Konrad Paul Liessmann, Bildung als Provokation
Bildung lässt sich vielleicht mit jenem Kinderspiel vergleichen, das früher analog und politisch unkorrekt gespielt worden ist. „Wer fürchtet sich vorm afrikanischen Mann? - Niemand. - Wenn er aber kommt? - Laufen wir davon.“
Konrad Paul Liessmann hat der Philosophie das Unterhaltsame zurückgegeben, ohne dass sie deshalb flach geworden wäre. Die kompliziertesten Ideen verknüpft er mit griffigen Bildern, er fordert den Widerspruch seiner Diskussionspartner heraus, und das Publikum, arg enttäuscht von Konsum und üblicher Unterhaltungsindustrie, entdeckt plötzlich die Neugierde auf das eigene Leben und liegt dem Philosophen weit gestreut zu Füßen.
Wenn die Gedichte ein Schatz sind, kann das Nachwort höchstens ein Tresor sein, bei dem manche Fächer entsperrt sind.
In Zeiten aufgewühlter Grapsch- und MeToo-Diskussionen wirkt ein literarisch-erotischer Roman umso zeitloser und hintersinniger.
Der Führer muss braver sein als das Land, durch das er führt! - Nach dieser Tourismus-Vorgabe erscheinen in Tourismus-Ländern regelmäßig Führer, die eine brave Geschichte fortschreiben und mit dem Hauben-Koch des aktuellen Jahres beenden.
Auch wenn er vielleicht ein wenig streng riecht und seine Früchte oft als Abführmittel verwendet werden, so ist der Faulbaum der ideale Schattenspender, um darunter auch ohne Sonne ordentlich zu faulenzen.
„Ein wesentlicher Bestandteil des amerikanischen Traums ist die soziale Mobilität: Auch wer arm geboren ist, kann es durch harte Arbeit zu Wohlstand bringen. Gemeint ist damit, dass jeder einen gut bezahlten Job finden, sich ein Haus und ein Auto leisten und seinen Kindern eine Ausbildung finanzieren kann … All das ist in sich zusammengebrochen.“ (11)
Die Literatur belohnt sich manchmal selbst, indem sie Prophezeiungen, tatsächlich eintreten lässt und eine Post-Dystopie daraus macht.
Das einzig Sinnvolle einer Waffe wie der Smith & Wesson ist ihr eingetragener Markenname. Damit lässt sich jede Menge Kohle machen, wenn man es klug angeht.
„Napoleon hatte sicher recht, als er feststellte, das Schwierigste im Krieg sei es, «die Pläne des Gegners zu erraten». Und mit genau dieser Schwierigkeit hatten es Marschall Blücher und der Duke of Wellington zu tun: Was plante der Kaiser?“ (59)
Einer Dichterin verzeiht man in unserer ewig jungen Konsumkultur vielleicht noch am ehesten, dass sie alt wird. Die Leserschaft erwartet sich von ihr eine gewisse Gelassenheit gegenüber dem Literaturbetrieb und Geschichten, die von Lebenserfahrung gespeist sind.