und ist in der falschen Zeit wie im sprichwörtlich falschen Film.

In Hannelore Valencaks Roman „Das Fenster zum Sommer“ wacht die Ich-Erzählerin Ursula eines Morgens auf und ist in die Vergangenheit zurückgeworfen. Eben noch war sie glücklich verheiratet, jetzt liegt sie wieder im dumpfen Kabinett bei der böswilligen Tante, wird zum Aufstehen gedrängt und geht auch brav in ihr ehemaliges Büro, wo der Alltag bissig einsetzt wie in Büros üblich.

Edin Prnjavorac und Veronika Nitsche (Hrsg.), Südostwind

andreas.markt-huter - 17.01.2007

Buch-CoverIch traf gestern einen Käfer / Er sprach kein Deutsch / und beschwerte sich über Kreuzschmerzen / in einer Sprache, / die ich nur deshalb verstand, / weil es um Schmerzen ging. Die Strophe aus Goran Novakovics Gedicht Die Sprache (S.34)stößt einen unmittelbar, wie mit einem kurzen Knüppel in die Welt der Migration hinein.

In knapp 100 lyrischen Texten zeichnen 38 Autorinnen und Autoren, die als MigrantInnen in Österreich leben, wehmütige Bilder von Sehnsucht, Heimweh, Überlebensängsten und vom Leben in der Fremde. Ihre Gedichte und lyrischen Texte sind Erinnerungen an die Vergangenheit aber auch ein Ausdruck von Hoffnung und nach dem Wunsch nach Friede und Freiheit.

Christine Haidegger, Fremde Mutter

andreas.markt-huter - 16.01.2007

Buch-CoverWie kann man einen Draht zur Geschichte entwickeln, wenn einem nicht einmal die eigene Mutter bekannt ist? - Die „fremde Mutter“ ist in Christine Haideggers Roman einmal eine biographisch ausgelöschte Person, zum anderen aber auch die Geschichte überhaupt.

Der Roman hat eine dramatische Konstellation, wie ihn keine Kunst, sondern ausschließlich das so genannte Leben entwickeln kann.

Uwe Ladstädter (Hrsg.), Da und dort

andreas.markt-huter - 16.01.2007

Buch-Cover"Osttirol. Das könnte die DDR Tirols sein, aber das ist es nicht." – Da und dort handelt von Osttirol, wie es in der Welt liegt, wie die Bewohner immer frecher werden und Selbstbewusstsein entwickeln, wie es sich überall auf der Welt eine tolle Heimat entwickeln lässt, wenn man genug Humor dafür mitbringt, und wie da und dort prächtige Literatur entsteht, wenn man sie aufkommen lässt.

Zusammengehalten wird dieses literarische Selbstbewusstsein durch die Lienzer Wandzeitung. In ihr werden nicht nur monatlich neue Texte vorgestellt, alle zwei Jahre schreibt deren Redaktion auch den Christoph-Zanon-Preis aus, benannt nach dem jung verstorbenen Osttiroler Schriftsteller Christoph Zanon.

Magnus Mills, Ganze Arbeit

andreas.markt-huter - 15.01.2007

Buch-CoverManchmal reißt einen ein edler Umschlag mit poliertem Werkzeug in die düsterste Materie. Magnus Mills hat nichts Größeres vor, als die komplette Arbeitswelt als Wahnsinn darzustellen, uns Leser darin zu verstricken und dann das ganze mit Ironie in die Luft zu jagen.

Über das ganze Land verteilt gibt es ein geheimnisvoll wichtiges Transportunternehmen, das nichts anderes tut, als alle Transportgeräte und deren Fahrer in gleichmäßiger Bewegung zu halten. Zu diesem Zweck wurde der so genannte Univan erfunden, ein völlig untauglicher Klein-LKW, der außer sich selbst und den pragmatisierten Fahrern kaum etwas transportieren kann.

Thomas Meinecke, Musik

h.schoenauer - 02.01.2007

Buch-CoverMusik ist bei Thomas Meinecke mehr als das Handling von Tönen, genau genommen gibt es ja auch eine Musik der Geschichte, eine Musik der Erotik, und alles, was zwischen zwei Körpern abläuft, ist letzten Endes so etwas wie Musik.

Musik ist eine Universalgeschichte der Gegenwart, worin so seltsam divergente Dinge wie Heimatkunde, Geschichtsbewusstsein, Kulturempfinden, Rollenverständnis und Alltagssexualität abgehandelt werden.

Günter Vallaster (Hrsg.), Grenzüberschneidungen

andreas.markt-huter - 20.12.2006

Buch-CoverOft sind es persönliche Bekanntschaften, die einen literarischen Transfer zwischen zwei Kulturgegenden auslösen, in der Literatur kann manchmal eben doch eine einzelne Anstrengung allerhand bewirken.

So eine einzelne Anstrengung hat jetzt auch Günter Vallaster mit seinen Grenzüberschneidungen hingelegt, dabei werden die beiden Zentren der europäischen visuellen Poesie, nämlich St. Petersburg und Österreich, in einem Sammelband kurzfristig verbunden.

Dietmar Dath, Dirac

andreas.markt-huter - 20.12.2006

Buch-Cover"Gibt es Menschen, die es fertigbringen, die Welt genauer zu sehen als sie ist?" (18) – Der britische Physiker Paul Dirac (1902-1984) scheint so ein Mensch gewesen zu sein, manche seiner Beiträge zur Quantenphysik gelten heute noch als rätselhaft und lösen deshalb Bewunderung aus.

Für einen rastlosen Studenten ist so ein Mammut an Wissenschaft natürlich die ideale Messlatte, um das eigene Leben zumindest in der vagen Lebensplanung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. David beschließt, als Biograph des Genies aufzutreten, nachdem er sein Studium an den Nagel gehängt hat.

Franz Junger, Das Gullibuch

andreas.markt-huter - 18.12.2006

Buch-CoverWem sind nicht bestimmte Anekdoten der eigenen Schulzeit oder Originale von Lehrerinnen und Lehrern im Gedächtnis geblieben, die für Gesprächsstoff auf Maturatreffen sorgen. Ein solches Originale war sicher auch der Brixener Gymnasialprofessor Alfons Dellacasa, dessen eigenwilliger Naturgeschichteunterricht vor 100 Jahren im so genannten Gullibuch verewigt worden ist.

Das Gullibuch entstand aus stenographischen Notizen, die von Schülern während des Naturkundeunterrichts von Professor Alfons Dellacasa zwischen 1985 - 1903 aufgezeichnet worden sind. Die sprachlichen Schwierigkeiten des ladinischen Professors mit der deutschen Sprache bilden einen wesentlichen Teil des Wortwitzes, der den Aufzeichnungen seinen Humor gibt.