Philip Roth, Empörung
Wenn es jemand schafft, aus dem Jenseits heraus zu erzählen, wie überirdisch muss erst der Stoff sein, den er erzählt.
Der Held Marcus Messner befindet sich im ersten Teil des Romans unter dem Einfluss von Morphium. Dabei läuft sein Leben noch einmal in der Ich-Perspektive ab. Als Sohn eines koscheren Metzgers aus New Jersey lernt er früh den Umgang mit Schlachten, Blut und Fleisch. Sein Vater wird zunehmend ängstlicher und verschrobener, als sich der Sohn entschließt, in Winesburg Ohio zu studieren, dreht er vor Angst fast völlig durch.
Die tapfersten Heldinnen sind jene, von denen man öffentlich kaum etwas weiß und die dennoch mit unendlicher Geduld und überirdischer Zähigkeit durchhalten und ihr Leben irgendwie über die Runden bringen.
Als Markenzeichen der Stadt Potsdam liegt Schloss Sanssouci wahrlich "sorglos" im eigenen Garten und strahlt durch die Geschichte.
Oft sind es die selbstverständlichsten Sätze, die schnurstracks in das Herz des Lesers zischen und dort fiktionale Wohlbefindlichkeit erzeugen.
Vielleicht ist Arbeit auch das, was zwischen den Generationen läuft. - Im Abspann des Buches wird eine Szene aus der indianischen Kultur erzählt, wo sich die Alten zusammensetzen und überlegen, was aus ihrem Erfahrungsschatz sie den Jungen weitergeben wollen.
Oft lässt sich das Leben anhand der kaputt gefahrenen Autos beschreiben, die der Held im Laufe seiner Biographie erledigt hat. Eine Kindheit anhand der verbrauchten Kinderwagen zu beschreiben, ist natürlich eine raffinierte Methode, das anstehende Leben in den Griff zu bekommen.
Wäre dieses Buch ein Ratgeber, fehlte im Titel etwas wie mit den Frauen leben, mit den Frauen denken, mit den Frauen alt werden. Als Roman aber bleibt es letztlich ein Geheimnis, was mit den Frauen los ist.
In professionellen Katastrophen-Filmen rasen noch vor dem Anspann die beteiligten Helden in scharfem Gegenschnitt auf einander zu.
Das kürzeste Lebensprogramm lässt sich meist mit einem Seufzer zusammenfassen: "Egal". Die Steigerung ist naturgemäß scheissegal.
Manche Erzählungen bleiben einem unvergessen wegen eines ewig weiter klingenden Schlusssatzes. "Er hörte noch hinter sich die Tür ins Schloss fallen. Er hatte sie nie mehr gesehen. Er hatte gehört, sie sei Lehrerin geworden, habe geheiratet und Kinder zur Welt gebracht." (66)