Roman

Alfred Komarek, Die Schattenuhr

h.schoenauer - 29.08.2005

Buch-CoverWenn in der Literatur etwas schier unerträglich schön ist, spricht man von einem Locus amoenus. Alfred Komarek hat den Lokus-Roman als Literaturgattung erfunden. In diesen Romanen tauchen die Helden in einer schönen Gegend auf und arbeiten sich durch den Fremdenverkehrsprospekt.

Im neuen "Käfer"-Roman geistert Daniel Käfer wieder durch das Ausseer Land, dem Roman ist als Lesezeichen eine himmelschreiend schöne Postkarte des Tourismusverbandes Salzkammergut-Ausseerland eingelegt und die Handlung ist bald einmal erzählt.

Ludwig Laher, Folgen

h.schoenauer - 25.08.2005

laher_folgen.jpgFolgen hat dabei mindestens drei Bedeutungen: Einmal ist es das pädagogische Gehorchen, das in jeder Kindheit steckt. Dann sind sicher im Sinne des Fortsetzungsromans die einzelnen Abschnitte gemeint, die sich zu einer Abfolge als Leben zusammenschließen. Und schließlich geht es um die Idee der Konsequenz, alles, was wir tun, ist die Folge von etwas Vorausgegangenem.

Die dargestellte Kindheit ist auf den ersten Blick gewöhnlich wie alle österreichischen Kindheiten von Menschen, die anläßlich des österreichischen Staatsvertrags geboren sind. Das Besondere an der Laherschen Erzählweise ist die Konstellation, in der diese Geschichte aufgespannt ist. Der Erzähler ist genauso alt wie der Vater, als dieser starb. Gleichzeitig handelt ein wichtiges Buch des Erzählers von einem Sohn, der knapp vor fünfzig die Aufzeichnungen seines Vaters gelesen hat, der ein Nazi gewesen ist.

Joey Goebel, Vincent

h.schoenauer - 21.08.2005

goebel_vincent.jpgVincent ist ein skurill-höhnischer Künstlerroman, der mit allen Kunstbetrieben der Gegenwart ziemlich unrund ums Eck fährt.

Ein greiser Kunstmäzen, der es vermutlich nicht mehr schafft, seine Millionen noch in dieser Welt auszugeben, sponsert die Kunst. Freilich ist es ein zynisches Sponsoring, denn in der Schreibschule für Eliten sollen die Künstler doofe Ware für ein doofes System herstellen, sprich, Drehbücher für Vorabendserien und Popsongs für illuminierte Kids.

Urs Faes, Als hätte die Stille Türen

h.schoenauer - 31.07.2005

Buch-Cover

Wir sind Spätlinge.? ? Der Komponist Alban Berg schreibt in den Zwanziger Jahren die hitzigsten Liebesbriefe der Literaturgeschichte an seine Freundin Hanna Fuchs-Werfel, er ist aufgewühlt in seiner Spätleidenschaft, und die Stille zwischen den Tönen hat Türen.

Den Journalisten David Rudan trifft es kurz vor dem Jahrtausendwechsel ähnlich heftig. Eigentlich will er vor seiner Pensionierung noch etwas über Bäume schreiben, das passt gut in den Herbst, aber da kriegt er dieses Stechen im Unterleib und erkrankt sinnlos schwer und lebensmüde.

Yasmina Reza, Adam Haberberg

h.schoenauer - 06.06.2005

Buch-CoverDas Thema ist diese leichtfüßige Zeit, wie sie sich vor allem in französischen Romanen darstellen lässt.

In der deutschen Übersetzung kommt diese lucide Zeitwahrnehmung als Präsens daher, aktuell und zeitverzögert erinnert in einem. Auch diese Zeitwörter des Sich-Anschickens, die wir seit Proust so schätzen, sind wieder da: „Adam entledigt sich seines Mantels. Marie-Thérèse geht ihn aufhängen und kommt mit einem Glas Wasser zurück.“ (86)

Kerstin Hensel, Falscher Hase

h.schoenauer - 05.06.2005

Buch-CoverDie größte Aufregung eines Beamten ist sicher der Antritt der Pension. Der Roman "Falscher Hase" setzt denn auch mit einem Supersatz ein, der durchaus das Zeug zur Weltliteratur hat: "Kommissar Paffrath hat es ausgestanden. (5)

Jetzt geht der Kommissar also in Pension, hat sein Leben nichts anderes getan als diesen blöden faschierten Braten gegessen, den falschen Hasen eben. Und stets gehorsam Dienst geleistet, wie sein Vater, nur dass dieser Brände gelöscht hat während der Nazizeit. Und der junge Heini hat Fälle gelöst hat, quer durch alle Regimes.

Brita Steinwendtner, Im Bernstein

h.schoenauer - 15.05.2005

Buch-Cover

"So schnell ließe sich ein Leben erzählen." (11) Tatsächlich geht es in Brita Steinwendtners Roman im Vorspann vorerst einmal ruckezucke zu.

Isa sucht wieder einmal einen Neubeginn, der Vater ist im Krieg gefallen, die Mutter stirbt, als sie vierzehn ist, nach der Hauptschule gibt es eine Schneiderlehre, dann etwas Studium, Au-pair-Mädchen in Paris und Los Angeles, mit 25 in Wien eine Stelle bei einer Tageszeitung, Heirat und Scheidung, irgendwann kehrt Isa nach Linz zurück und gründet ein eigenes Büro.

Jason Starr, Twisted City

h.schoenauer - 29.04.2005

Buch-Cover

Nach zwei, drei Leichen ist auch der härteste Typ irgendwie angeschlagen. Andererseits braucht es in der thrillernden Gegenwartsliteratur einfach diese Leichen, um ans Innere des Helden ran zu kommen.

Jason Starr erzählt von der grandiosen Stadt New York, die offensichtlich an jener dünnen Linie am aufregendsten ist, an der die Welt des Erfolges in Misserfolg übergeht. Nicht umsonst heißt der Romantitel wörtlich übersetzt ?verdrehte Stadt?.

Patrick Hamilton, Hangover Square

h.schoenauer - 16.04.2005

Buch-Cover

Hangover ist jener Zustand, den man in den Alpen akademisch mit Spätfetzen oder Post-Sud bezeichnet. Der Hangover Square ist also ein Bermuda-Dreieck des Alkohols, worin Helden schon zu Lebzeiten immerwährend versickern können.

Von Patrick Hamilton wird daher in der Literaturgeschichte mit Süffisanz erzählt, dass er nach einem Autounfall für das Leben entstellt und die Literatur ideal eingestellt gewesen ist. Als krönender Abschluss solcher Dichterbiographien gilt dabei ein Tod infolge von Leberzirrhose.

Sibylle Mulot, Die Fabrikanten

h.schoenauer - 27.03.2005

Buch-Cover

Manchmal kann ein Stau im Geldfluss eine neue Sicht auf die Welt eröffnen.

In Sibylle Mulots Roman "Die Fabrikanten" ruft die Studentin Lis Kahn von Oslo aus zu Hause im Schwarzwald an, die Telefonmünze klemmt, das Gespräch mit der Mutter wird zeitlich unbegrenzt und es tut sich ein Abgrund auf. Die Familie ist bankrott, Lis muss sofort nach Hause fahren, das Studium abbrechen, Buchhändlerin werden und ihr Leben als Bürgschaft an die Bank verpfänden.