Beziehung

Andreas Maier, Sanssouci

h.schoenauer - 05.02.2009

Buch-CoverAls Markenzeichen der Stadt Potsdam liegt Schloss Sanssouci wahrlich "sorglos" im eigenen Garten und strahlt durch die Geschichte.

In Andreas Meiers Roman Sanssouci geht es um diese Sorglosigkeit, mit der die Protagonisten durch die Geschichte surfen, aus Ost und West scheinbar zwanglos zusammenströmen und letztlich das Leben leicht und mit Eleganz auf die Schulter oder Schaufel nehmen.

Fritz Widhalm, Die Nacht schluckte die Dämmerung

h.schoenauer - 03.02.2009

Buch-CoverOft sind es die selbstverständlichsten Sätze, die schnurstracks in das Herz des Lesers zischen und dort fiktionale Wohlbefindlichkeit erzeugen.

Fritz Widhalms Bio-Roman über die höchst realistische Kunstfigur Konrad Berger ist voll gepflastert mit herzergreifenden Wahrheitssätzen nach dem Muster: "Die Nacht schluckte die Dämmerung".

Annemarie Schweighofer-Brauer / Gabriela Schroffenegger, Mein Vater war ein großer Schweiger

h.schoenauer - 26.01.2009

Buch-CoverVielleicht ist Arbeit auch das, was zwischen den Generationen läuft. - Im Abspann des Buches wird eine Szene aus der indianischen Kultur erzählt, wo sich die Alten zusammensetzen und überlegen, was aus ihrem Erfahrungsschatz sie den Jungen weitergeben wollen.

Um diesen Erfahrungsschatz geht es in diesem Reader, und der Titel lässt ziemlich viel Verstocktes erahnen Mein Vater war ein großer Schweiger.

David Wagner, Spricht das Kind

h.schoenauer - 23.01.2009

Buch-CoverOft lässt sich das Leben anhand der kaputt gefahrenen Autos beschreiben, die der Held im Laufe seiner Biographie erledigt hat. Eine Kindheit anhand der verbrauchten Kinderwagen zu beschreiben, ist natürlich eine raffinierte Methode, das anstehende Leben in den Griff zu bekommen.

David Wagner erzählt in leisen Portionen von jener aufregenden Welt, worin Kinder leben und dabei Erwachsene mitreißen.

Dante Andrea Franzetti, Mit den Frauen

h.schoenauer - 21.01.2009

Buch-CoverWäre dieses Buch ein Ratgeber, fehlte im Titel etwas wie mit den Frauen leben, mit den Frauen denken, mit den Frauen alt werden. Als Roman aber bleibt es letztlich ein Geheimnis, was mit den Frauen los ist.

Dante Andrea Franzetti greift zu einem genialen Erzähl-Trick. Er spaltet die Hauptfigur, einen Mann, der im Laufe der Zeit mit allerhand Frauen durchs Leben überwintert, in zwei Charaktere auf.

Bernhard Aichner, Schnee kommt

h.schoenauer - 20.01.2009

Buch-CoverIn professionellen Katastrophen-Filmen rasen noch vor dem Anspann die beteiligten Helden in scharfem Gegenschnitt auf einander zu.

Die Filmmusik tut das ihre, damit wir uns als Zuseher emotional zugespitzt auf die Katastrophe vorbereiten können. Dann sehen wir die Figuren noch einmal harmlos im Alltag herum wuseln, ehe unvermittelt das Desaster einsetzt.

Friedrich Hahn, Egal

h.schoenauer - 31.12.2008

Buch-CoverDas kürzeste Lebensprogramm lässt sich meist mit einem Seufzer zusammenfassen: "Egal". Die Steigerung ist naturgemäß scheissegal.

In Friedrich Hahns Therapie-Roman kommt diese Seufzer-Orgie der Hauptperson Tina auch sofort über die Lippen, so bald sie dem Bewährungshelfer Harald erzählen soll, was mit ihr los ist.

Elmar Drexel, Die silberne Gasse

h.schoenauer - 10.12.2008

Buch-CoverManche Erzählungen bleiben einem unvergessen wegen eines ewig weiter klingenden Schlusssatzes. "Er hörte noch hinter sich die Tür ins Schloss fallen. Er hatte sie nie mehr gesehen. Er hatte gehört, sie sei Lehrerin geworden, habe geheiratet und Kinder zur Welt gebracht." (66)

In den drei Erzählungen von Elmar Drexel geht es um das Verklingen der eigenen Geschichte und der erzählten Geschichte. In der Titelgeschichte ?Die silberne Gasse kehrt ein mittlerweile alt gewordener Bub als Universalerbe in seine Kindheit zurück.

Daniel Glattauer, Gut gegen Nordwind

h.schoenauer - 03.12.2008

Buch-CoverIn der gepflegten Unterhaltungsliteratur geht es meist nur um das Eine: kriegen sich die beiden und zu wem soll man als Leser helfen?

Gut gegen Nordwind ist der E-Mail-Roman schlechthin. Das ewige Thema vom Anbandeln im gesetzteren Alter baut sich virtuell auf, steuert der physischen Begegnung zu und sackt dann wieder jäh zusammen, während die Mailbox geschlossen wird.

Diane Broeckhoven, Herrn Sylvains verschlungener Weg zum Glück

h.schoenauer - 26.11.2008

Buch-CoverEnde gut, alles gut. Das Glück kommt, wenn man es erwartet. Umwege sind dazu da, dass sie zum Glück führen. - Tausende Sprichwörter könnte man anführen, um das Wesen dieser romantischen Geschichte zu beschreiben.

Sylvain ist ein Stubenhocker und Mamma-Bubi. Mit seinen sechsunddreißig Jahren erweckt er nicht gerade die schnelle Sympathie bei den Lesern.