Alina Herbing, Niemand ist bei den Kälbern
Schon von Kinderbüchern an werden wird auf jenes helle Bild hin getrimmt, wie ein Bauernhof auszusehen hat. Und selbst ein Roman über das Leben auf dem Lande löst bei den meisten Lesern in der Erwartung garantiert archetypische Szenen aus.
Was immer man sich als Leser auch darunter vorstellt, was geschieht, wenn niemand bei den Kälbern ist, es ist noch grotesker und noch brutaler, was Alina Herbing da anhand der Heldin Christin vom Land berichtet. Eigentlich ist alles schön, das Land hinter Lübeck ist weit, die Tiere sind im eigenen Interesse auf Hygiene aus und gehen freiwillig in die Melkbox, der Hund Prinz tut alles, um unauffällig bei der Herrschaft Wohlgefallen auszulösen, und in harmonischer Entfernung wummert ein Windrad.
„Im vorliegenden Buch versuche ich zu zeigen, dass »Islam« für viele Hundert Millionen Gläubige etwas völlig anderes bedeutet als das, was radikale Splittergruppen als den »wahren Glauben« und die einzig richtige Gesellschaftsform propagieren.“ (18)
„Aber je länger ich mich mit den alten Griechen und ihrer Kultur beschäftigte, desto überzeugter bin ich, dass sie herausragende Eigenschaften besaßen, die man in dieser Fülle kaum anderswo im Mittelmeerraum oder im Nahen Osten findet.“ (13)
Jeder Mensch arbeitet ein Leben lang an seiner eigenen Erzählung, mit der er sich und anderen das Leben begreifbar macht. Und dann gibt es ab und zu eine Jahreszeit, da muss man sich selbst alles neu aufsetzen und erklären, weil nichts mehr passt.
„Wäre es als böses Omen gesehen worden, Erzherzog Ferdinand II. hätte gleich wieder umkehren müssen. Allzu viel ging schief, als der neue Landesfürst am 17. Jänner 1567 in seine zukünftige Residenzstadt Innsbruck einzog.“ (9)
Die Frage nach der Zeit gehört zu den gängigsten Anbahnungsfloskeln. Wenn jemand darauf keine Antwort weiß, liegt entweder ein Verständigungsproblem vor oder der Angefragte ist ein Philosoph.
Die Aufzeichnungen sind oft das Schönste von einem Ereignis oder Lebensabschnitt, im Idealfall gelingt es, heftige Erlebnisse in das Reagenzglas einer Impression zu drängen.
„Es ist weitaus schwieriger und beschwerlicher, über eine historische Tragödie zu berichten, als sie hervorzurufen oder an ihr teilzunehmen.“ (9) Dieser erste Satz des Partisanen-Buches hat die Kraft eines ganzen Studiums.
„WIE ENTSTEHT EINE Stadt? In den meisten Reiseführern liest man, Rom sei am 21. April 753 v. Chr. gegründet worden. Eine verdächtig genaue Angabe, die oft ungeprüft übernommen wird – und gedenken nicht die Römer selbst jedes Jahr am 21. April der Gründung ihrer Stadt?“ (5)
Große Erzählungen stellen immer auch scheinbar kleinliche Fragen, etwa, wie spielt man als Trommler die Nationalhymne? oder hat das Alter des Spaten einen Einfluss auf den Schlag, der dem Nachbarn über den Kopf gezogen wird?