Beziehung

Claudia Bitter, Verloren gehen

h.schoenauer - 05.10.2008

Buch-CoverIm Märchen gehen manchmal Menschen für die sichtbare Welt verloren und finden sich dann in einem unter- oder überirdischen Feenreich wieder, entrückt von der Welt aber durchaus mit Gewinn in einem neuen Zustand aufbereitet.

Claudia Bitter schickt in ihren zwölf Erzählungen ihre Heldinnen und Helden scheinbar in die Verlustzone, aber die Figuren schlagen sich meist tapfer und erleben auf ihre eigene Weise etwas wie seltsames Glück.

Anna Kim, Die gefrorene Zeit

h.schoenauer - 01.10.2008

Buch-CoverNach einem Massaker bleibt die Zeit für Generationen eingefroren, die Leichname werden exhumiert und in Kühlhäusern aufbewahrt, die Gesichtszüge der Verschollenen sind auf Suchbildern eingefroren.

Es ist ein harter Roman, den uns Anna Kim zumutet, es geht um das Aushalten von Schmerz, Trauerrituale, das Verheilen von Wunden in einer bitterkalten Zeit.

Walter Helmut Fritz, Herzschlag

h.schoenauer - 01.10.2008

Buch-CoverGroße Lyrik liest man am besten längs und quer. Der Längsschnitt zieht sich oft über Jahrzehnte und zeigt die Entwicklung eines Autors, die Quer-Fräsung gelingt oft an der Kante eines Themas entlang.

Walter Helmut Fritz, der lyrische Grandseigneur, ist seit den fünfziger Jahren auf poetischer Fährtensuche. Ein Thema, das in so gut wie allen Gedichtbänden vorkommt, ist nichts Schlichteres als die Liebe.

Klaus F. Schneider, Umgehung der Anhaltspunkte

h.schoenauer - 30.09.2008

Buch-Cover"es war ein tag so wie zum sterben schön / und noch einmal so warm. (15) Üblicherweise sind Gedichte dazu da, Halt zu geben in einer prosaisch eingeebneten Welt voller Logik und Erklärungen.

Klaus F. Schneider hingegen nennt seine Lyrik-Sammlung "Umgehung der Anhaltspunkte", also alles, was ein Fixpunkt in der Landschaft, eine Boje der Erkenntnis oder ein Vermessungspunkt in der Ebene des Lebens sein könnte, wird vorsichtshalber umgangen.

Mieze Medusa, Freischnorcheln

h.schoenauer - 30.09.2008

Buch-CoverDas ist ein tolles Lebensprogramm: abtauchen und knapp unter der Wasseroberfläche in die Freiheit schnorcheln!

Nora lebt knapp an der Oberfläche zur Geschäftswelt. Mit kleinen graphischen Aufträgen hält siesich gerade noch über Wasser, aber an manchen Tagen reicht das Geld hinten und vorne nicht, und die Wellen schwappen über ihrem Kopf zusammen.

Roberto Alajmo, Mammaherz

h.schoenauer - 29.09.2008

Buch-CoverWahnsinnige Literatur darf vor allem eines: Tabus brechen und im Reich der politischen Unkorrektheit herumwandern.

Roberto Alajmos Roman Mammaherz gehört zur wahnsinnigen Literatur im besten Sinne. Zwischen Groteske, Witz, Grauen und Kollaps hin und her gerissen, weiß der Leser nie, wie er das nächste Kapitel am besten übersteht. Denn der Text springt einem an die Gurgel und lässt nicht mehr ab von einem, sobald man das Buch aufgeschlagen hat.

Klaus Rinner, Dr Stegers Herzensverdruss in sechs Tagen

andreas.markt-huter - 28.09.2008

Buch-CoverHerzensverdruss löst eine recht melancholische Stimmung aus und ist ein Mittelding zwischen Weltverdruss und Herzinfarkt.

Dr. Steger biegt als Ich-Erzähler seine Tage herunter mit dem Gefühl der Selbstverachtung, als Leser begleiten wir ihn sechs Tage lang, und jeder Tag liegt schwer auf dem Gemüt des Helden. Als Rechtsanwalt streunt Dr. Steger durch seine Fälle und stolpert zwischendurch über sich selbst.

Günther Loewit, Mürrig

h.schoenauer - 24.09.2008

Buch-CoverNomen est Omen. Wenn der Held einmal Mürrig heißt, ist vermutlich kein glatter Lebenslauf zu erwarten, zumal die Karriere mit dem Ende beginnt: Karl Georg Mürrig wird im Garten der Psychiatrie tot aufgefunden.

Günther Loewit erzählt in Gestalt eines "Welt-Romans" von der Unmöglichkeit, ein einmal in Schräglage gerutschtes Leben wieder gerade zu biegen.

Judith Gruber-Rizy, Einmündung

h.schoenauer - 23.09.2008

Buch-CoverVielleicht ist unser Leben ein unendliches Fluss-System, worin eine Generation sachte in die nächste einmündet.

Judith Gruber-Rizy schickt in ihrem Roman eine gewisse Rosa auf die Reise. Diese hat anfänglich nichts anderes im Sinn, als möglichst viel und ungehemmt zu reisen, allmählich aber scheint sie zur Ruhe zu kommen und begibt sich an den See ihrer Kindheit, wo sie täglich in gewaltigen Touren zu rudern beginnt.

Christine Werner, Verdammt

h.schoenauer - 22.09.2008

Buch-CoverManchmal ist ein Buch so verdammt gut, dass es dich als Leser vor Staunen während der Lektüre aus den Hüften haut.

Christine Werners Novelle berichtet von kaputten Figuren, die dazu verdammt sind, Ehen einzugehen und aufzulösen. Dass sich diese Wahnsinnsstory als Novelle ausgibt, ist bereits der erste erzählerische Schachzug, denn es gibt zwar eine große Neuigkeit zu berichten, diese aber stammt aus der Hölle der Beziehungen.