Elias Schneitter, Frühstück mit Sonnenbrille
Hinter den Prospekten vom schönen Dorf gibt es jene sozialen Everglades, in denen einsame Jäger ihre Dosenbiere trinken und den Alligatoren beim Dösen zusehen.
In Elias Schneitters skurrilem Roman sitzen ein paar Figuren am Rande des Dorfes und zerkugeln sich vor Lachen. Nicht umsonst heißt ihr Headquarter für geistige Getränke "Kugellagerbar", eine Bar, von der die kreisförmigsten Gedanken ausgehen. Heißt sie jetzt so, weil einmal ein Mechaniker mit Kugellagern darin gearbeitet hat, oder weil sich alles wie geschmiert im Kreis dreht, oder weil man sich wirklich zerkugelt?
Mein Vater war ein Nazi! - So beginnen mittlerweile tausende Aufarbeitungsromane und dieser Satz ist längst zum schönsten in der deutschen Gegenwartsliteratur gekrönt worden. Aber Jochen Jung gehört dieses mal nicht zu den üblichen Autoren, die sich die Vergangenheit vom Leib schreiben, er nimmt diese literarischen Aufarbeitungsmythen selbst zum Thema für eine Groteske.
Der Überkrimi schert sich nicht um Plot oder Leichen, sondern saugt wie ein überdimensioniertes Argusauge die Stimmung aus den letzten Winkeln einer Gegend. Der Kommissar oder Privatdetektiv dient in solchen Romanen als Ansaugdüse, um Dreck, schlechte Stimmung und Ödnis aufzustöbern.
Wenn in der Literatur etwas schier unerträglich schön ist, spricht man von einem Locus amoenus. Alfred Komarek hat den Lokus-Roman als Literaturgattung erfunden. In diesen Romanen tauchen die Helden in einer schönen Gegend auf und arbeiten sich durch den Fremdenverkehrsprospekt.
Folgen hat dabei mindestens drei Bedeutungen: Einmal ist es das pädagogische Gehorchen, das in jeder Kindheit steckt. Dann sind sicher im Sinne des Fortsetzungsromans die einzelnen Abschnitte gemeint, die sich zu einer Abfolge als Leben zusammenschließen. Und schließlich geht es um die Idee der Konsequenz, alles, was wir tun, ist die Folge von etwas Vorausgegangenem.
Vincent ist ein skurill-höhnischer Künstlerroman, der mit allen Kunstbetrieben der Gegenwart ziemlich unrund ums Eck fährt.
Das Thema ist diese leichtfüßige Zeit, wie sie sich vor allem in französischen Romanen darstellen lässt.
Die größte Aufregung eines Beamten ist sicher der Antritt der Pension. Der Roman "Falscher Hase" setzt denn auch mit einem Supersatz ein, der durchaus das Zeug zur Weltliteratur hat: "Kommissar Paffrath hat es ausgestanden. (5)