Géza Ottlik, Die Schule an der Grenze
Schlafsaal mit Fenstern nach Nordwesten, die Sonne, die sich zu spät für die Jahreszeit hinter den Abschlusskamm fallen lässt, eine Kastanienallee, deren Blätter schon diffuse Farben in die Lehmfahrbahn knallen: Was eine wunderschöne Inszenierung ist, stellt sich bald als perverse Kulisse für ein perverses Unternehmen heraus.
Dieses menschenverachtende Unternehmen ist eine Kadettenschule an der Außengrenze Ungarns, darin eingefangen sind die Söhne des Establishments, die noch nach Jahrzehnten an dieser sogenannten Ausbildung leiden.
Wenn jemand verlässlich vom Jenseits berichten kann, dann ist es die Literatur! Reinhold Aumaier überschreibt seinen Text über den Ausnahmezustand, der nicht von dieser Welt ist, einerseits mit Zwischentraum, andererseits gibt er auch noch der Textgattung ein Zwidder-Dasein auf den Weg: Romanfantasie.
In der Literaturgeschichte schauen uns tragische Helden meist aus einer gewissen Entfernung mit hohlem Blick an. Wie aber würden diese Helden uns ansehen, wenn sie heute neben uns wohnen müssten?
Damit eine Geschichte funktioniert und uns am Lagerfeuer der Lektüre vom Hocker reißt, braucht es eine gewisse Plausibilität und jede Menge Mythos.
Am Balkon stehen oft die ungewöhnlichsten Pflanzen beisammen. Jede hat ihre eigene Geschichte und blüht in dieser ungewöhnlichen Umgebung ihrem Ende entgegen.
"Es wird etwas geschehen" heißt es bei Heinrich Böll, "Es geschah am helllichten Tag", nennt sich der verfilmte Krimi von Friedrich Dürrenmatt und Selma Mahlknecht nennt ihren Roman ganz nach dem gängigen Beschwichtigungsmotto: "Es ist nichts geschehen".
Was eine perfekte WG ist, hat ein Wappentier oder sonst ein unverwechselbares Maskottchen.
Wenn es jemand schafft, aus dem Jenseits heraus zu erzählen, wie überirdisch muss erst der Stoff sein, den er erzählt.
Die tapfersten Heldinnen sind jene, von denen man öffentlich kaum etwas weiß und die dennoch mit unendlicher Geduld und überirdischer Zähigkeit durchhalten und ihr Leben irgendwie über die Runden bringen.
Als Markenzeichen der Stadt Potsdam liegt Schloss Sanssouci wahrlich "sorglos" im eigenen Garten und strahlt durch die Geschichte.