Wissen | Information

Bernd Schuchter, Jacques Callot und die Erfindung des Individuums

h.schoenauer - 19.02.2018

Keine literarische Form ist letztlich so offen und unbegrenzbar wie die Biographie, weil offensichtlich ein Lebenslauf größer ist als jede literarische Form.

Bernd Schuchter ist bei Recherchen über den Dreißigjährigen Krieg, der ja auch nach vierhundert Jahren dreißig Jahre lang täglich ein Jubiläum liefert, auf den Kupferstecher Jacques Callot gestoßen, der vor allem mit seiner Darstellung der „Belagerung von Breda“ in Kennerkreisen ein Begriff ist.

Astrid Schönweger u.a., Die Kraft der Kräuter nutzen

h.schoenauer - 14.02.2018

Bei Kräutern denkt man sofort an etwas Wertvolles, Wahrhaftiges und Wohltuendes, und trotz der Üppigkeit, mit der sie einem entgegentreten, muss man ihnen schon beim ersten Anblick maßvoll begegnen. Das Maß der Kräuter sind Drei-Finger-voll, eine Handvoll und ein Bund Kräuter.

Die drei Haupt-Expertinnen Astrid Schönweger, Irene Hager und Alice Hönigschmid wissen, dass die Welt der Kräuter fast genauso groß ist wie die sogenannte große Welt, denn selbst an den kleinsten Vegetationsritzen vermögen Kräuter noch zu gedeihen. Das nützliche Wissen über diese Welt wird daher von gut fünfzig Frauen zusammengetragen, die im hinteren Drittel des Buches zu Wort kommen.

Johannes Saltzwedel (Hg.), Die Aufklärung

andreas.markt-huter - 02.02.2018

„Anstatt die Vielfalt mit starren Definitionen in ein Raster zu pressen oder krampfhaft eine große kulturgeschichtliche Linie zu ziehen, wie manche frühere Historiker der Aufklärung es versucht haben, entscheidet sich dieses Buch für ein Mosaik der Ideen, Ereignisse und Gestalten.“ (12)

Mit der Aufklärung erfolgte eine tiefgreifende Umgestaltung der europäischen Gesellschaften, die sich sukzessive von der Bevormundung durch die Religion befreien konnte und nicht mehr das Dogma, sondern allein die Vernunft als Richtschnur und Grenze des wissenschaftlichen und philosophischen Denkens zu akzeptieren bereit war.

Theodore Bauer, Cosi fanno i filosofi

h.schoenauer - 17.01.2018

Das ist ja das Geheimnis am Essay, dass Autorin, Stoff und Publikum nichts falsch machen können. Die Fügung „Cosi fan tutte“ ist das ideale Motto jeglichen Essays.

Theodore Bauer kämpft zu Beginn ihrer Mozart-Überlegungen noch mit dem Zweifel, ob sie als junge Künstlerin frech auf Mozart zugehen dürfe, dann aber kommt sie zur Ermunterung, dass Mozart-Opern das Freche im Umgang und in der Rezeption geradezu herausforderten.

Armin Thurnher, Ach, Österreich!

h.schoenauer - 15.01.2018

Eher gehen einem bei Österreich die Seufzer aus, als dass einem der Stoff ausginge. Eines muss man Österreich nämlich lassen, es liefert literarischen Stoff wie kaum ein anderes Land auf der Welt.

Armin Thurnher zwinkert bei jedem Österreich Buch mit den Augen und hofft, dass es das letzte Buch gewesen ist, doch dann bricht etwas aus, wie die Unmöglichkeit einen Bundespräsidenten zu wählen, und der Stoff weht schon wieder beim Schreib-Fenster herein. Vielleicht ist dieses Buch das letzte, weil er verspricht, noch ein paar zu schreiben.

Markus Inama, Der Hoffnung ein Zuhause geben

h.schoenauer - 10.01.2018

Erzählungen aus Mitgliedsländern der EU werden oft als Reiseführer geschmückt, damit möglichst viel Tourismus entsteht, oder als Erfolgsgeschichte der Wirtschaft dargestellt, indem zu diversen Exportleistungen passende Gesichter präsentiert werden.

Markus Inama erzählt auch eine Geschichte aus der EU. Und auch seine Geschichte aus Bulgarien ist erfolgreich, wenn man sich das Konzept des Sozialprojektes Concordia zu Gemüte führt: „Wir feiern zwischendurch auch unsere Niederlagen!“

Holger Krauße, Religion im Faktencheck

andreas.markt-huter - 03.01.2018

„»Religion im Faktencheck« möchte sich der Herausforderung stellen, die Plausibilität der Gotteshypothese und weiterer zentraler Grundlagen von Religionen umfassend, effizient und fair zu beleuchten.“ (18)

Schien die Bedeutung von Religion im ausgehenden 20. Jahrhundert stetig rückläufig zu sein, zeichnet sich im neuen Jahrtausend wieder ein Aufschwung des Religiösen abzuzeichnen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es sich bei dieser Wahrnehmung vor allem um ein „europäisches“ Phänomen gehandelt hat, während weltweit, die Bedeutung der Religionen und besonders ihre fundamentalistischen Ausprägungen zugenommen haben. Ein Grund mehr die Grundlagen von Religionen, die Vorstellung von Gott oder Göttern und ihre Lehren, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bernd Schuchter, Gebrauchsanweisung für Tirol

h.schoenauer - 11.12.2017

Der Führer muss braver sein als das Land, durch das er führt! - Nach dieser Tourismus-Vorgabe erscheinen in Tourismus-Ländern regelmäßig Führer, die eine brave Geschichte fortschreiben und mit dem Hauben-Koch des aktuellen Jahres beenden.

Bernd Schuchter hat unter dieser Vorgabe die „Gebrauchsanweisung für Tirol“ verfasst. Zusätzlichen Druck macht ihm dabei Reinhold Messner, der vor Jahren im gleichen Verlag die Gebrauchsanweisung für Südtirol geschrieben hat.

Noam Chomsky, Requiem für den amerikanischen Traum

andreas.markt-huter - 06.12.2017

„Ein wesentlicher Bestandteil des amerikanischen Traums ist die soziale Mobilität: Auch wer arm geboren ist, kann es durch harte Arbeit zu Wohlstand bringen. Gemeint ist damit, dass jeder einen gut bezahlten Job finden, sich ein Haus und ein Auto leisten und seinen Kindern eine Ausbildung finanzieren kann … All das ist in sich zusammengebrochen.“ (11)

Der amerikanische Traum ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die allen offensteht, wenn sie nur hart dafür arbeiten und sich bemühen. Was für eine gewisse Zeit lang und bis zu einem gewissen Grad durchaus der Wirklichkeit entsprochen hat, hat in der Gegenwart seine Gültigkeit verloren. Und obwohl die soziale Mobilität in den USA mittlerweile geringer ist als in Europa, wird der amerikanische Traum durch die Propaganda bewusst am Leben gehalten.

Bernard Cornwell, Waterloo

andreas.markt-huter - 29.11.2017

„Napoleon hatte sicher recht, als er feststellte, das Schwierigste im Krieg sei es, «die Pläne des Gegners zu erraten». Und mit genau dieser Schwierigkeit hatten es Marschall Blücher und der Duke of Wellington zu tun: Was plante der Kaiser?“ (59)

Knapp ein Jahr nach seiner Verbannung auf die Insel Elba kehrte Napoleon wieder nach Frankreich zurück und überrascht mit dieser Aktion die auf dem Wiener Kongress versammelten Fürsten und Könige, die in Wien gerade mit der Restauration Europas beschäftigt sind. Als es Napoleon gelingt, eine neue Armee aufzustellen, treten ihm mit dem englischen General, dem Herzog von Wellington und dem preußischen Generalfeldmarschall Blücher bei Waterloo zwei ebenbürtige Gegner gegenüber, deren Armeen sich im Juni 1815 bei Waterloo die alles entscheidende Schlacht liefern.