Nenad Velickovic, Der Vater meiner Tochter
Begriffe geben manchmal vor, einen Sachverhalt darzustellen, und das Individuum ordnet sich meist diesen gängigen Bezeichnungen unter, damit eine Ruhe ist. In Wirklichkeit rumort es dann in den Helden weiter.
Nenad Velickovic hat seinen ersten Roman „Logiergäste“ genannt. Damit spielt er auf den Zustand an, dass die Bewohner Sarajevos während der Belagerung eine Mischung aus Gefangenen, Flüchtlingen, Fremden und Eingewiesenen dargestellt haben. Als Gäste mit oft erbärmlicher Logis haben sie sich eine neue Form der Identität suchen müssen.
Wenn man mit der Maus bedächtig genug unterwegs ist, erscheinen einem die einzelnen Web-Seiten fallweise wie Gedichte.
Der Lebenssee, ein Kosmos aus dem geographischen Ebensee, der Kultur rund um den See und dem Leben eines darin wohnenden Chronisten, ist so etwas wie das Lebenswerk des Walter Pilar.
„Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion! – Es riecht nach Nieren. – Was wird bleiben? - Fetzen!“
Eine gutgemeinte Einschätzung eines Lebensstils kann letztlich einen schlechten Beigeschmack bekommen, wenn sie wörtlich genommen wird. Der gute Mann im Mittelfeld, der vielleicht als Fußballspieler ein Match drehen und gewinnen kann, wird im politischen Ambiente zur grauen Maus, die nichts anderes im Sinn hat, als zu überleben.
Aus der Sammlung eines Meisters Gedichte auszuwählen, hat vor allem den einen Sinn, diese in der neuen Zusammenstellung mit neuem Licht zu versehen, wie man ja auch oft als Leser seine Bücher für ein aktuelles Regal zusammenstellt, um diesen besondere Liebe und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Schon von Kinderbüchern an werden wird auf jenes helle Bild hin getrimmt, wie ein Bauernhof auszusehen hat. Und selbst ein Roman über das Leben auf dem Lande löst bei den meisten Lesern in der Erwartung garantiert archetypische Szenen aus.
Jeder Mensch arbeitet ein Leben lang an seiner eigenen Erzählung, mit der er sich und anderen das Leben begreifbar macht. Und dann gibt es ab und zu eine Jahreszeit, da muss man sich selbst alles neu aufsetzen und erklären, weil nichts mehr passt.
Die Frage nach der Zeit gehört zu den gängigsten Anbahnungsfloskeln. Wenn jemand darauf keine Antwort weiß, liegt entweder ein Verständigungsproblem vor oder der Angefragte ist ein Philosoph.
Die Aufzeichnungen sind oft das Schönste von einem Ereignis oder Lebensabschnitt, im Idealfall gelingt es, heftige Erlebnisse in das Reagenzglas einer Impression zu drängen.