Kurzgeschichten

Wolfgang Pollanz, Ich, Vogel

h.schoenauer - 07.07.2008

Buch-CoverÜblicherweise kommen Vögel in Gedichten vor und symbolisieren darin den leichten Vorüberflug der Zeit. Wolfgang Pollanz, der Meister des irritierenden Klischees, lässt naturgemäß seinen Vogel auf dem Grazer Hausberg landen, und wenn er schon einmal da ist, kommt er auch gleich in den Titel.

So entsteht eine ironische Erzählvorgabe, worin das erzählende Ich leicht wie ein Vogel sein kann, die Welt aus der Vogelperspektive betrachtet wird oder das Ich den sprichwörtlichen Vogel hat.

Gundi Feyrer, Die Wolldecke

h.schoenauer - 07.07.2008

Buch-CoverOft liegen die Geheimnisse unter einer Wolldecke versteckt, das Kind schlüpft darunter und die Abenteuer legen los.

In Gundi Feyrers Geschichten spielt ein anonymes Gattungs-Kind die Hauptrolle, es nimmt ständig neue Eigenschaften an, während es die Umwelt erkundet, und gleicht so einem Erzähl-Chamäleon, das vor allem über die angepasste Haut die Erlebnisse zum Vorschein bringt.

Petra Öllinger / Georg Schober (Hrsg.), Rote Lilo trifft Wolfsmann

h.schoenauer - 01.07.2008

Buch-CoverBücher sind in der Hauptsache zum Lesen da, manchmal aber dienen sie bloß dazu, etwas zu dokumentieren. Beim Buch von der roten Lilo muss man als Leser entweder vif sein, oder grenzenlose Rätsellust im Bauch haben.

Bei dieser Dokumentation eines Literaturwettbewerbes geht es nämlich erst ziemlich spät um Literatur, in der Hauptsache wird verhandelt, wie Einsender/innen ausgesiebt, in Vorläufe und Hauptläufe gesteckt, und schließlich von Tutoren so richtig für die Literatur der Arbeitswelt her gebraten worden sind.

Susanne Schaber, Großes Welttheater auf kleiner Bühne

h.schoenauer - 15.06.2008

Buch-CoverEs gibt so Landstriche auf dem Kontinent, wo sich tatsächlich hinter jeder geographischen Krümmung eine neue Welt auftut.

Die Gegend um Triest und die Kulturoase Friaul stellen eine ideale Bühne dar, um auf engstem Raum großes Welttheater aufzuführen. Und tatsächlich sind die vorgestellten Protagonisten alle Mitglieder eines Weltorchesters von hervorragenden Köpfen.

Mariusz Szczygiel, Gottland

h.schoenauer - 25.05.2008

Buch-CoverAlles was Karel Gott besingt, ist Gott-Land. Kein Wunder also, wenn man ein Museum zu seinen Ehren Gottland nennt, welches das Publikum aus dem Häuschen bringt, wie Elvis in Memphis seinen Fans aus dem Jenseits heraus die Tränen der Rührung über die Wangen träufelt.

Ein polnischer Journalist macht sich in diesem Reportagen-Band auf, seine direkten Nachbarn in Tschechien ein wenig auf den Zahn zu fühlen und ihnen jenen grotesken Spiegel andersrum vorzuhalten, für den die Tschechen ja weltberühmt sind.

Matto Kämpf u.a., Das Lexikon der ausgestorbenen Sportarten

h.schoenauer - 25.05.2008

Buch-Cover

Ein Lexikon ist, wenn man es freiwillig und ohne Prüfungsstress benützen darf, eine fröhliche Unterhaltungsform, um einem Thema bis zu dessen eigener Verpuffung auf die Schliche zu kommen.

Einmal in der Hand gehalten, ist das Lexikon der ausgestorbenen Sportarten etwas vom Natürlichsten und Harmonischsten von der Welt.

Martin Kolozs, Bar

h.schoenauer - 13.04.2008

Buch-CoverMördergeschichten sind Erzählungen von und mit Mördern im wahrsten Sinne des Wortes.

In Martin Kolozs mörderischen Texten dürfen wir Leser nämlich manchmal ins Innere eines Mörders schlüpfen, uns wie wahnsinnig aufführen, ehe wir dann geläutert und von unserem imaginären Blutrausche erschreckt uns wieder deeskalieren und zu normalen Lesern werden.

Egyd Gstättner, Feine Fallrückzieher

h.schoenauer - 26.03.2008

Buch-CoverMit so einem Namen, kannst du nur ein Star auf dem Fußballfeld werden. - Ziemlich sarkastisch weist der Autor mit seinem kühnen Vergleich auf die Ähnlichkeit seines Namens mit einer "Gstetten" hin, wie ein Fußballfeld niedriger Qualität gerne genannt wird.

Unter dem schmeichelhaften Titel "Die Nummer eins" wird erzählt, wie Halbwüchsige und Heranwachsende Fußball spielen, wobei sich die Mannschaften das Tor immer imaginär und die Querlatte in Augenhöhe des Tormanns vorzustellen haben.

Thomas Brussig, Schiedsrichter Fertig

h.schoenauer - 24.03.2008

Buch-CoverDas Wort "fertig" gilt in der Fußballsprache als eine Zauberformel, seit ein Wundertrainer einmal völlig von Sinnen den seltsamen Satz in das Mikrophon gestoßen hat: "Ich habe fertig!"

In Thomas Brussigs Litanei heißt der Schiedsrichter Fertig, er ist selbst fertig, macht alle am Spielfeld fertig und letztlich auch den Leser mit seiner Litanei. Der Sinn einer Litanei besteht ja darin, durch permanente Anrufung selbst in den Zustand von Ekstase, Rage oder purer Meditationswut zu gelangen.

Margit Oberhammer (Hrsg.), Wortkörper

h.schoenauer - 18.01.2008

Buch-CoverJe besser ein Dichter umso schlechter sein Sex. - An diese blöde Volksweisheit mag man denken, wenn man sich der Sammlung Wortkörper zuwendet.

Unter dem Genre "Prosa der Sinne" hat Margit Oberhammer dreizehn Autorinnen und Autoren eingeladen, etwas über den Umgang mit dem Körper und dessen Fleischwerdung zum Wort zu schreiben.