Beziehung

Helene Flöss, Mütterlicherseits

h.schoenauer - 05.02.2010

Buch-CoverWenn man sich nur weit genug zurück erinnert, endet alles in einer schönen unversehrten Kindheit.

Helene Flöss kümmert sich im Roman Mütterlicherseits um diese feine Art der Erinnerung. Dabei wird nichts verdrängt oder schön gefärbt, vielmehr steht jenes Überlebensrezept zur Disposition, wonach man manche Dinge ungebremst auf sich zukommen lassen muss, damit sie einen nicht verletzen.

Birgit Unterholzner, Flora Beriot

h.schoenauer - 02.02.2010

Buch-CoverDie Literatur muss alles: Die Zeit zurückdrehen, anhalten oder beschleunigen, je nach Aufgabenstellung erledigt sie alle diese Vorgänge tapfer. Und es ist kein Geheimnis, dass wir alle sagen: Wenn etwas bleibt von der Gegenwart, ist es die Literatur.

So ist es ein kluger Vorgang, dass die "innsbrucker university press", die umfangreich das wissenschaftliche Geschehen dokumentiert, seit 2010 eine Literaturserie "edition laurin" führt, die von Birgit Holzner betreut wird.

Xu Lu, Dida

h.schoenauer - 14.01.2010

Buch-CoverChinesische Romane schaffen es spielend, die Lesegewohnheiten jedes europäischen Lektüre-Freaks aus den Angeln zu heben.

Irgendwie muss man beim Lesen eines chinesischen Romans immer ganz von vorne anfangen und sich fragen: Was macht ein chinesischer Roman eigentlich, wie lässt er sich mit einem europäischen vergleichen, was ist individuelle Strategie und was ist staatlich vorgegebener Usus?

Gerd Graenz, Zahnlos

h.schoenauer - 13.01.2010

Buch-CoverMeist werden historische Ereignisse mit großen Armbewegungen erzählt, je weiter jemand beim Texten ausholt, umso mehr Luft wirbelt er damit auf.

In Gerd Graenzs kleinem Roman Zahnlos geht es geradezu irdisch unhistorisch zu. Der Protagonist ist noch zu DD-Zeiten im Anflug auf Ost-Berlin, als es mit dem Gebiss nicht mehr ganz hinhaut. Obwohl er sich eigentlich ein paar harmlose Urlaubstage machen will, wird er jetzt zum Getriebenen, denn irgendwo muss eine zahnärztliche Hilfe her.

Judith Gruber-Rizy, Drift

h.schoenauer - 12.01.2010

Buch-CoverKomplizierte Vorgänge brauchen eine komplexe Darstellungsweise, und was ist als Stoff üppiger als das Leben?

Judith Gruber-Rizy hat in ihrem Roman drei Vorgänge des Lebens im Auge und daher auch in jedem Abschnitt mindestens drei erzählerische Zugänge. Einmal geht es um die Drift, ein Phänomen, wo etwas scheinbar ungesteuert irgendwohin driftet, zum anderen geht es um die Verlässlichkeit von Erinnerung, und zum dritten geht es um das wahrhaftige Schreiben.

Hans Werner Kettenbach, Das starke Geschlecht

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-CoverDie Altersgeilheit geht oft seltsame Wege, am ehesten erkennt man sie daran, dass sie sich an Kleinigkeiten aufhängt.

Hans Werner Kettenbach erfindet einen geradezu minimalistischen Plot, um zu zeigen, wie das sogenannte starke Geschlecht am Ende seiner Tage noch einmal ausrastet, ehe es dann still ausgeistert.

Manfred Chobot (Hrsg.), Genie & Arschloch

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-CoverEs gibt die schöne These, wonach sich das Genie nach außen und das Arschloch nach innen zeigen. Zyniker meinen, bei Österreichern sei es genau umgekehrt.

Manfred Chobot hat ein Dutzend Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingeladen, über das grandios widersprüchliche Begriffspaar Genie und Arschloch jeweils Fallbeispiele zu dokumentieren.

Zdenka Becker, Taubenflug

andreas.markt-huter - 28.12.2009

Buch-Cover

Tauben gelten als besonders treue Liebhaber, die Paare bleiben meist ein Leben lang zusammen, der raffinierte Mensch nützt dies, indem er etwa die Brieftauben vom Partner trennt, so dass der getrennte Teil wie wild durch die Gegend fliegt und dabei die Post zustellt.

Lorenz Langenegger, Hier im Regen

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-CoverIn der Literatur gibt es eine eigene Kategorie von Regen-Romanen, darin wird alles hinter einem Guss aus Wasser erzählt, die Konturen der Helden sind naturgemäß mit der Umwelt verflossen und die Seele der Figuren zieht sich dabei auf das Erbärmlichste zusammen und verkriecht sich unter der eigenen nassen Haut.

Bei Lorenz Langenegger regnet es den ganzen Roman hindurch, und der Titel Hier im Regen evoziert die Redewendung im Regen stehen lassen.

Martin Beyer, Alle Wasser laufen ins Meer

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-Cover

Manchmal gelingt Dichtern nicht nur der große literarische Wurf, sondern auch ihr Leben verläuft dermaßen dicht, dass daraus wieder Stoff für einen Roman wird.

Martin Beyer wendet sich mit seinem Roman Alle Wasser laufen ins Meer Georg Trakl und seinem Verhältnis zu seiner Schwester Grete zu. Dabei geht es vor allem um die Beschreibung einer Künstlertruppe am Vorabend des Ersten Weltkrieges.