Wolfgang Brunner, manifesto vigilancia
Manifesto vigilancia kann man vielleicht als lyrisches Überwachungsprotokoll übersetzen. Wolfgang Brunners Gedichte sind nämlich vom Schriftbild her gesehen als Protokoll angefertigt, das ein rasch tippender Polizist nach einem Ereignis in Echtzeit zu bewältigen versucht. Die Szenerie ist oft recht unaufällig, aber eine Kleinigkeit ist dann unsachgemäß installiert und evoziert ein Gedicht.
Raucher stehen bei schrecklichen Minusgraden am Balkon und fühlen sich berauscht, aber sie überschätzen die Lage und kennen sich plötzlich nicht mehr aus. Eine Bar zum Liebhaben wird eingerichtet und schon zeiht sich eine Bratenspur aus Altöl bis hinauf zur Staumauer, dahinter hat sich das Brennnesselland versteckt.
Ein Wort, das nicht gesprochen wird, verflüchtigt sich aus dem Wortschatz. Gott ist so ein Wort, das nach Ansicht von Hans Augustin ziemliche große Lust auf Verflüchtigung hat. In knapp fünfzig Gedichten wird daher Gott wieder in den Sprachgebrauch reanimiert, und das in recht aufregendem Ambiente.
Wortgestöber! Da ist man als Leser sofort drin in einer heftig aufgerührten Landschaft, wie sie vielleicht Paul Flora durch die Winter schickt, oder man denkt an ein Kinderlied, wo es draußen heftig zugeht und drinnen in "Muaters Stübele" sitzt die Wärme.

Vielleicht sind poetische Ratgeber die beste Ermunterung, sich auf eine neue Sicht der Dinge einzulassen. Mit ihrem Roman ?Der Liebhaberreflex? hat Kirstin Breitfellner jüngst etwas recht Angenehmes publiziert, nämlich die Gepflogenheiten von Liebhabern, deren Liebreiz und das aufgegeilt Ungustiöse von Balzritualen auf ironische Art vorzuführen.

