Thomas Brussig, Schiedsrichter Fertig
Das Wort "fertig" gilt in der Fußballsprache als eine Zauberformel, seit ein Wundertrainer einmal völlig von Sinnen den seltsamen Satz in das Mikrophon gestoßen hat: "Ich habe fertig!"
In Thomas Brussigs Litanei heißt der Schiedsrichter Fertig, er ist selbst fertig, macht alle am Spielfeld fertig und letztlich auch den Leser mit seiner Litanei. Der Sinn einer Litanei besteht ja darin, durch permanente Anrufung selbst in den Zustand von Ekstase, Rage oder purer Meditationswut zu gelangen.
Ob ein Gesicht eine Bedeutung hat, merkt man an seiner Fähigkeit, zur Karikatur zu werden. Wer nie gezeichnet wird und dadurch gezeichnet ist, rutsch vor Mittelmaß und Unauffälligkeit durch die öffentliche Wahrnehmung.
Manche Bücher reißen uns zuerst mit dem Cover von den Beinen, ehe sie sie uns dann mit dem Text aus den Socken stülpen.
Altes Gerümpel wird ehrfürchtig Kramasuri genannt, wenn man daraus vielleicht noch etwas machen kann. Philosophisch gesehen ist Kramasuri ein Chaos, das liebevoll nach einem ordnenden Eingriff schreit.
Wer in Tirol jemandem die Frage stellt: Was haben Tiroler und Inder gemeinsam?, könnte seit kurzem die Antwort erhalten: Ein Kamasutra! Der Autor Helmuth Schönauer hat sich gemeinsam mit dem Zeichner Bertram Haid auf die Suche nach den Stellungen der Tiroler begeben, nach dem Motto: Sag mir deine Stellung und ich sag dir wer du bist!
Während allenthalben die Würdenträger Österreichs auf das Abknallen eines formidablen Hirsches aus sind, liefert die Hirschin den Unterleib dieser Geisteshaltung. Fast jede Lederhose ist aus einer Hirschin gefertigt, deren Haut musisch, dramatisch oder lyrisch sich um die Genitalien des Lederhosenträgers schmiegt.
Botschafterromane haben immer etwas Skurriles an sich. Da ist zum einen die abgehobene Sprache, mit der sich Diplomaten gegenseitig die Nasenkrümel aus der Semantik ziehen, und zum anderen das Elitebewusstsein, wo immer ein Botschafter auch ist, er hält sich in einem sozial besonders ätherischen Areal auf.
Taugenichtsin ist eine schelmische Berufsbezeichnung für eine arbeitslose Frau, die aber der Gesellschaft nicht die Zunge zeigt sondern ein nettes Gesicht macht, wenn „Pfoti geben“ angesagt ist.
Bei Kochbüchern ist es so wie mit den Büchern überhaupt, natürlich steht meist etwas Gutes drin, aber bemerkenswert ist das Drumherum.
Heutzutage wird man als Urlaubender wie ein Dinosaurier angestarrt, wenn man nicht geflogen ist, aber lange Zeit galt Fliegen wirklich als das luftige Ereignis, das nur für Prominenz und Pseudopromis gedacht war.