Wissen | Information

Bernd Schuchter, Gebrauchsanweisung für Tirol

h.schoenauer - 11.12.2017

Der Führer muss braver sein als das Land, durch das er führt! - Nach dieser Tourismus-Vorgabe erscheinen in Tourismus-Ländern regelmäßig Führer, die eine brave Geschichte fortschreiben und mit dem Hauben-Koch des aktuellen Jahres beenden.

Bernd Schuchter hat unter dieser Vorgabe die „Gebrauchsanweisung für Tirol“ verfasst. Zusätzlichen Druck macht ihm dabei Reinhold Messner, der vor Jahren im gleichen Verlag die Gebrauchsanweisung für Südtirol geschrieben hat.

Noam Chomsky, Requiem für den amerikanischen Traum

andreas.markt-huter - 06.12.2017

„Ein wesentlicher Bestandteil des amerikanischen Traums ist die soziale Mobilität: Auch wer arm geboren ist, kann es durch harte Arbeit zu Wohlstand bringen. Gemeint ist damit, dass jeder einen gut bezahlten Job finden, sich ein Haus und ein Auto leisten und seinen Kindern eine Ausbildung finanzieren kann … All das ist in sich zusammengebrochen.“ (11)

Der amerikanische Traum ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die allen offensteht, wenn sie nur hart dafür arbeiten und sich bemühen. Was für eine gewisse Zeit lang und bis zu einem gewissen Grad durchaus der Wirklichkeit entsprochen hat, hat in der Gegenwart seine Gültigkeit verloren. Und obwohl die soziale Mobilität in den USA mittlerweile geringer ist als in Europa, wird der amerikanische Traum durch die Propaganda bewusst am Leben gehalten.

Bernard Cornwell, Waterloo

andreas.markt-huter - 29.11.2017

„Napoleon hatte sicher recht, als er feststellte, das Schwierigste im Krieg sei es, «die Pläne des Gegners zu erraten». Und mit genau dieser Schwierigkeit hatten es Marschall Blücher und der Duke of Wellington zu tun: Was plante der Kaiser?“ (59)

Knapp ein Jahr nach seiner Verbannung auf die Insel Elba kehrte Napoleon wieder nach Frankreich zurück und überrascht mit dieser Aktion die auf dem Wiener Kongress versammelten Fürsten und Könige, die in Wien gerade mit der Restauration Europas beschäftigt sind. Als es Napoleon gelingt, eine neue Armee aufzustellen, treten ihm mit dem englischen General, dem Herzog von Wellington und dem preußischen Generalfeldmarschall Blücher bei Waterloo zwei ebenbürtige Gegner gegenüber, deren Armeen sich im Juni 1815 bei Waterloo die alles entscheidende Schlacht liefern.

Juri Andruchowytsch, Kleines Lexikon intimer Städte

h.schoenauer - 24.11.2017

Städte sind mehr oder weniger fixe Haken der Geschichte, an denen man die eigene Arbeit, die Träume und Abenteuer einhängen kann.

Juri Andruchowytsch führt seit jeher ein literarisches Leben, das sich zwischendurch in Lesereisen, Romanen und Projekten ausformt.
Daraus entsteht wie von selbst ein Netz aus Erlebnisknoten, die von aufgesuchten Städten zusammengehalten werden. Eine freie Erzählform ergibt sich dabei, wenn man die Städte zu einem Lexikon zusammenfügt.

Lidija Klasic, Noch 172 Tage bis zum Sommer

h.schoenauer - 22.11.2017

Es gibt so psychisch helle Sonnenaufgänge, auf die sich nicht nur Kinder hinzählen, soundso viele Tage, dann kommt das Christkind, sondern auch Erwachsene, soundso oft noch an der Zeitmaschine einchecken, dann kommt die Pension.

Lidija Klasic lässt den Sehnsuchtsseufzer „Noch 172 Tage bis zum Sommer“ von einer Künstlerin ausstoßen, die bei Einbruch des Herbstes ihre Werkstätte schließt und das Areal winterfest macht. Istrien spielt nämlich in den Wahrnehmungen und Lobeshymnen immer im Sommer. Der kluge Kunstexperte freilich weiß, dass die wahren Schätze winterfest in den alten Gemäuern schlummern.

Brigitte Mazohl u.a., 99 Fragen an die Geschichte Tirols

h.schoenauer - 09.11.2017

Geschichte besteht wie auch Literatur hauptsächlich aus Vermittlung. Erst wenn wir Quellen, Erzählungen und Dokumente in die Hand nehmen, wird daraus Geschichte. Das erklärt auch, warum jede Generation immer wieder die Geschichte neu erzählen muss.

Während spektakuläre Aufbereitungen der Geschichte in Form von Apps, Schautafeln oder Comics oft den Stoff mit Methode zudecken, hat das gute alte Frage-Antwortspiel immer noch den Vorteil, dass es Quiz-gemäß den Spieltrieb stillt und Pflicht-gemäß für allerhand Varianten des überprüfbaren Bildungssystems geeignet ist.

Barbara Stollberg-Rilinger, Maria Theresia

andreas.markt-huter - 02.11.2017

„Der Suggestionskraft dieser Heldenerzählung kann man sich schwer entziehen. Sie machte Maria Theresia im Laufe des 19. Jahrhunderts zu der Symbolgestalt österreichischer Staatlichkeit schlechthin. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass das nicht immer so war.“ (X)

Maria Theresia zählt wohl zu den bekanntesten Herrscherinnen der Geschichte und in Österreich ist das mythische Bild der übergroßen Landesmutter weitverbreitet. Dabei spielte die Erinnerung an die „Kaiserin“ in den Schriften zur Zeit der Französischen Revolution schon kaum mehr eine Rolle. Es war das 19. Jahrhundert, das sie wieder auferstehen ließ und ihr die Rolle einer zentralen Symbolgestalt der österreichischen Staatlichkeit zukommen ließ. Anhand eines umfangreichen Quellenmaterials legt Barbara Stollberg-Rilinger minutiös das Bild der Kaiserin und ihrer Zeit vor ihrer Verklärung im 19. Jahrhundert frei.

Peter Henkel, Schluss mit Luther

andreas.markt-huter - 17.10.2017

„Seit der Aufklärung vor rund zweihundertfünfzig Jahren blieb noch jedes Luther-Jubiläum hinter ihr zurück. Nicht nur wegen des geradezu hysterischen Teufelsglaubens, dem der gläubig-abergläubische Professor huldigte und der bei diesen Feiern wohlweislich beschwiegen worden sein dürfte, wie so manches andere, was das Loben und Feiern hätte stören können.“ (24)

Als eine der wenigen Ausnahmen zu den zahlreichen Biographien über den deutschen Reformatoren, in denen die Bilanz über Luthers Leben und Wirken, trotz aller Kritik, durchwegs positiv ausfällt, steht Peter Henkel Luther äußerst kritisch gegenüber und lenkt dabei den Blick auf die zahlreichen menschlichen und theologischen Ungereimtheiten und Abgründe des Reformators. Ebenso verweist er anhand zahlreicher Beispiele, wie sehr in der Forschung aber auch im religiösen Alltag, die Schattenseiten Luthers verdrängt oder zumindest verharmlost werden.

Siegfried Frech / Dagmar Richter (Hg.), Der Beutelsbacher Konsens

andreas.markt-huter - 10.10.2017

„Der Beutelsbacher Konsens bietet Politiklehrerinnen und –lehrern auf den ersten Blick eine didaktische Hilfestellung. Für die Förderung der politischen Analyse-, Urteils- und Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler sind die drei Konsenssätze unverzichtbare Standards. Allerdings lösen die drei Prinzipien des Konsenses nicht das Dilemma der Authentizität der Lehrenden.“ (14)

In den Beutelsbacher Gesprächen 1976 einigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Bereich der politischen Bildung auf eine formlose Übereinkunft. Zu den Beutelsbacher Konsenssätzen, die im Bereich der Didaktik oder im Schulunterricht der politischen Bildung allgemein anerkannt sind, gehören das Überbewältigungsverbot, das Kontroversitätsgebot und die Befähigung zur Partizipation am politischen Leben. Vierzig Jahre später stellt sich die Frage, welche Bedeutung der Beutelsbacher Konsens in der Gegenwart hat und ob Ergänzungen oder Anpassungen notwendig sind.

Thomas Winkelbauer u.a., Geschichte Österreichs

andreas.markt-huter - 28.09.2017

„Jede »Geschichte Österreichs« ist letzten Endes ein Konstrukt, ein Konstrukt freilich, das die Österreichhistoriker nicht nur den historisch wissbegierigen Österreicherinnen und Österreichern, sondern allen an der Geschichte Europas und Österreichs in Europa Interessierten schuldig sind.“ (31)

Die „Geschichte Österreichs“ spannt den historischen Bogen von der römischen Herrschaft, 15 v. Chr., bis in die unmittelbare Gegenwart der 2. Republik im Jahr 2015. Dabei wird den Leserinnen und Lesern anschaulich vor Augen geführt, wie sehr sich die politische Landschaft eines geographischen Raumes im Laufe von zwei Jahrtausenden verändert hat.