Jonathan Safran Foer, Extrem laut und unglaublich nah
Neunjährige ticken anders, auch wenn sie frühreife Genies sind. In Jonathan Safran Foers Roman gibt es daher viele leere Seiten, Seiten mit nur einem Satz drauf, und Bilder, die auf den ersten Blick ziemlich verworren sind.
Extrem laut und unglaublich nah ist die Kurzbeschreibung für die generelle Wahrnehmung des neunjährigen Oskar Schell. Er trommelt sich wie in Günter Grass Roman als Oskar mit seiner Blechtrommel durch New York und sucht seinen Vater.
Es gibt diese Romane, die sind heruntergefahren wie Murmeltiere im Winterschlaf und gerade deshalb knistrig heiß und aufregend. Walter Kappacher, der Meister des erzählten Stillstands, schickt in seinem Selina-Roman einen Lehrer in die Auszeit, um das andere Leben zu entdecken.
Aus dem Agentenmilieu kennen wir das Undercover-Syndrom, es geht um verdeckte Ermittlungen, verdeckte Recherchen, verdeckte Fahndungen. Ludwig Thalheimer fotografiert in Undercovermanier. 
Die Geschichte als rauschender Fluss, der immer wieder das Ufer annagt, und wer zu knapp am brüchigen Ufer steht, wird mitgerissen oder überschwemmt!
Hinter den Prospekten vom schönen Dorf gibt es jene sozialen Everglades, in denen einsame Jäger ihre Dosenbiere trinken und den Alligatoren beim Dösen zusehen.
Mein Vater war ein Nazi! - So beginnen mittlerweile tausende Aufarbeitungsromane und dieser Satz ist längst zum schönsten in der deutschen Gegenwartsliteratur gekrönt worden. Aber Jochen Jung gehört dieses mal nicht zu den üblichen Autoren, die sich die Vergangenheit vom Leib schreiben, er nimmt diese literarischen Aufarbeitungsmythen selbst zum Thema für eine Groteske.
Der Überkrimi schert sich nicht um Plot oder Leichen, sondern saugt wie ein überdimensioniertes Argusauge die Stimmung aus den letzten Winkeln einer Gegend. Der Kommissar oder Privatdetektiv dient in solchen Romanen als Ansaugdüse, um Dreck, schlechte Stimmung und Ödnis aufzustöbern.
Wenn in der Literatur etwas schier unerträglich schön ist, spricht man von einem Locus amoenus. Alfred Komarek hat den Lokus-Roman als Literaturgattung erfunden. In diesen Romanen tauchen die Helden in einer schönen Gegend auf und arbeiten sich durch den Fremdenverkehrsprospekt.
Folgen hat dabei mindestens drei Bedeutungen: Einmal ist es das pädagogische Gehorchen, das in jeder Kindheit steckt. Dann sind sicher im Sinne des Fortsetzungsromans die einzelnen Abschnitte gemeint, die sich zu einer Abfolge als Leben zusammenschließen. Und schließlich geht es um die Idee der Konsequenz, alles, was wir tun, ist die Folge von etwas Vorausgegangenem.