Hilber / Ballhausen / Zwiefelhofer (Hrsg.), Zeichensetzung Zeilensprünge
Aktuelle Gegenwartsliteratur kommentiert man am besten dadurch, dass man sie veröffentlicht und zur Diskussion stellt. In der Serie Zeichensetzung.
Zeilensprünge stellen Regina Hilber und Thomas Ballhausen jeweils an einem Abend vier, fünf Texte vor, die interessantesten sind jetzt in einem Reader erschienen.
Bei Auftritten jeglicher Art entscheidet sich innerhalb von Sekunden, ob der Abend gelingen wird oder nicht. Auch in der Lyrik zeigt sich oft schon am ersten Gedicht eines Bandes, ob es was wird oder nicht.
Der Sinn von Untergrundliteratur besteht bekanntlich darin, dass man an der literarischen Oberfläche und Oberflächlichkeit nichts davon mitbekommt.
Am Umschlag fliegt einer Figur hinten vor grünem und vorne vor warn-orangem Untergrund der Kopf davon wie in einem Comics-Film, mag sein, dass nur Vögel davon fliegen, kann aber auch sein, dass die Figur "angeschossen" ist und die Gedanken frei werden.
Was ist schon die Zeit? Was ist schon ein Punkt in der Erinnerung? Georg Bydlinski surft gegen den Ablauf des Lebens mit einem Lyrik-Bord an, sechzig Gedichte aus dreißig Jahren.
Die ganze Welt redet von Krise und einstürzenden Finanzwelten und tut so, als ob der Weltuntergang kurz bevorstünde. In der Literatur freilich ist das Chaos der Weltordnung ein normales Thema und auch Literatur über Finanzzusammenbrüche gibt es jede Menge.
Strom, was für ein programmatischer Titel. Im Gebirge wird alles, was fließt, dazu verwendet, Strom zu erzeugen, in der Literatur fließt der Strom oft unterirdisch zwischen den Zeilen und zeigt sich an raren Stellen als Erzählstrom.
Was ist in der Literatur normal? - Das, was Germanisten dafür halten!
Obwohl über die Liebe wahrscheinlich so gut wie alles gesagt ist, ist es doch von Buch zu Buch für den Leser aufregend, wie jemand für die aktuelle Gegenwart dieses Thema angeht.
Meist sind Verletzungen durch die Liebe spitz, hart und tief gehend. Ab einem gewissen Alter jedoch werden auch die amourösen Verwundungen sanft, dass Messer, das schneidet, wird gar als süß empfunden.