Rüdiger Görner, Levins Abschied
Die Aufzeichnungen sind oft das Schönste von einem Ereignis oder Lebensabschnitt, im Idealfall gelingt es, heftige Erlebnisse in das Reagenzglas einer Impression zu drängen.
Rüdiger Görner spielt die gut dreißig Geschichten in beeindruckendem Rhythmus ab, auf kurze emotionale Blitzeinschläge folgen durchaus lange Erlebnis-Elegien, worin sich die Vorgänge noch während des Erzählens kristallklar absetzen können.
„Es ist weitaus schwieriger und beschwerlicher, über eine historische Tragödie zu berichten, als sie hervorzurufen oder an ihr teilzunehmen.“ (9) Dieser erste Satz des Partisanen-Buches hat die Kraft eines ganzen Studiums.
„WIE ENTSTEHT EINE Stadt? In den meisten Reiseführern liest man, Rom sei am 21. April 753 v. Chr. gegründet worden. Eine verdächtig genaue Angabe, die oft ungeprüft übernommen wird – und gedenken nicht die Römer selbst jedes Jahr am 21. April der Gründung ihrer Stadt?“ (5)
Große Erzählungen stellen immer auch scheinbar kleinliche Fragen, etwa, wie spielt man als Trommler die Nationalhymne? oder hat das Alter des Spaten einen Einfluss auf den Schlag, der dem Nachbarn über den Kopf gezogen wird?
In historisch bedingten Ausnahmefällen hat der Roman schon einen Roman erzählt, ehe er erscheinen kann.
„Grundlegend stehen sich also zwei unterschiedliche Arten des Inklusionsverständnisses gegenüber. Sie unterscheiden sich im angestrebten Reformtempo und – was noch wichtiger ist – darin, ob eine ungetrennte Gemeinsamkeit aller Schüler das ausschließlich gültige Ziel sein kann.“ (8)
So frech und selbstbewusst kann ein Leben gar nicht ablaufen, dass nicht eine unerwartete Schwangerschaft die beteiligten Personen zumindest kurzfristig aus der Ruhe brächte.
Menschen, die sich um Rechtschreibung kümmern, werden zwischendurch scheel angeschaut, weil sie entweder kleinkarierte Pipis oder heimliche Machtmenschen sind. Exzessives Rechtschreiben wird oft aus Gründen einer psychischen Störung bei sich selbst oder aus Disziplinierungsgründen bei anderen eingesetzt.
Kluge Täler geben dem Hauptfluss immer einen anderen Namen als dem Tal selbst, so können Feinde abgewehrt werden, indem man sie verschickt. Wenn jemand nämlich fragt, wo die Sellrain fließt, kann man ihn verschicken, im Sellraintal nämlich fließt die Melach.
Je mehr die modernen Alpen durch Einrichtungen der Erholungsindustrie zugepflastert sind, umso heftiger drängt es die Menschen nach Geschichten vom archaisch klaren Überleben, wie es gerade in den Alpen als Super-Mythos erzählt wird.