Ada Zapperi Zucker, Liebe und andere Verdrießlichkeiten
Im großen Globalisierungsrausch, der meist auf Englisch durch das Netz zischt, geht fast schon verloren, dass Literatur etwas mit Sprache zu tun hat. Neben der Erzählsprache, die sich von Gebrauchsanweisungen unterscheidet, ist es gerade in der poetischen Fiktion relevant, in welcher Sprache erzählt wird. Zwischen der Originalsprache und der Übersetzung gibt es Buch-technisch gesehen den Paralleldruck als Sonderform.
Ada Zapperi Zucker stellt ihre fünf Erzählungen über Liebe und andere Verdrießlichkeiten links im italienischen Original und rechts in der Übersetzung durch Domenikus Andergassen dem Leser vors Auge. Damit sind alle Sprachmächtigen animiert, die Nuancen und Feinheiten auszukosten, die angehenden Sprachkünstler lernen mit dieser Methode die Simultanlektüre, je ein Auge fasst eine Sprache, wie es ja in zweisprachigen Ländern üblich ist.
Ein Land ist immer so interessant wie es einen passenden Erzählmythos für sich selber hat. Das Beste an der Schweiz ist, was das Erzählerische betrifft, Heidi. Da wird nämlich das Mädchen unter dem sonnenbraunen Augenglanz des Großvaters durch ausgewählte Natur geführt, und auch soziale Komponenten bis hin zum sexuellen Übergriff werden nach dieser Lesart als etwas Natürliches gesehen.
Nach dem Konzept der Beatniks kann die Literatur jederzeit losbrechen, zu keiner Tageszeit kann man sicher sein, dass nicht ein Gedicht ausbricht, bei keiner Wetterlage gibt es Gewissheit, dass nicht ein Held von der Fahrbahn abkommt und in den Graben stürzt.
„Die pluralistische Gesellschaft, in der wir leben, bietet unzählige Aspekte, die relevant sind für die Beschäftigung mit dem Thema Toleranz. […] Die Bilder sollten strittige Themen darstellen und dabei so wenig eindeutig wie möglich sein. Gerade die vielfältige Interpretierbarkeit ist ein wichtiger Anreiz zur Arbeit mit den Bildern.“ (S. 11)
Ab wann wird der Nagel, an dem das Bild hängt, selbst zum Bild? Wie stark muss ein Satz sein, dass er einen Absatz tragen kann? Wie fett darf eine Headline ausfallen, dass sie den darunterliegenden Text gerade noch nicht erschlägt?
„Das Unterrichtsmaterial unterstützt Sie dabei, Ihren Schülern die Bedeutung eines respektvollen Miteinanders zu vermitteln, indem es die Themen der Lektüre auf vielfältige Art und Weise aufgreift. Es ist in einen didaktischen Teil und daran anschließende Kopiervorlagen gegliedert.“ (S. 3)
In der Literatur geht niemand verloren! Damit dieses schöne Sprichwort auch in Gültigkeit bleibt, müssen Bücher immer wieder vor dem Vergessen gerettet werden. Der Haymon-Verlag wirkt mit seinen Werkausgaben als mustergültiger Retter abdriftender Literatur.
Die Melancholie ist gleich alt wie die Pädagogik, folglich geraten Pädagogen in zunehmendem Alter in die Melancholie.
Die Zeit zwischen Hardcover und Taschenbuchausgabe nützen professionelle Leser manchmal, um die dargestellte Welt einmal hart und einmal weich zu überprüfen. Die beiden Buchsorten werden von jeweils einem anderen Publikum wahrgenommen und diskutiert. Im Rezensionswesen ist es zudem nicht üblich, ein Buch noch einmal zu besprechen, wenn es als Taschenbuch erscheint.
Die höchste Roman-Kunst besteht darin, sein eigenes Leben so aufzuschreiben, dass man meint, es sei eine allgemeingültige Geschichte der Menschheit.