Beziehung

Reinhard Kocznar, Harte Landung

h.schoenauer - 10.08.2008

Buch-CoverHilf dir selbst, sonst hilft dir Gott. So in etwa könnte die Grundbotschaft jener beiden Erzählungen lauten, die den Ich-Erzähler an jene Grenze gebracht haben, hinter welcher entweder das Jenseits oder die irdische Verstümmelung warten.

Reinhard Kocznar steckt teils autobiographische Erlebnisse einem Ich-Erzähler in den Holster, und die Erzählungen sind durchaus scharf geladen.

Alois Schöpf, Die Sennenpuppe

h.schoenauer - 31.07.2008

Buch-CoverWahrscheinlich wird niemand wegen eines Librettos in die Oper gehen. Aber wenn das dramaturgische Rückgrat einer solchen Aufführung spannend ist, ist es sicher kein Schaden für das Gesamtkunstwerk.

Alois Schöpf hat einen archaischen Sagenstoff zu einem durchaus modernen Libretto ausgearbeitet.

Michael Amerstorfer, Besuch

h.schoenauer - 20.07.2008

Buch-CoverIn heftigen Erzählungen tobt manchmal das Ich gegen seine eigenen Erzähl-Wände.

In Michael Amerstorfers Erzählung Besuch ist das erzählende Ich in einer psychiatrischen Klink eingefangen, die Kommunikation ist restlos gestört und der Insasse der Erzählung schlägt gegen seine eigenen Gesprächsteile wie gegen eine Gummiwand.

Karin Ivancsics, Anna hat zwei Tage

h.schoenauer - 08.07.2008

Buch-CoverMit dem Mutterglück ist es so eine Sache, knapp am Kitsch angesiedelt zieht dieser Begriff seine Heldinnen oft gnadenlos in die Tiefe, sobald sich diese auf das Mutterglück berufen.

Als gevifte Erzählerin schickt Karin Ivancsics ihre Protagonistinnen jeweils in eine Grenzsituation, dabei ist vielleicht der Status der Mutter insgesamt eine Grenzsituation.

Wolfgang Pollanz, Ich, Vogel

h.schoenauer - 07.07.2008

Buch-CoverÜblicherweise kommen Vögel in Gedichten vor und symbolisieren darin den leichten Vorüberflug der Zeit. Wolfgang Pollanz, der Meister des irritierenden Klischees, lässt naturgemäß seinen Vogel auf dem Grazer Hausberg landen, und wenn er schon einmal da ist, kommt er auch gleich in den Titel.

So entsteht eine ironische Erzählvorgabe, worin das erzählende Ich leicht wie ein Vogel sein kann, die Welt aus der Vogelperspektive betrachtet wird oder das Ich den sprichwörtlichen Vogel hat.

Reinhard Kaiser-Mühlecker, Der lange Gang über die Stationen

h.schoenauer - 07.07.2008

Buch-CoverKann man in der Einöde eine Ehe über die Bühne bringen und führt nicht jede Ehe in die Einöde?

Der Jungbauer Theo hat geheiratet, seine Frau kommt aus der Stadt, langsam wird sie in die Landwirtschaft und in das Leben auf dem Land eingeführt. Wie die Stationen eines Kreuzwegs geht es an markante Stellen des Anwesens, zum Steinbruch, an die Grundstücksgrenzen. Schon in diesem ersten Austesten entsteht so etwas wie "der lange Gang über die Stationen".

Gundi Feyrer, Die Wolldecke

h.schoenauer - 07.07.2008

Buch-CoverOft liegen die Geheimnisse unter einer Wolldecke versteckt, das Kind schlüpft darunter und die Abenteuer legen los.

In Gundi Feyrers Geschichten spielt ein anonymes Gattungs-Kind die Hauptrolle, es nimmt ständig neue Eigenschaften an, während es die Umwelt erkundet, und gleicht so einem Erzähl-Chamäleon, das vor allem über die angepasste Haut die Erlebnisse zum Vorschein bringt.

Konrad Rabensteiner, Der Befall

h.schoenauer - 30.06.2008

Buch-CoverEin ziemlich ungemütlicher Titel, Der Befall, erinnert an Maul- und Klauenseuche, wenn ganze Tierherden befallen werden. Und dabei ist es ein schöner, harmonischer, umfangreicher Roman.

Das erste, was auffällt, ist dieser lange Atem, mit dem durch die Jahrzehnte erzählt wird, das zweite ist diese natürliche Abfolge der Geschehnisse, worin alle Entscheidungen wie von selbst fallen, seien es die privaten oder die öffentlichen.

Alfred Komarek, Doppelblick

h.schoenauer - 17.06.2008

Buch-CoverLiebe, Tod und Sonnenschein, und das alles vielleicht mit einem doppelten Mausklick ausgelöst. - Unglaublich schlicht und hartnäckig geht der vierte "Käfer-Roman" mit jenen Dingen um, die den Stoff für Literatur abgeben.

Daniel Käfer startet seinen nächsten (laut Klappentext offensichtlich letzten) Lebensabschnitt mit dem Begräbnis seines Bruders. Alles ist irdisch, die Begräbnisrituale verströmen Halt und Gelassenheit und werfen schwermütige Schatten auf die Überlebenden, die bald nach der Zeremonie wieder in ihren Alltagstrott zurückfallen.

Magdalena Kauz, der Hut, das Wasser, die Liebe

h.schoenauer - 15.06.2008

Buch-CoverWie lassen sich so lebenswichtige Dinge wie ein Hut, das Wasser und die Liebe unter einen Hut bringen? Funktioniert es vielleicht so nach dem Spiel "Schere, Stein Papier"?

In der Erzählung von Magdalena Kauz kommen die Dinge des Lebens sehr vorsichtig frei gekratzt zum Vorschein. Oft wird etwas nur angedeutet, ab und zu sieht man nur einen Ausschnitt, manchmal gibt es keinen zweiten Satz, wenn der erste schon üppig genug ist.