Beziehung

Uwe Bolius, Juttas Tod

h.schoenauer - 28.06.2010

Buch-CoverSobald man über den Tod zu schreiben beginnt, zeigt er sich mit jedem Satz rätselhafter und logischer zugleich.

Uwe Bolius lässt einen ziemlich autobiographisch angelegten Ich-Erzähler den Tod seiner Schwester Jutta durchmachen, die Aufzeichnungen ergeben ein intensives Protokoll über ein sprödes Leben, das in einem scheinbar logischen Tod endet. Hinter dem Erzähler und seiner Schwester steht nämlich übermächtig eine Mutter, die zwar äußerst schön ist, mit ihren Kindern aber nichts anfangen kann.

Anna Maria Leitgeb, Eisblau mit Windschlieren

h.schoenauer - 21.06.2010

Buch-CoverDie große Geschichte eines Landes und die kleine Geschichte einer Persönlichkeit haben eines gemeinsam: Beide dauern letztlich gleich lang und die jeweiligen Höhe- und Tiefpunkte haben scheinbar nichts miteinander zu tun.

Anna Maria Leitgeb erzählt fließend und flott mit einem Wurf, wie man ihn oft zum Ausschütten von Würfeln aus dem Würfelbecher anwendet.

Barbara Balldini, Besser Schlampe als gar kein Sex

h.schoenauer - 20.04.2010

Buch-CoverGuten Sex hat man dann, wenn man gut davon spricht, auch wenn man keinen hat. Noch immer ist nämlich nicht geklärt, ob man zuerst über den Sex gut sprechen muss, um einen zu haben, oder zuerst einen haben muss, um gut darüber zu reden.

Diesen tagesfüllenden Fragen geht Barbara Balldini in ihrem Sexführer nach, den sie keusch "intimen Schriftverkehr" nennt.

Hubert Gundolf, Geschichten der Erinnerung

h.schoenauer - 01.04.2010

Buch-Cover

Wie versickert Geschichte? Kann man die Erinnerung retten? Gibt es ein Mittel gegen die Halbwertszeit des Gedächtnisses?

Hubert Gundolfs nachgelassenen Erinnerungen versuchen der Zeit ein Schnippchen zu schlagen. Denn die Voraussetzungen für das Aktualisieren von Vergangenheit sind nicht gerade ideal.

Banana Yoshimoto, Mein Körper weiß alles

h.schoenauer - 09.03.2010

Buch-CoverIn einer Gesellschaft, in der der eigene Körper oft im Mittelpunkt aller Lebensphilosophie steht, ist es natürlich gut zu wissen, was der Körper so macht.

In ihren dreizehn Geschichten stellt Banana Yoshimoto den Körper entweder in den Mittelpunkt oder aber er wird an einer entscheidenden Lebensstelle zu einem wichtigen Instrument für Veränderungen.

Doris Mayer, 365

h.schoenauer - 08.03.2010

Buch-CoverManchmal baut sich das Ungeheuerliche deshalb vor unseren Augen auf, weil es gar nicht beschrieben ist. Wir sehen, dass alles aus den Fugen geraten ist und machen uns als Leser daran, das Verfremdete irgendwie auf die Reihe zu kriegen.

Doris Mayer nennt ihren Post-Katastrophen-Roman schlicht 365. Diese Zahl suggeriert natürlich sofort einen Jahresablauf, in dem die Tage zu durchnummerierten Sequenzen zusammengeschrumpft sind.

Wolfgang Hermann, In Wirklichkeit sagte ich nichts

h.schoenauer - 25.02.2010

Buch-CoverManche Situationen schreien geradezu nach einem philosophischen Satz, der die verzwickte Lage auflöst. In Wirklichkeit sagte ich nichts ist vielleicht eine Erlösungsformel, die ein geordnetes Weiterleben zumindest für die nächste Viertelstunde ermöglicht.

Wolfgang Hermann gilt als Meisterinterpret jener unauffälligen Geschehnisse, die letztlich dem Leben der Figuren wenn schon keinen Sinn, dann zumindest einen ermunternden Dämpfer verpassen.

André Pilz, Man Down

h.schoenauer - 22.02.2010

Buch-CoverManche Romane zielen in keine Richtung, sie explodieren als Rohrkrepierer samt der erzählerischen Abschussrampe.

André Pilzs Roman über die kaum ausgeleuchtete Szene am sogenannten gesellschaftlichen Rand verträgt durchaus eine Einleitung aus dem Waffenwesen, denn es geht ordentlich brutal, gewalttätig und desaströs zu.

Wolfgang Hermann, Mit dir ohne dich

h.schoenauer - 19.02.2010

Buch-Cover

Wie notwendig es ist, dass immer wieder neue Liebes- und Beziehungsgeschichten geschrieben werden, zeigt Wolfgang Hermann. Mit seinem Roman erzählt er von Illusionen, Kräften, Realitätsschüben und Auflösungen, wie es in dieser Form noch nie erzählt worden ist.

Allein schon der Titel Mit dir ohne dich ist ein philosophisches Meisterwerk, als Leser sinniert man schon wie verrückt, noch ehe man überhaupt eine Zeile gelesen hat. Das ist ja die Ideal-Formel von Beziehungen: man hat zwar jemanden in Liebschaft, hält aber vielleicht nur dessen Hülle in der der Umarmung, weil sich das Gegenüber schon längst aufgelöst hat.

Bernhard Strobel, Nichts, nichts

h.schoenauer - 06.02.2010

Buch-CoverManchmal ist der Alltag so aufregend, dass man ihn weder aktiv noch passiv hinkriegt. Eine typische Reaktion für eine überschwappende Ereignislosigkeit ist auf die Frage, was los sei, das alles erklärende "Nichts, nichts".

In Bernhard Strobels Erzählungen erklären einander die Figuren oft dieses Nichts, es sind gewöhnliche Heldinnen und Helden, manchmal schon etwas seniorenhaft am Leben ausgeeitert, aber ihr Schlachtfeld bereiten sie sich meist selbst oder mit jenen Resten, die aus früheren Familienbeziehungen übrig geblieben sind.