Beziehung

Ferdinand Schmatz, Durchleuchtung

h.schoenauer - 01.02.2008

Buch-CoverEine echte Durchleuchtung geschieht mit Röntgengeräten oder als CT-Scann. Das Ergebnis ist eine perfekte Darstellung des Körpers, mit welcher der Fachmann zu klaren Befunden kommt.

In Ferdinand Schmatz Durchleuchtungs-Roman werden die Figuren in einem literarischen Scann-Verfahren vorgeführt. Hier handelt es sich um so etwas wie poetisches Röntgen, die Biographien der Helden werden zerlegt und dem Leser fein säuberlich präpariert dargeboten.

Rita Egger, Wohnen zu dürfen im Hause des Herrn

h.schoenauer - 30.01.2008

Buch-CoverAuch in akademisch hohen Kreisen geht es oft recht alltäglich zu. Rita Egger stellt in ihrem Roman die Protagonisten wie bei einer Vorabendserie dramaturgisch ausgewogen auf, nur dass anstatt plätschernder Unterhaltung religiöser Small talk einfließt.

Anneliese ist medizinisch-technische Assistentin in einem Labor einer Wiener Klinik, bei Überstunden für ein Forschungsprojekt lernt sie den Chemiker Manfred kennen, und schon hat das Leben einen anderen Sinn.

Wolfgang Denkel, Ja Nein Ja

andreas.markt-huter - 29.01.2008

Buch-Cover

Zwar heißt es im Sprichwort artig: Deine Rede sei ja oder nein, aber im wirklichen Leben ist eine Mischung aus Ja und Nein gefragt.

Claudia Paganini, Wagnis

h.schoenauer - 23.01.2008

Buch-CoverOrdensleute in der Kunst sind eine seltsame Sache. In Unterhaltungsfilmen und Vorabendserien treten sie meist als fröhlich swingende Glückskäfer in Kutte auf, in der Literatur hingegen sind sie zernagt und geplagt von Selbstzweifeln.

Claudia Paganini hat einen strengen Ordens-Roman geschrieben, das Wagnis besteht dabei aus einem ordensgemäßen Ein- und Austritt.

Peter Reutterer, Schräglage

h.schoenauer - 16.01.2008

Buch-CoverArtige Geschichten stehen oft auf wackeligen Beinen, eine kleine Böe und sie geraten in Schräglage.

Peter Reutterer führt in seinen kurzen Satiren zuerst immer ein Stück abgepackte Welt vor, aber die Ware ist offensichtlich angeschlagen, lässt seltsame Düfte aus, bringt die genormte Dramaturgie aus dem Häuschen oder stellt ganz etwas anderes dar, als im ersten Absatz versprochen wird.

Georgi Gospodinov, Natürlicher Roman

h.schoenauer - 15.01.2008

Buch-CoverDie Natur tut letztlich, was sie will, sie ist die letzte, die sich aus ihrer Unversehrtheit vertreiben lässt und ist die erste, die nach der Vertreibung als Pionierpflanze wieder zurückkommt.

Kaum eine Einteilung entspricht genau genommen der Natur, und alles, was der Mensch von ihr wahrnimmt ist höchstens ein kleines Stück höherer Wahrheit.

Guy Helminger, Morgen war schon

h.schoenauer - 05.01.2008

Buch-CoverTaxifahrer sind die Geschichtenträger einer Stadt, wo sie auftauchen passiert etwas, und wenn etwas passiert ist, wird es meist von einem aufgeregten Fahrgast dem erstbesten Taxilenker erzählt.

Guy Helmingers Roman beginnt mit einer klassischen Taxiszene in Köln , ein paar seltsame Figuren wollen eine ungewöhnliche Fahrt buchen, doch der Held hat nichts dergleichen im Sinn, er pflegt seine Plüschtiere am Fahrgastsitz und gibt sich abweisend.

Hans Raimund, Vexierbilder

h.schoenauer - 04.01.2008

Buch-CoverEin Vexierbild ist eine vorläufig fixierte Illusion, die sich bei genauerem Hinsehen als etwas ganz anderes entpuppen kann.

Hans Raimund führt in seinen Gedichten immer diesem Umkippeffekt vor, an dem sich eine Erfahrung in das Gegenteil verkehrt, eine Liebe Argwohn erweckt, eine Lebensplanung entgleist.

Bernhard Seiter, Elf Finger

h.schoenauer - 03.01.2008

Buch-CoverWas sich wie der Name eines Indianerhäuptlings oder einer Monstrosität anhört, ist in Wirklichkeit eine Methode, als Kind in der Großstadtwirklichkeit zu überleben.

Der fünfjährige Jakob will unbedingt alleine mit der U-Bahn fahren, das Kindermädchen liefert ihn an der Einstiegsstation ab und nach elf Stationen soll er von seiner Mutter wieder abgeholt werden. Um sich die Route zu merken, braucht es elf Finger, dann heißt es aussteigen.

Christine Wiesmüller, Der Garten

h.schoenauer - 12.12.2007

Was harmlos klingt, verbirgt oft die größten Lebenstumulte. Wer sich literarisch unter einem Garten was sauber Aufgeputztes vorstellt, ist spätestens seit Hugo von Hofmannsthal auf der falschen Spur. Literarisch betrachtet ist der Garten die friedliche Form der Hölle.

Christine Wiesmüller fängt ordnungsgemäß mit einem Begräbnis an. Wenn man zusammensteht, um eine Idee samt den damit involvierten Menschen zu begraben, entsteht automatisch eine Geschichte, denn niemand steht sinnlos bei einem Begräbnis herum.