Gerald Szyszkowitz, Marlowe und die Geliebte von Lope de Vega
Eine gute Novelle erfreut nicht nur die Leserschaft, sondern kann auch für den Autor ein Eigengeschenk sein, das sein schreibendes Leben belohnt.
Gerald Szyszkowitz hat einst Anglistik und Shakespeare-istik studiert und leidet seither daran, dass man seine These nicht entsprechend würdigt, wonach die Shakespeare-Stücke von Marlowe stammen. In der Novelle Marlowe und die Geliebte von Lope de Vega packt er alle literarischen Begebenheiten, die rund um Marlowe zwischen den Jahren 1564 und 1655 eruierbar sind, zuerst in eine Chronik und anschließend in eine Novelle.
Neben den allgemein anerkannten Göttern, die mehr oder weniger öffentlichen Zulauf haben, gibt es noch diese speziellen Kleingötter, die für den innigen Individualgebrauch gedacht sind. Oft tauchen diese Götter nur für eine kurze Phase des Lebens auf, können diese aber wie ein echter Gott prägen.
In einem gewissen Alter gibt es für Helden und Leser nur ein Thema: Wir haben Eltern, wir haben Kinder, dazwischen wir.
Magische Titel legen oft den Finger an die Lippen und flüstern ein Geheimnis. „Stumme Wiesen“ sind eine Verheißung von Stille, worin man Geschichten tuscheln hört, stumme Wiesen sind vielleicht aber auch etwas Schreckliches wie die Killing Fields.
Während man im Roman die Helden zur Kenntnis nimmt und sich mit ihnen arrangiert oder nicht, ist man als Leser eines Romanessays immer wieder versucht, einzugreifen und um eine Entgegnung zu bitten. Das freilich ist die hohe Leistung eines Essays, man ist ihm während der Lektüre gnadenlos ausgeliefert und kann erst hintennach reagieren, wenn man schon alles gelesen hat.
Jedes geniale Kunstwerk hat einen Karabiner eingebaut, mit dem es sich um den Hals des Lesers schlingt wie ein Mühlstein, mit dem es aber auch den Leser sichert in einer unermesslich stabilen Felswand der Fiktion.
„Es war das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem »i«, als die Chefin der deutschen Regierung, Angela Merkl, unter aufmunternden Zurufen aus Unternehmer- und Kirchenkreisen im Hochsommer 2015, die Migrationsschleuse für Muslime aus dem Nahen Osten öffnete. Das Kapital hoffte auf billige Arbeitskräfte und die Kirchen lieferten das ideologische Beiwerk der Menschlichkeit.“ (S. 7)
Wann immer die Wörter „türkisch“ und „deutsch“ in einem Satz zusammenstoßen, besteht für den Autor große Gefahr, gesucht, entführt und eingesperrt zu werden.
„Das vorliegende Buch bietet eine leicht zugängliche Übersicht, die lange gefehlt hat. Es zeigt, wie der Krieg aus der glimmenden Asche des vorangegangenen auflodern konnte, und geht dabei nicht nur ausführlich auf das gefährliche Erbe des Ersten Weltkrieges in Europa ein, sondern es berücksichtigt auch, welche Auswirkungen in Japan die Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der eigenen Teilnahme hatte.“ (S. 8)
Die Sprache ist durchaus menschlich wie die Menschen, die sie verwenden, deshalb trinkt sie selber gerne was und springt den Angetrunkenen leicht und im 3-D-Format von der Zunge. Auch ihr Niveau ist dabei höchst beachtlich und erhöht, sitzen die Sprach-Helden doch meist etwas abgehoben von der Umwelt auf Barhockern.