Beziehung

Margriet de Moor, Der Jongleur

h.schoenauer - 20.05.2008

Buch-CoverWie ticken Artisten, wenn sie unter sich im Hotel sind? - Wenn die Zuschauer nach Hause gegangen sind und ihr Divertimento (Vergnügen) gehabt haben, müssen sich die Artisten mit sich selbst beschäftigen.

Dabei gehen sie offensichtlich genau so leidenschaftlich und sorglos mit einander um wie das Publikum es offensichtlich tut, das sie soeben nach Hause entlassen haben.

Anna Stecher, Aus der Flügelstadt

h.schoenauer - 20.04.2008

Buch-CoverManchmal dauert ein Roman so lange wie eine Krankheit und umgekehrt kann sich eine Krankheit hinschleppen wie ein Roman.

In Anna Stechers Großerzählung Aus der Flügelstadt reist die kranke Mora mit ihrer Begleiterin Elisa nach Peking. Sie ist schwer krank, hat eine in Europa als unheilbar angesprochene Lähmung, die chinesische Heilkunst soll die letzte Rettung sein.

Marlene Streeruwitz, Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin

h.schoenauer - 17.04.2008

Buch-CoverIm Verkehrsgeschehen ist es egal, in welcher Stimmung sich die Akteure darin bewegen, so hat selbst so ein aufwühlendes Ereignis wie ein Begräbnis ein triviales Ende, nämlich eine gewöhnliche Autofahrt.

Die Ich-Erzählerin sitzt aufgewühlt in ihrem Auto, Fluche zucken durch den Kopf, kann der nicht blinken!, dann wieder Kleinigkeiten, dass jemand schmatzt beim Schweinsbraten zum Totenmahl.

Rainer Juriatti, 47 Minuten & 11 Sekunden im Leben der Marie Bender

h.schoenauer - 17.04.2008

Buch-CoverSekundengenaue Zeitangaben deuten oft auf einen Countdown hin, der mit einer Null als Höhepunkt endet.

Im Leben der Marie Bender handelt es sich um die letzte dreiviertel Stunde vor dem Tod, der mit der Sequenz 0 Minuten 0 Sekunden eintritt. "Schlaff liegt mein Körper. [...] Ich atme aus und höre mich." (146)

Kurt Bracharz, Pantomime vor Blinden

h.schoenauer - 16.04.2008

Buch-CoverSkurriler geht es kaum! Keine Gattung wird von Kurt Bracharz in Ruhe gelassen, und aufgeschreckt in ihrer Gattungsschatulle fangen die Texte wie von selbst zu toben an.

Gleich zu Beginn schikanieren sich ein Lehrer und ein Philosoph auf antikem Felde mitten in Griechenland.

Bernd Schuchter, Jene Dinge

h.schoenauer - 15.04.2008

Buch-CoverIn guten Verwandtschaften gibt es zwischen den Mitgliedern meist eine Höflichkeitslücke, in welche jene Geschichten eingepflanzt sind, über die man nicht spricht.

"Jene Dinge" ans Tageslicht zu karren, die über Jahrzehnte im Dunkeln gehalten worden sind, ist für einen Erzähler eine Eselsaufgabe.

Andreas Höfele, Abweg

h.schoenauer - 15.04.2008

Buch-CoverWer hat sich nicht schon einmal so einen Abgang von seinem Büro gewünscht: Man lege ein kleines Feuerchen, gehe nicht zu schnell aus dem Haus, tauche in den Plan B ein und beobachte aus der Ferne, wie die ehemalige Dienststelle abbrennt.

In Andreas Höfeles Erzählung Abweg geht es um diesen gekonnten Abgang.

Peter Plattner, Herman Ein verschüttetes Leben

h.schoenauer - 14.04.2008

Buch-CoverDas Leben ist letztlich wie verschüttete Milch, man kann es nicht mehr rückgängig machen. Herman jedoch, ein Künstler aus Fiktion und Blut, verschüttet tatsächlich sein Leben, indem er vom dritten Stock in die Tiefe springt, Farbtuben in den Händen.

Unten angekommen zerplatzt er in den Farben, das Blut mischt sich spektakulär authentisch mit dem Indigoblau und Sonnengelb. Herbeigeeilte Künstler kratzen alles zusammen und machen daraus ein Kunstwerk.

Jürg Schubiger, Die kleine Liebe

h.schoenauer - 02.04.2008

Buch-CoverDie Schweizer Literatur gilt oft als der Inbegriff von Genauigkeit im Umgang mit Kleinodien. Während es in der Cinemascope-Literatur oft um die große Liebe geht, handelt die Schweizer Poesie oft von der "kleinen Liebe".

Heldin der kleinen Liebe ist L., bei der es nicht einmal zu einem vollen Namen reicht. Eigentlich heißt sie Laetitia, wird aber auf einer Hochzeitstafel durchaus einmal auch als "Elle" ausgenamst.

Ludwig Brantner, Einmal talwärts und zurück

h.schoenauer - 04.03.2008

Buch-CoverIm Land der Aufstiegshilfen ist es ein geradezu sensationell ironischer Titel, wenn jemand "einmal talwärts und zurück" bucht.

Ludwig Brantner stellt schon am Umschlag seines Lebensberichtes klar, wo es lang geht. In einer Familie mit zwölf Kindern hineingeboren und ausgestoßen, zieht sich vor allem das A-Wort durch die Jahrzehnte, es geht um Alkohol.