Ulrike Kotzina, Melange an der Donau
Die zwei positiven Zutaten Fluss und Getränk ergeben bei gutem Licht ein anregendes Denk- und Sitzklima. „Melange an der Donau“ beschreibt eine Menge Stimmung, die in einem Stillleben kulminiert, worin bei guter Witterung Menschen im Freien sitzen und auf die Donau blicken, während sie die Melange umrühren.
Ulrike Kotzina hat in ihre „Erzählmelange“ elf Geschichten gepackt, die aber nicht über ein Inhaltsverzeichnis abrufbar sind, sondern nach dem Muster eines Romans durch chronologische Lektüre erarbeitet werden müssen. Wie bei einer echten Melange gehen die Zutaten fließend ineinander über und führen Licht und Schatten, Süßes und Bitteres, Ernst und Ironie zusammen, bis sich daraus der Grundton entwickelt: eine melancholische Heiterkeit.
Im Zeitalter von Hashtag-Überschriften ist es durchaus üblich, den Plot einer Nachricht in ein zusammengepresstes ZIP-Wort zu verpacken. Die deutsche Sprache neigt ohnehin zu Wortverpressungen, man denke nur an die Lust diverser Regierungen, ein Gesetz in Wortmonster zu verpacken und als „Gute-Kita-Gesetz“ zu beschließen.
Die meisten Pflanzen und Lebewesen drängen, wenn möglich, ins Helle und an die Sonne. Bei den Menschen freilich führt dieses Streben oft stracks ins Dunkel, und manches Schicksal scheint eine Bewegung „schattenwärts“ zu sein.
Das Buch von der Wiener Universal-Geschichte betritt man am besten, indem man wie durch einen akustischen Triumphbogen der Sprache mit zwei CDs hineinhüpft in den Text. „Weana Gschicht“ ist eine mündliche Angelegenheit, gleichsam öffentlich wie intim. Im Vorsatz sind die beiden güldenen CDs eingeklemmt. Der beigestellte Buchtext hat die Funktion, das Auge still zu halten, damit sich das Gehör konzentrieren kann. Wie eine Partitur zeigt der Text vor allem die Gliederung, die dem Jahrhundertwerk innewohnt.
Wenn etwas gebrochen ist, muss die Literatur wie ein Stützverband um die kaputten Stellen gelegt werden. Dabei ist viel Heilungsglaube vonnöten, sonst wirkt es nicht.
Patriotisches Selbstbewusstsein kann manchmal in einen Cäsarenkult übergehen, wenn das Land mitspielt und den darin geäußerten Wahnvorstellungen ein Revier gibt. Das bayrische „Mia san mia“ ist genauso patriotisch-pfiffig, wie das berüchtigte „Ik bin ein Berliner“. Da ist die Weltformel eines Österreichers geradezu romantisch: Ich bin Kaiser.
Ähnlich dem Rechenschieber und dem Schwindel-Wörterbuch für die Schularbeit ist der Atlas ein didaktisches Erinnerungsstück, das von einer Welt berichtet, als die Dinge noch zum Angreifen waren, so weit weg sie auch sein mochten.
Das Genre „Minidrama“ wird oft den Beatniks zugeschrieben, weil diese sich längst am Rand großer Dramen ansiedelt haben. Wenn die Mittel so beschränkt sind, dass es nicht einmal für Bühne, Kulisse, Vorhang – geschweige denn für einen Souffleurkasten – reicht, dann bleibt als letzter Ausweg nur das Minidrama. Darin ist die Autorenschaft des prekären literarischen Lebens bestens geschult. Jeder, der am Rand der Event-Kultur lebt, hat zumindest ein Minidrama in der Tasche, mit dem sich Zutritt in die Theaterwelt des Alltags verschaffen lässt.
Extreme Landschaften bringen meist extreme Sagen hervor, das heißt, diese Sagen erzählen sich wie von selbst aus der Erde heraus. So sprudeln aufregende Heldentaten gerne aus den Alpen hervor, aus der Donau und manchmal als witzige Irrläufer aus der Stadt Wien.
Tourismus ist wie Sex: Wenn du anfängst, darüber nachzudenken, ist er kaputt. Durch das Format Essay werden derlei Gefährdungen minimiert. Im Essay darf nämlich auf gesicherten Fakten subjektiv nachgedacht werden.