Jürg Schubiger, Die kleine Liebe
Die Schweizer Literatur gilt oft als der Inbegriff von Genauigkeit im Umgang mit Kleinodien. Während es in der Cinemascope-Literatur oft um die große Liebe geht, handelt die Schweizer Poesie oft von der "kleinen Liebe".
Heldin der kleinen Liebe ist L., bei der es nicht einmal zu einem vollen Namen reicht. Eigentlich heißt sie Laetitia, wird aber auf einer Hochzeitstafel durchaus einmal auch als "Elle" ausgenamst.
Im Land der Aufstiegshilfen ist es ein geradezu sensationell ironischer Titel, wenn jemand "einmal talwärts und zurück" bucht.
Eine echte Durchleuchtung geschieht mit Röntgengeräten oder als CT-Scann. Das Ergebnis ist eine perfekte Darstellung des Körpers, mit welcher der Fachmann zu klaren Befunden kommt.
Auch in akademisch hohen Kreisen geht es oft recht alltäglich zu. Rita Egger stellt in ihrem Roman die Protagonisten wie bei einer Vorabendserie dramaturgisch ausgewogen auf, nur dass anstatt plätschernder Unterhaltung religiöser Small talk einfließt.
Ordensleute in der Kunst sind eine seltsame Sache. In Unterhaltungsfilmen und Vorabendserien treten sie meist als fröhlich swingende Glückskäfer in Kutte auf, in der Literatur hingegen sind sie zernagt und geplagt von Selbstzweifeln.
Artige Geschichten stehen oft auf wackeligen Beinen, eine kleine Böe und sie geraten in Schräglage.
Die Natur tut letztlich, was sie will, sie ist die letzte, die sich aus ihrer Unversehrtheit vertreiben lässt und ist die erste, die nach der Vertreibung als Pionierpflanze wieder zurückkommt.
Taxifahrer sind die Geschichtenträger einer Stadt, wo sie auftauchen passiert etwas, und wenn etwas passiert ist, wird es meist von einem aufgeregten Fahrgast dem erstbesten Taxilenker erzählt.
Ein Vexierbild ist eine vorläufig fixierte Illusion, die sich bei genauerem Hinsehen als etwas ganz anderes entpuppen kann.