Kenan Malik, Das Unbehagen in den Kulturen
„Was verstehen wir unter Vielfalt in einer Gesellschaft? Und warum sollten wir Vielfalt wertschätzen oder eben fürchten? Dies sind die Fragen, um die es in diesem Buch geht.“ (S. 19)
Der britische Publizist und Philosoph Kenan Malik setzt sich mit der Einwanderung insbesondere aus muslimischen Ländern nach Europa auseinander und versucht die gesellschaftlichen Reaktionen und Probleme zu analysieren.
Ähnlich dem politischen Adel, dessen Hauptaufgabe darin besteht, untereinander zu heiraten und geheimnisvolle Feste auszurichten, die von einer Kronen-Presse begleitet werden, gibt es auch einen literarischen Adel. Seine Aufgabe besteht in der internationalen Vernetzung, dem Abklappern diverser Lehrstühle und der Weitergabe von Insider-Namen an Verlage quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Ein gigantisches Romanwerk im Ausmaß von über fünftausend Seiten fordert vor allem den Autor, der alles unternehmen muss, um nicht während des Romans zu versterben. Und Unsterblichkeit ist auch vom Übersetzer verlangt, dass er nicht aufgibt. Ein Gigawerk fordert Verlagswesen und Buchhändler heraus und schließlich die Leserschaft. Ein Wahnsinnswerk bringt überhaupt alle an ihre Grenzen.
„Vor lauter Problemorientierung hat der Geschichtsunterricht die Erzählfähigkeit von Geschichte eingebüßt und die Förderung der narrativen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler vernachlässigt.“ (S. 9)
„Dass Luther als Mensch des Mittelalters aufwuchs, daran zu denken fällt nicht leicht, wenn er immer wieder als Begründer der Neuzeit beschworen wird, erst recht im Vorfeld des Reformationsjubiläums.“ (S. 9)
Reisen ist ein Teil des Konsums, weshalb sich in unserer Gesellschaft niemand daraus davonschleichen kann. Wer nicht selbst reist, zu dem kommen andere, um zu sehen, wie jemand Sesshafter ausschaut.
„Etliche Besucher der weltbekannten Galerien und Museen ahnen nicht, dass viele der großen Gemälde berühmter Meister neben dem Kunstgenuss auch Geheimnisse bergen, die mindestens ebenso interessant sind, wie das künstlerische Meisterwerk selbst.“ (S. 8)
Die affirmative Geschichtsschreibung versammelt die Menschen in ihrem biographischen Herbst und lässt sie schöne Geschichten aus der Kindheit erzählen. Dadurch wird die Vergangenheit erst einmal in eigene Worte gefasst und später zu einem Narrativ, das dem gesamten Leben einen Sinn gibt.
Besonders schöne Kurven gelingen in der Mathematik immer, wenn man sie als Ableitungen ausführt. Zuerst wird die Wirklichkeit auf der ersten Ebene vermessen, daraus lassen sich dann diverse Ableitungen ziehen, die die besondere Wirklichkeit aus einer Wirklichkeit herausdestillieren.
„Aufgabe der historisch-politischen Bildung ist es, Kontraste und Veränderungen zu verdeutlichen, auf Unausgewogenheit in der Wahrnehmung von Gewalt aufmerksam zu machen und vor einseitig konstruierten Geschichtsbildern zu warnen.“ (S. 5 f)