Beziehung

Konrad Rabensteiner, Der Befall

h.schoenauer - 30.06.2008

Buch-CoverEin ziemlich ungemütlicher Titel, Der Befall, erinnert an Maul- und Klauenseuche, wenn ganze Tierherden befallen werden. Und dabei ist es ein schöner, harmonischer, umfangreicher Roman.

Das erste, was auffällt, ist dieser lange Atem, mit dem durch die Jahrzehnte erzählt wird, das zweite ist diese natürliche Abfolge der Geschehnisse, worin alle Entscheidungen wie von selbst fallen, seien es die privaten oder die öffentlichen.

Alfred Komarek, Doppelblick

h.schoenauer - 17.06.2008

Buch-CoverLiebe, Tod und Sonnenschein, und das alles vielleicht mit einem doppelten Mausklick ausgelöst. - Unglaublich schlicht und hartnäckig geht der vierte "Käfer-Roman" mit jenen Dingen um, die den Stoff für Literatur abgeben.

Daniel Käfer startet seinen nächsten (laut Klappentext offensichtlich letzten) Lebensabschnitt mit dem Begräbnis seines Bruders. Alles ist irdisch, die Begräbnisrituale verströmen Halt und Gelassenheit und werfen schwermütige Schatten auf die Überlebenden, die bald nach der Zeremonie wieder in ihren Alltagstrott zurückfallen.

Magdalena Kauz, der Hut, das Wasser, die Liebe

h.schoenauer - 15.06.2008

Buch-CoverWie lassen sich so lebenswichtige Dinge wie ein Hut, das Wasser und die Liebe unter einen Hut bringen? Funktioniert es vielleicht so nach dem Spiel "Schere, Stein Papier"?

In der Erzählung von Magdalena Kauz kommen die Dinge des Lebens sehr vorsichtig frei gekratzt zum Vorschein. Oft wird etwas nur angedeutet, ab und zu sieht man nur einen Ausschnitt, manchmal gibt es keinen zweiten Satz, wenn der erste schon üppig genug ist.

Margriet de Moor, Der Jongleur

h.schoenauer - 20.05.2008

Buch-CoverWie ticken Artisten, wenn sie unter sich im Hotel sind? - Wenn die Zuschauer nach Hause gegangen sind und ihr Divertimento (Vergnügen) gehabt haben, müssen sich die Artisten mit sich selbst beschäftigen.

Dabei gehen sie offensichtlich genau so leidenschaftlich und sorglos mit einander um wie das Publikum es offensichtlich tut, das sie soeben nach Hause entlassen haben.

Anna Stecher, Aus der Flügelstadt

h.schoenauer - 20.04.2008

Buch-CoverManchmal dauert ein Roman so lange wie eine Krankheit und umgekehrt kann sich eine Krankheit hinschleppen wie ein Roman.

In Anna Stechers Großerzählung Aus der Flügelstadt reist die kranke Mora mit ihrer Begleiterin Elisa nach Peking. Sie ist schwer krank, hat eine in Europa als unheilbar angesprochene Lähmung, die chinesische Heilkunst soll die letzte Rettung sein.

Marlene Streeruwitz, Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin

h.schoenauer - 17.04.2008

Buch-CoverIm Verkehrsgeschehen ist es egal, in welcher Stimmung sich die Akteure darin bewegen, so hat selbst so ein aufwühlendes Ereignis wie ein Begräbnis ein triviales Ende, nämlich eine gewöhnliche Autofahrt.

Die Ich-Erzählerin sitzt aufgewühlt in ihrem Auto, Fluche zucken durch den Kopf, kann der nicht blinken!, dann wieder Kleinigkeiten, dass jemand schmatzt beim Schweinsbraten zum Totenmahl.

Rainer Juriatti, 47 Minuten & 11 Sekunden im Leben der Marie Bender

h.schoenauer - 17.04.2008

Buch-CoverSekundengenaue Zeitangaben deuten oft auf einen Countdown hin, der mit einer Null als Höhepunkt endet.

Im Leben der Marie Bender handelt es sich um die letzte dreiviertel Stunde vor dem Tod, der mit der Sequenz 0 Minuten 0 Sekunden eintritt. "Schlaff liegt mein Körper. [...] Ich atme aus und höre mich." (146)

Kurt Bracharz, Pantomime vor Blinden

h.schoenauer - 16.04.2008

Buch-CoverSkurriler geht es kaum! Keine Gattung wird von Kurt Bracharz in Ruhe gelassen, und aufgeschreckt in ihrer Gattungsschatulle fangen die Texte wie von selbst zu toben an.

Gleich zu Beginn schikanieren sich ein Lehrer und ein Philosoph auf antikem Felde mitten in Griechenland.

Bernd Schuchter, Jene Dinge

h.schoenauer - 15.04.2008

Buch-CoverIn guten Verwandtschaften gibt es zwischen den Mitgliedern meist eine Höflichkeitslücke, in welche jene Geschichten eingepflanzt sind, über die man nicht spricht.

"Jene Dinge" ans Tageslicht zu karren, die über Jahrzehnte im Dunkeln gehalten worden sind, ist für einen Erzähler eine Eselsaufgabe.

Andreas Höfele, Abweg

h.schoenauer - 15.04.2008

Buch-CoverWer hat sich nicht schon einmal so einen Abgang von seinem Büro gewünscht: Man lege ein kleines Feuerchen, gehe nicht zu schnell aus dem Haus, tauche in den Plan B ein und beobachte aus der Ferne, wie die ehemalige Dienststelle abbrennt.

In Andreas Höfeles Erzählung Abweg geht es um diesen gekonnten Abgang.