Friedrich Hahn, Egal
Das kürzeste Lebensprogramm lässt sich meist mit einem Seufzer zusammenfassen: "Egal". Die Steigerung ist naturgemäß scheissegal.
In Friedrich Hahns Therapie-Roman kommt diese Seufzer-Orgie der Hauptperson Tina auch sofort über die Lippen, so bald sie dem Bewährungshelfer Harald erzählen soll, was mit ihr los ist.
Manche Erzählungen bleiben einem unvergessen wegen eines ewig weiter klingenden Schlusssatzes. "Er hörte noch hinter sich die Tür ins Schloss fallen. Er hatte sie nie mehr gesehen. Er hatte gehört, sie sei Lehrerin geworden, habe geheiratet und Kinder zur Welt gebracht." (66)
In der gepflegten Unterhaltungsliteratur geht es meist nur um das Eine: kriegen sich die beiden und zu wem soll man als Leser helfen?
Ende gut, alles gut. Das Glück kommt, wenn man es erwartet. Umwege sind dazu da, dass sie zum Glück führen. - Tausende Sprichwörter könnte man anführen, um das Wesen dieser romantischen Geschichte zu beschreiben.
Manchmal läuft das Leben ohne Insasse im Körper ab, die Hülle füllt eine sichtbare Rolle aus, aber statt eines Bewusstseins bläst Alltagswind durch das Gewebe des Daseins.
Die besten Geschichten spielen noch allemal beim Friseur, entweder fallen beim Haarschnitt die spannendsten Plots zu Boden, oder im Trash-Magazin, in welchem das Frisur-Opfer blättert, werden die haarsträubendsten Geschichten aufgetischt.
Erinnerung gleicht manchmal jenem Vorgang, den wir "in die Speichen greifen" nennen, das Rad der Zeit dreht sich unbarmherzig, wer unvorsichtig hineingreift holt sich oft blutige Finger.
Gerade wenn das Leben gelungen dahin flutscht, nimmt es oft einen geradezu atemberaubenden Lauf.
Was passiert, wenn man aus dem gewöhnlichen Leben so heftig aussteigt, dass man nur noch weiß um sich "sieht"?