Gesellschaft | Kultur

Siegfried Nitz, Aber wir hatten dich doch alle so lieb

andreas.markt-huter - 05.10.2018

siegfried nitz, aber wir hatten dich doch alle so liebSeit Kafka wissen wir, ein echtes Gerichtsverfahren dauert ein Leben lang und endet in einem Steinbruch oder als offene Ratlosigkeit.

Siegfried Nitz schickt eine Heldin in ein jahrzehntelanges Gerichtsverfahren, die alle Kafka-Zutaten mitbringt, die Protagonistin Margreth wird plötzlich Alleinerbin, ihr Konkurrent Helmuth büßt eine langjährige Haftstrafe ab, dann kommt er raus und will sein Erbe. Margreth hat neben Liegenschaften und Kohle ein verschnürtes Papierbündel geerbt, das sie nur im Notfall öffnen soll.

Andrej Kurkow, Die Welt des Herrn Bickford

andreas.markt-huter - 03.10.2018

andrej kurkow, die welt des herrn bickfordWenn ein historischer Roman wahrhaftig angelegt ist, hält sich sogar die künftige Geschichte daran, aus einer Aufarbeitung der Geschichte wird eine Gebrauchsanweisung für die Zukunft.

Andrej Kurkow hat seinen ersten historio-grotesken Roman 1993 in Kiew verfasst und im kleinen Kreis im Untergrund verbreitet. Die frühen 1990er Jahre gelten in den GUS-Staaten mittlerweile als die Jahre von wirtschaftlichem Chaos aber intellektuellem Glanz. Alles gilt als aufgelöst und die neuen politischen Strukturen sind höchstens als Groteske zu erkennen.

Jens Eggert, EU - NATO – UNO

andreas.markt-huter - 01.10.2018

Jens eggert, EU - Nato - Uno„Von der Montanunion zur Europäischen Union. - Nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges ist der Wunsch nach einer Einigung Europas groß. Die Politiker haben verstanden, dass man gemeinsam mehr erreichen kann, als gegeneinander zu arbeiten und zu kämpfen.“ (1)

Anhand von 45 Kopiervorlagen für den Unterricht in Geschichte und Politische Bildung werden die drei große Themen der Nachkriegszeit „EU“, „NATO“ und „UNO“ schüler- und unterrichtsgerecht aufbereitet.

Friedrich Hahn, Komme, was wolle

andreas.markt-huter - 28.09.2018

friedrich hahn, komme, was wolleWie liest ein Nichtraucher einen Raucher-Roman? – Schnell, damit er keine braunen Finger kriegt. Und wie soll ein Zuckerbergverweigerer einen facebook-Roman lesen?

Friedrich Hahn lässt seinen hilflosen Helden dieses Mal im Facebook untergehen. Das tut nicht weh, ist sinnlos, und vergeht, wie es gekommen ist. Der Held heißt Erich Fröschl, ist 58 und von der Bank gerade golden beshaked worden. Jetzt ist er in der Ich-Perspektive, frustriert, einsam, vielleicht sollte er die Gefühle noch einmal auspacken oder zumindest die erotisch brauchbaren Teile davon.

Andreas Gottlieb Hempel, WeinBau

andreas.markt-huter - 26.09.2018

andreas gottlieb hempel, weinbauDie beiden wichtigsten Kulturtätigkeiten Südtirols sind nach allgemeiner Lesart die Kultivierung von Wein und das Bauen in der Landschaft.

Andreas Gottlieb Hempel zieht diese beiden Kulturwörter zu dem griffigen WeinBau zusammen, das tatsächlich den Bildband zu einem idealen Einstieg in die Welt Südtirols macht. Die Einteilung des Themas ist vino-geographisch logisch: Vinschgau, Meraner Land, Etschtal / Bozen und Überetsch / Unterland / Eisacktal.

Kirsten Rüther, Afrika: genauer betrachtet

andreas.markt-huter - 24.09.2018

Titelbild: Kirsten Rüther,Afrika genauer betrachtet„Über den Schritt, Altbekanntes und Wohlvertrautes zu wiederholen und neu zuzuspitzen, soll dieses Buch hinausgehen. In erster Linie sollen womöglich vage geläufigen Themengegenständen, die unter das große Etikett »Afrika« fallen, mehr Dimensionen hinzugefügt werden.“ (10)

Die Berichterstattung über Afrika während der vergangenen Jahrzehnten hat das Bild eines Kontinentes verfestigt, das mit Dürre, Hungersnot, Bürgerkrieg und Flüchtlingskrise assoziiert wird, wo es mitunter schwerfällt, sich Menschen und Gesellschaften in ihrem Alltagsleben vorzustellen. Die Afrikawissenschaftlerin Kirsten Rüther unternimmt den spannenden Versuch afrikanischen Alltag jenseits der bekannten Stereotype zu skizzieren.

Walter Grond, Drei Lieben

andreas.markt-huter - 21.09.2018

Titelbild: Walter Grond, Drei LiebenEine halbwegs sensible Seele vermag durchaus aus der eigenen Familie eine Universalgeschichte herauszulesen. In großen Cinemascope-Träumen geht dann die Geschichte Europas in eine Familiengeschichte über.

Walter Grond stellt in seinem Roman drei Lieben vor, die anhand eines Routenplaners der Gefühle vom Dorf nach Wien, ins Baku des ersten Weltkrieges, nach Paris und kurz zurück ins Schüsselsche Österreich führen. Die drei Lieben sind an drei Frauen festgemacht, über die der forschende und erzählende Enkel die höheren Zusammenhänge erfährt. Dabei hat die offizielle Geschichtserzählung nur sporadisch mit dem Lebensfluss zu tun, der unter der Hülle von Ehen und Beziehungen dahinrauscht.

Peter Wurm, Sinnlos

h.schoenauer - 19.09.2018

Titelbild: Peter wurm, sinnlosWenn etwas nicht mehr weitergeht, seufzt meist jemand „sinnlos!“, und die Sache ist vorläufig vertagt.

Peter Wurm winkt dieses „sinnlos“ von Anfang an durch die Zeilen, die Erzählung ist so überdrüssig angelegt, dass sie jeder Zeit unterbrochen oder beiseitegelegt werden könnte. Und der Stoff ist bei näherem Hinsehen ebenfalls sinnlos, wiewohl er sich an historische und zeitgenössische Fakten hält.

Heiner Flassbeck / Paul Steinhardt, Gescheiterte Globalisierung

andreas.markt-huter - 17.09.2018

Titelbild: Heiner Flassbeck, Gescheiterte Globalisierung„Die Kritik an der Globalisierung ist scheinbar umfassend, aber sie ist zugleich unkonkret und unstrukturiert, weil bei allen unterschiedlichen Blickrichtungen und ganz unterschiedlicher Kritik praktisch nie infrage gestellt wird, dass der freie Handel Gutes tut. Die Globalisierung, sagte etwa Peter Bofinger, schade zwar dem Einzelnen, nütze aber den Nationen.“ (15)

Nachdem mit dem Ende des Kalten Krieges und der Spaltung der Welt in kapitalistischen Westen und kommunistischen Osten ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde, schien einem friedlichen Zusammenleben und einer globalen Kooperation der Länder nichts mehr im Wege zu stehen. Doch weder nationale Politik noch globale Kooperation wissen seit dieser Zeit der schrankenlosen dynamischen Liberalisierung der Märkte etwas entgegenzusetzen.

Katharina Mahrenholtz, Schriftstellerinnen!

h.schoenauer - 14.09.2018

Titelbild: Katharina Mahrenholtz, Schriftstellerinnen!Ein Titel mit einem starken Gender-Ausrufzeichen macht sofort nachdenklich, warum da etwas mit der Genderei noch nicht stimmt. Schriftstellerinnen kann ein Befehl sein, mit dem jemand in der Bibliothek egal was will, Hauptsache Schriftstellerinnen! Es kann aber auch eine Verzückung darstellen: Wohin man schaut, alles Schriftstellerinnen!

Katharina Mahrenholtz stellt eine über Jahrhunderte und Kontinente ausgreifende Literaturgeschichte des weiblichen Schreibens vor.