Angelika Reitzer, Taghelle Gegend
Es gibt wirklich diese lichten Romane, die vom Titel weg bis zur letzten Zeile etwas Speedig-Helles ausstrahlen.
In Angelika Reitzers Roman wird es schon auf der ersten Seite in einem Innenhof hell, die Bäume sind zwar für diese Saison am Ende der Blüte, aber zu ihren Füssen steht in einer Sandkiste bereits das Spielzeug bereit, um bei Bedarf jederzeit ein Stück Kindheit in den Sand zu spielen. Und diese Kindheit kann überall aus der Hüfte heraus einsetzen und bringt die Protagonistin in eine optimistische Stimmung.
Die so genannte „00-Nummer“ eines neuen Verlages ist immer aufschlussreich, gibt doch das erste Buch so etwas wie ein Programm vor.
Vielleicht sind Kinder in Wirklichkeit Erlebnismonster und erleben sich, die Eltern und die fröhliche Kindheit als gigantisches Experiment skurriler Gegebenheiten.
Vielleicht sollte man manche Texte gar nicht zu tief lesen, damit sie ihren Tiefgang entfalten können. Peter Handkes Kali-Roman ist jedenfalls eine Geschichte voller Leichtigkeit, Logik, Märchenhaftigkeit und Zeitlosigkeit.
Vielleicht muss man die richtige Liebe immer kalt und unauffällig halten und an extremen Figuren festmachen, damit sie langfristig funktioniert. Nichts ist nämlich schwieriger, als im aufrechten Gang durch die Slalomstangen der Gefühle zu wandeln.
Wenn du geil ins Leben gehst, springt dich dieses ebenso geil an. – So etwa lautet die lebensfreche Grundbotschaft in Anne Marie Pirchers Haupterzählung „Rosenquarz“.
Im Fußball ist das Nachspiel jenes Fünfminutengeschenk, das der Schiedsrichter den Mannschaften und dem Publikum als Ersatz für vertrödeltes Spiel macht. In der Erziehung ist das Nachspiel eine Drohung: Das wird noch ein Nachspiel haben! Im Sex hingegen kommt das Nachspiel nur sehr selten vor und tritt als Mischung von schlechtem Gewissen und vertrödelten Chancen zutage.
Kaum etwas ist in seiner Gewöhnlichkeit so ungewöhnlich wie ein einzelnes Paar. Jedes Paar glaubt, ein Unikat zu sein, und doch ticken alle Paare letztlich ziemlich ähnlich, sie kommen zusammen, schauen sich in die Augen oder machen sonst etwas Filmreifes, und trennen sich.
Manche Lebenskulturen lassen sich auf einen einzigen Sager zusammenfassen: 17 Jahre ohne Sex! - diese Lebensbeichte der Balletteuse Daggi Koller lässt auch ihren Mann Helmut Zilk wonniglich nicken.
Landschaften werden meist deshalb aufgesucht, besungen und abgemalt, weil sie in ihrer Mannigfaltigkeit eindeutig sind. Voll in einer Landschaft aufgehen heißt so ein Gefühl, bei dem das Subjekt in einen klaren Zustand eintaucht.