Literatur

Lissy Pernthaler, Lorbeer und Zitrone

h.schoenauer - 13.04.2009

Buch-CoverAm Balkon stehen oft die ungewöhnlichsten Pflanzen beisammen. Jede hat ihre eigene Geschichte und blüht in dieser ungewöhnlichen Umgebung ihrem Ende entgegen.

In den seltsamen Begegnungsgeschichten von Lissy Pernthaler kommen auf diese Art ein Lorbeerbaum und ein Zitronenbaum nebeneinander zu stehen. Und diese Botanik ist eigentlich nichts Besonderes, denn auch die Menschen mit ihren Hormonen kommen immer wieder nebeneinander zu stehen und machen sich untereinander die nächstbeste Liebesgeschichte aus.

Manfred Peters (Hrsg.), Seitensprünge

h.schoenauer - 31.03.2009

Buch-CoverSeitensprünge führen im Idealfall in Erlebniszonen, zu denen das emotional stabile Establishment oft keinen Zutritt hat. In der Literatur braucht es diese Seitensprünge jedoch, um periphere Raritäten zu entdecken.

Manfred Peters stellt in seinem Reader Literatur aus deutschsprachigen Minderheiten zusammen, dabei verknüpft er Texte aus Belgien, Ungarn und Südtirol.

Selma Mahlknecht, Es ist nichts geschehen

h.schoenauer - 30.03.2009

Buch-Cover"Es wird etwas geschehen" heißt es bei Heinrich Böll, "Es geschah am helllichten Tag", nennt sich der verfilmte Krimi von Friedrich Dürrenmatt und Selma Mahlknecht nennt ihren Roman ganz nach dem gängigen Beschwichtigungsmotto: "Es ist nichts geschehen".

Selma Mahlknechts Roman lässt sich wie eine putzige Familiengeschichte an und wird bald einmal rasant wie ein Krimi. Denn die wahren Kriminalfälle spielen sich immer im Familienkreise ab und um sie zu vertuschen, braucht es diese heruntergefahrene Formel: "Es ist nichts geschehen".

Martin Kolozs, Harte Zeiten

h.schoenauer - 30.03.2009

Buch-CoverDiese knallharten Geschichten amerikanischer Bauart kennen wir vom schnellen Durchblättern von Magazinen, vom Literaturunterricht, wo jeweils eine Geschichte genau in einer Stunde Platz hat, oder aus Anthologien, worin die Dichter eines ganzen Landstrichs jeweils zu einem vorgegebenen Thema ihre entmachtete Erzählwut herauslassen dürfen.

Martin Kolozs gilt mit seinen Kurz-Krimis bereits als Meister jenes knallharten Genres, indem nicht lange erzählt, aber mit knappen, ruckartigen Sätzen alles hingebogen wird.

Angelika Mayr-Gehler, s Fadele

h.schoenauer - 26.03.2009

Buch-CoverAn der Germanistik läuft seit Jahrzehnten jener Fach-Witz, wonach ein Professor seltsame Fügungen zur Prüfung gibt und der einzige, der die Klausur positiv abschließt, ist ein Ausländer, der soeben mühselig die deutsche Sprache gelernt hat.

Ein bisschen ist man an diese Prüfungssituation erinnert, wenn Angelika Mayr-Gehler aus der Ferne von Hildesheim ihre Südtiroler Mundart vorträgt. Streng aus der Erinnerung wird das Südtirolerische in jener Form zum Klingen gebracht, wie man es sich aus der Entfernung vorstellt.

Kurt Bracharz, Für reife Leser

h.schoenauer - 20.03.2009

Buch-CoverWahrscheinlich die eleganteste Verhöhnungsformel im Literaturbetrieb nennt sich "Für reife Leser". Darin wird unterschwellig suggeriert, dass ein bestimmtes Buch eigentlich nur von Lesevolltrotteln oder Lesekomikern rezipiert werden kann.

Kurt Bracharz greift diese freche Empfehlungsformel über die Zumutbarkeit von Literatur mit Genuss auf und überschreibt damit sein Lektüreprojekt.

Astrid Schönweger (Hrsg.), Von Schönheit, Alltag und Arbeit

h.schoenauer - 26.01.2009

Buch-CoverDiesen Titel muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, wie bei einem Gedicht kommen hier Härte und Durchhaltevermögen, Schönheit und Verschleierung, Arbeit und Ausbeutung Schlaglichtartig zum Vorschein.

Allein schon die Idee, ein Frauenmuseum zu installieren, ist ein eigenes Programm. Zu Beginn des "Museum-Lesebuchs" werden dem Meraner Frauenmuseum einige markante Frauenmuseen aus aller Welt gegenübergestellt, Beispielsweise in Senegal, in Oklahoma, Vietnam oder Australien.

Thomas Bernhard, Meine Preise

h.schoenauer - 23.01.2009

Buch-CoverPreise scheinen eine eigene Literaturgattung zu sein. Mittlerweile gibt es allein im deutschsprachigen Raum einige Tausend Preise, die mehr oder weniger regelmäßig vergeben werden.

Preise haben vor allem zwei Nutznießer: die Juroren, die eine wie immer geartete Kompetenz herausstreichen dürfen und dabei noch eine Jause oder ein kleines Honorar kriegen, und die Preisträger, die durch den Preis zu etwas Geld und einer Zeile für den Grabstein kommen. Dem Publikum ist der Preis ziemlich egal, die Dichter sollen dichten und nicht herum preisen!

Ronald Weinberger, Geometrische Gedichte

h.schoenauer - 21.01.2009

Buch-CoverVielleicht sind Gefühle die idealen Mathematiker, denn sie arbeiten punktgenau und stringent, ein ideales Gefühl ist vielleicht zielstrebig wie eine Gerade, und wenn einmal der Wende-Punkt gekommen ist, biegt es ab im rechten Winkel.

Bei einer Dreiecks-Geschichte denken wir Leser meist an komplizierte Situationen, vorne wird etwas anderes geredet als hinten getrieben wird, es gibt Enttäuschungen und Zerwürfnisse, der Haussegen hängt bei einer saftigen Dreiecks-Geschichte meist schief.

Bernhard Aichner, Schnee kommt

h.schoenauer - 20.01.2009

Buch-CoverIn professionellen Katastrophen-Filmen rasen noch vor dem Anspann die beteiligten Helden in scharfem Gegenschnitt auf einander zu.

Die Filmmusik tut das ihre, damit wir uns als Zuseher emotional zugespitzt auf die Katastrophe vorbereiten können. Dann sehen wir die Figuren noch einmal harmlos im Alltag herum wuseln, ehe unvermittelt das Desaster einsetzt.