Literatur

Raoul Schrott, Die fünfte Welt

andreas.markt-huter - 16.02.2007

Buch-Cover

Ein Logbuch führen meist Abenteurer, Entdecker, Forscher und Grenzgänger. Der Poet Raoul Schrott ist alles von dem, wenn er sich haptisch hochgerüstet und ortsgebunden auf den Weg macht, im Norden des Tschad den letzten unentdeckten weißen Flecken dieser Erde aufzusuchen.

Raoul Schrott stellt seinen drei Kapiteln des Logbuchs jeweils ein wunderbar-skurriles Zitat von Herodot voran.

Bosko Tomasevic, Gesänge an Innsbruck

andreas.markt-huter - 15.02.2007

Buch-CoverEine Stadt, die üblicherweise als purer Verkehrsknoten, Flughafen oder schizophrenes Sozialgewebe zwischen Sport, Kultur und Universität wahrgenommen wird, mit "Gesängen" zu behängen, ist ein nicht alltäglicher Vorgang.

Bosko Tomasevic wollte, wie er im Nachwort schreibt, als ein Mensch aus der Ebene kommend den Bergen huldigen, sein kulturelles Bewusstsein aus Serbien mit den Empfindungen der Gegenwart in Innsbruck in einander spiegeln und dem Zeitstrom zwischen historischen Porträts, Denkmälern und Institutionen freien Lauf gewähren.

Felicitas Hoppe, Johanna

andreas.markt-huter - 08.02.2007

Buch-CoverAh, das ist ein idealer Roman für germanistische Seminare! Eine Dissertantin Johanna hockt über dem Thema Johanna, und plötzlich fließen die Welten ineinander.

So kommt einmal die Universitätswelt unmittelbar zum Vorschein, wie man schwitzt und ständig Angst hat vor Prüfungen, und indirekt schwitzt das universitäre Wissen die historische Figur Johanna aus, die natürlich ebenfalls Angst hat, weil sie ja auf den Scheiterhaufen muss um dann nach fünfhundert Jahren heilig gesprochen zu werden.

Ruth Oberrauch (Hrsg.), Appetit auf Lesen

andreas.markt-huter - 02.02.2007

Buch-CoverEin Buch ist mehr als eine Ansammlung von Texten und Bildern, und Lesen ist natürlich mehr als bloß das Abscannen von Buchstaben. Wie jede Kultur sammelt auch die Lesekultur von Zeit zu Zeit frische Kräfte und ruft eine mitreißende Aktion aus, in diesem Falle den Südtiroler Lesefrühling.

Im knitterfesten Spirallook stellt Ruth Oberrauch 125 Ideen vor, mit denen man das Lesen zu einem Ereignis werden lassen kann. Wie bei gastronomischen Auftischungen soll dabei der Appetit aufs Lesen mit sorgfältigen Arrangements und verblüffenden Wendungen allmählich wachsen.

Aschenwald/Kraxner/Strauß, Female Lyrics

andreas.markt-huter - 02.02.2007

Buch-CoverMeistens entsteht Literatur, weil eine Autorin oder ein Autor eine Lücke zwischen Realität und Vorstellungskraft sieht, und diese dann mit Text auskittet. Und dann gibt es noch die bestellte Literatur, wenn jemand aus Feierlichkeit, wegen eines Jubiläums oder einfach wegen einer statistischen Unausgewogenheit eine Literatur bestellt.

Die Tiroler Literaturzeitschrift Cognac & Biskotten hat eines Tages mit Entsetzen festgestellt, dass es zu wenig weibliche Literatur gibt, und daher den Wettbewerb „female lyrics“ ausgerufen. Völlig spontan sind daraufhin drei Autorinnen in drei Tiroler Dörfer gefahren und haben sich dort den weiblichen Teil der Welt angesehen und aufgeschrieben.

Jean-Louis Poitevin, Die Gerüche der Küche

andreas.markt-huter - 01.02.2007

Buch-CoverSo umfangreich, abrupt und raffiniert verzirkelt wie Robert Musils Hauptwerk „Der Mann ohne Eigenschaften“ ist auch der Trakt jener Bücher, die mittlerweile über Robert Musil erschienen sind und stündlich neu erscheinen. Die Frage bei einem Werk über Musil lautet also. Was ist dieses Mal der besondere Aspekt, der die Ausführung einer weiteren Musilanalyse notwendig gemacht hat?

Für Jean-Louis Poitevin ist letztlich die Küche der ideale Ort, um sich Musil zu nähern. In einem ganz winzigen Schlusskapitel wird auf die relativ lapidare Erkenntnis zurückgegriffen, dass es in der Küche anders riecht als im Speisesaal, dass die Speisen am Schneidebrett anders aussehen als am Teller, ja dass das Leben in einem Text anders aussieht als in freier Wildbahn. Diese kleine Erkenntnis hat dem Musil-Buch schließlich den Titel gegeben, der Buchtitel ist somit eine wohlriechende Irritation auf dem großen Ausgelege des Musilschen Frischmarktes.

Hermann Winkler, Geschichten eines Mannes

andreas.markt-huter - 31.01.2007

Buch-CoverWenn am Klappentext der Schriftsteller als Wunderguru mit Auszeichnungen und Sternen der Dritten Art herzunterglänzt, wird es für die Leserschaft so richtig interessant, diesen Balsam des gelungenen Lebens mit der Qualität des Textes zu vergleichen.

Im Falle von Hermann Winkler spielt sich bereits auf der Umschlaglasche höchste Literatur ab. Während da Begriffe heruntersegeln wie Student des Jahres, Master of King Hong Kong oder Controller of the year, sind seine literarischen Auszeichnungen nicht minder aus den Socken werfend: Sparkassenpreis alle zwei Jahre und Prosaanerkennungspreis Brixen / Hall.

Andreas Maier, Ich

andreas.markt-huter - 30.01.2007

Buch-CoverEndlich seit Karl May wieder einmal jemand, der ICH sagt und daher wirklich alles sagt. In den Frankfurter Poetik Vorlesungen dürfen Autoren des Verlagshauses Suhrkamp alles sagen, was ihnen zum eigenen Werk oder zur eigenen Person einfällt. Andreas Maier tut das, indem er zu allem Ich sagt.

Dabei ist Andreas Maier ein Leben lang stolz auf seine Verweigerungskraft. Das Motiv der Kindergartenverweigerung zieht sich durchs ganze Leben. Etwas wird nur gut, wenn man es verweigert.

Gerhard Kofler, Ausgewählte Gedichte

andreas.markt-huter - 17.01.2007

Buch-CoverWenn es so etwas wie eine Identität stiftende Hymne für Südtirol gibt, dann ist es vielleicht der Lyriker Gerhard Kofler als Leben und Werk. Früh ausgewandert ist er ein Weltdichter geworden, in vielen Sprachen zu Hause, und dennoch beinahe unsichtbar, denn seine Gedichte stecken meistens zwischen den Sprachen.

Viele seiner Gedichte sind wie eine ausgeklappte Folie auf Italienisch und Deutsch erschienen, erst im hin und her schweifen zwischen den Texten entsteht das eigentliche Gedicht.

Uwe Ladstädter (Hrsg.), Da und dort

andreas.markt-huter - 16.01.2007

Buch-Cover"Osttirol. Das könnte die DDR Tirols sein, aber das ist es nicht." – Da und dort handelt von Osttirol, wie es in der Welt liegt, wie die Bewohner immer frecher werden und Selbstbewusstsein entwickeln, wie es sich überall auf der Welt eine tolle Heimat entwickeln lässt, wenn man genug Humor dafür mitbringt, und wie da und dort prächtige Literatur entsteht, wenn man sie aufkommen lässt.

Zusammengehalten wird dieses literarische Selbstbewusstsein durch die Lienzer Wandzeitung. In ihr werden nicht nur monatlich neue Texte vorgestellt, alle zwei Jahre schreibt deren Redaktion auch den Christoph-Zanon-Preis aus, benannt nach dem jung verstorbenen Osttiroler Schriftsteller Christoph Zanon.