Georg Jäger (Hrsg.), Melachgeflüster
Kluge Täler geben dem Hauptfluss immer einen anderen Namen als dem Tal selbst, so können Feinde abgewehrt werden, indem man sie verschickt. Wenn jemand nämlich fragt, wo die Sellrain fließt, kann man ihn verschicken, im Sellraintal nämlich fließt die Melach.
Georg Jäger hat das Raunen und Ächzen, das Rumpeln und Schottern der Melach ausgegraben, wie es zwischen 1800 und der Zwischenkriegszeit in Sagen transportiert, mündlich überliefert oder in Lokalzeitungen zum Vorschein gekommen ist.
Je mehr die modernen Alpen durch Einrichtungen der Erholungsindustrie zugepflastert sind, umso heftiger drängt es die Menschen nach Geschichten vom archaisch klaren Überleben, wie es gerade in den Alpen als Super-Mythos erzählt wird.
Ganz egal wie lange ein Krieg dauert, es braucht immer Jahrzehnte und Generationen, um die sogenannten Kollateralschäden in den Seelen der Menschen halbwegs in eine Sprache zu bringen. Erst wenn man eine Geschichte zum Unsagbaren erzählen kann, besteht die Chance zu einer Versöhnung zwischen den Glückserwartungen und dem eingetretenen Unglück.
Kaum Handlung, kaum Thesen, kaum Genre, alles richtig, kaum etwas falsch.
Gute Schriftsteller überlegen ein Leben lang, was sie als den berühmten letzten Satz beim Sterben sagen könnten. Dabei entstehen oft ganze Gedichtbände.
„Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen, sagt der Volksmund. Da man Dummheit weder sehen, noch anfassen oder kaufen kann, ist es schwer sie zu beschreiben. Was wissen wir von ihr? Erstens lässt sich feststellen, dass sie scheinbar überall auftritt.“ (13)
Der 1943 geborene Hans-Henning Scharsach war langjähriger Leiter des Auslandssressorts von Kurier und News. Seit seiner Pensionierung ist er vorwiegend als Autor tätig. Zu seinen Büchern zählen Bestseller wie "Haiders Kampf", "Europas Populisten", "Die Ärzte der Nazis" oder "Strache - im braunen Sumpf".
In den Hitparaden und Charts gibt es nur Sieger, was aber machen die anderen, die nicht von der Geschmackstombola nach oben gespült werden?
Nach einem weit verbreiteten Kunstempfinden gilt die Ausstopfung als Steigerung der Skulptur. Wenn du wirklich ein echtes Denkmal willst, musst du den Helden ausgestopft aufstellen. Im österreichischen Literaturmuseum sind daher die wichtigsten Dichter mehr oder weniger ausgestopft dargestellt.
Im engeren Bedeutungssinn hat der Lebenslauf mit dem Abrennen einer Strecke zu tun, und wer einmal einem Marathonisten zugesehen hat, wie er nach dem Ziel zusammenbricht, der versteht, dass es beim Lebenslauf um Leben und Tod geht.