Carl Djerassi, Der Schattensammler
Autobiographien weisen immer Alltagsmythologien und auf das Ende ist immer unklar.
Carl Djerassi weiß um die Fallstricke einer Autobiographie, immerhin hat er vor Jahren eine „fachliche Autobiographie“ über sich selbst als die „Mutter der Pille“ geschrieben, und sein Tagebuch einer Krise lässt sich ebenfalls als Autobiographie lesen.
Das Wichtigste an einem Roman ist oft das vorangesetzte Motto, oft schreiben Autoren nur einen Roman, um das Motto ins rechte Licht zu rücken.
Wenn eine große Verstörung vorliegt, verordnen Ärzte manchmal Spaziergänge oder den bloßen Aufenthalt im Freien. In der Literatur entsteht aus diesen Genesungs-Aufenthalten der Helden oft ein gesunder Roman.
Ballast gilt in der Verdauung und im Ballonwesen als etwas Wertvolles, in der Psychologie und Soziographie allerdings als etwas Suboptimales.
Wenn eine Autorin für ihre Figuren verantwortlich ist, muss sie diese dann sozialversichern? Können Figuren einen Vertrag mit der Autorin kündigen, wenn dieser gegen die guten Sitten verstößt?
Oft ist das Toben von Naturgewalten die beste Beschreibung für das Leben eines Individuums.
Ein Mann vergafft sich in der Straßenbahn in eine Frau, geht ihr im geordneten Stalking-Abstand hinterher bis zu ihrer Wohnungstür. Als sie darin verschwunden ist, riecht er an der Tür und stellt fest, dass sie geruchlos ist. – Was ist das, eine Beschreibung eines Psychopaten, eine erotische Abbruchgeschichte, eine Meldung über das Versagen der Sinnesorgane?
Der Begriff Antiroman lädt die Leserschaft ein, vor der Lektüre zu reflektieren, was mit dieser fiktionalen Antimaterie wohl angesprochen werden könnte.
Ein Fächer verhüllt einerseits das Antlitz, gleichzeitig bewegt er es durch seine Zuckungen. Wenn er dann gar noch zu schaudern anfängt, liegt das entweder am Gesicht oder an der Welt, die er beide jeweils zu bewegen versucht.
Die meisten Autoren werden kurzfristig aus ihrem Schreiberdasein gerissen, wenn sie Vater werden. Bei der Beobachtung der ersten Geräusche des Kindes definieren sie sich dann meist als Dichter neu, gleicht doch das Kinderlallen durchaus den Grundstrukturen der Literatur.