Andreas Kurz, Der Blick von unten durch die Baumkrone in den Himmel
Immer wieder wird der Vergleich herangezogen, dass lesen eigentlich gehen bedeutet, wenn es um einen Zustand geht, der eigentlich ein Zoom ist.
Andreas Kurz „umschreibt“ eine Sommer-Wanderung von Wien nach Budapest. Aber es geht hier nicht um einen Routenplaner, einen Wanderführer oder historische Abrisse, wiewohl diese Elemente vorhanden sind, es geht um diesen Zustand, der beim Gehen entsteht und der sich transformieren lässt in jenen Text, der uns Leser in den Geh-Zustand versetzt. Nicht umsonst wird einmal Peter Handke zitiert.
„«Ich bin Mathematiker.» «Oh, in Mathe war ich immer eine Niete!» «Ach wirklich? Trotzdem schien sie das, was ich gerade erzählt habe, zu interessieren.» «Ja, aber das ist keine richtige Mathematik …. Das kann man noch verstehen.» Nanu! Das hatte ich noch nie gehört: Die Mathematik wäre also, per definitionem, eine Disziplin, die man nicht verstehen kann?“ (S. 7)
Wenn etwas an der Oberfläche glatt und verlogen ist, muss man das Botox eben unterirdisch spritzen in Gestalt von Groteske und Anarchie.
Lesenden Patrioten drückt es heute noch das Wasser in die Augen, wenn sie sich daran erinnern, wie beim Brand der Wiener Hofburg 1992 die Feuerwehr im einen Abschnitt gelöscht und die Polizei im anderen Sektor wertvolle Bücher gerettet hat. In einer Bücherkette des Volkes werden die nationalen Schätze gerettet, obwohl niemand vor und nach dem Brand in diesen Büchern gelesen hat.
Überqualifiziert ist in der Arbeitswelt eine elegante Umschreibung für Kotzen. Wenn jemand keinen Zugang zur Arbeit findet, beschreibt man ihn beschönigend als überqualifiziert, damit er nicht gleich alles hinschmeißt, sondern sinnlos weitersucht.
In zivilisierten Gesellschaften hat der Staat das Gewaltmonopol, und damit möglichst viele Staatsbürger davon kosten können, gibt es in manchen Staaten eine Wehrpflicht.
Historische Romane benützen oft nur minimale Erzähl-Stäbchen, um den Leser sauber mit dem fetten Stoff in Verbindung zu bringen und eine generelle Verdauung auszulösen.
Die Liebe kann neben allerhand Störungen oder Zauberkräften auch eine satte Identitätskrise auslösen.
Wenn man im Netz die einsamen Gegenden nördlich des Polarkreises durchstreift, trifft man unter der Adelsbezeichnung „Persönlichkeiten“ auf Eishockeyspieler, Biathleten, Schispringer und Rodler. Umso erstaunlicher ist also die kulturelle Vorgabe, dass man in Südtirol durch Rodeln eine Persönlichkeit werden kann.
Ein Zug nach Prag, in dem ein Kafka sitzt, ist ungefähr so witzig wie ein Railjet, in dem die Schwarzen Mander auf dem Weg in die Innsbrucker Hofkirche sitzen.