Albrecht Selge, Die trunkene Fahrt
Der pseudo-gesellige Ausdruck „zusammensaufen“ bedeutet nicht nur, zusammen etwas zu trinken, sondern gleich die ganze Thematik über den Haufen zu saufen. So ist es kein Wunder, dass Südtirol zwischendurch als genialer Grund für das Niedersaufen angesehen wird.
Albrecht Selge setzt mit der „trunkenen Fahrt“ eine schräge Expedition durch Südtirol in Gang. Wie für ein Casting-Treffen zu einer skurrilen Komödie kommen ein Jus-Student aus Bologna, ein Klavierspieler aus Hannover und ein Musikkritiker aus Berlin in einem miesen Fiat Panda zu sitzen und nehmen gleich Fahrt auf. Am Steuer sitzt der einheimische Brachial-Humanist Gasser, der als Gymnasiallehrer versucht, dem Volk die Grundzüge einer Bildung beizubringen.
Ein hoher Witz muss sein: Beim Gaußschen Gesetz wird der elektrische Fluss durch eine geschlossene Fläche vermessen, bei der Gaußschen Landkarte kommen Gegenden in peripherer Lage in den Fokus von Geschichte.
Der Titel ist höchst hinterlistig gewählt, es kann sich um mehrere Geburten handeln, die anfallen, aber auch um falsche oder ungültige, die wiederholt werden müssen.
Sogenannte Inselromane zeigen einen vollkommenen Kosmos, worin der Held sich autark entfalten kann. Seit Robinson Crusoe denkt man wohl bei jedem Inselroman an Einsamkeit, Überlebenswillen und fein austarierte Alltage.
Bei einem Essay tauchen in dieser Reihenfolge zwei Elementarfragen auf: Wie ist das Thema formatiert? Was ist überhaupt das Thema?
Eine unvergessliche Erzählung taucht aus dem Nichts auf, fesselt den Leser und löst sich samt dem Gefesselten wieder in Nichts auf.
Eine Zeitschrift nach einem Berg zu benennen, ist nie falsch. Zumindest Begriffe wie stabil, zeitlos und offen lassen auf ein Konzept schließen, wonach man mit Weitblick eine regionale Kultur zu bestreichen gedenkt. Arunda ist ein Berg in der Nähe von Mals Richtung Grenzgebiet zur Schweiz, von wo aus man an guten Tagen gute Sicht auf den Vinschgau hat.
Das Siegesdenkmal steht zwar in Bozen, beschäftigt aber wie jedes gute Denkmal das ganze Land, in diesem Falle ganz Tirol. Das Siegesdenkmal ist wie jedes gute Denkmal ständig vom Abriss bedroht und bringt dadurch ständig einen Diskurs auf die Beine. Abermals ein Beweis, dass es ein gutes Denkmal ist. Das Siegesdenkmal ist zur Zeit Anlass und Ort für eine denkwürdige Ausstellung, in der Macht, Herrschaft, Kultur, Baugeschichte und Gebrauch von Geschichte denkwürdig zum Ausdruck gebracht sind.
„Vor fünfzig Jahren herrschte Vollbeschäftigung, die Staatsverschuldung war zwanzig Jahre lang gesunken, der soziale und europäische Zusammenhalt war stärker als heute. Warum hat sich die Lage in Europa seither schleichend verschlechtert? Welche Einsichten braucht es, damit wir die gesellschaftliche Entwicklung nicht als »Sachzwang« erleben, sondern als gestaltbar, und zwar von uns selbst? Welche Wege führen aus der Krise?“ (9)
Begriffe geben manchmal vor, einen Sachverhalt darzustellen, und das Individuum ordnet sich meist diesen gängigen Bezeichnungen unter, damit eine Ruhe ist. In Wirklichkeit rumort es dann in den Helden weiter.