Martine Laffon, Ein merkwürdiges Tier
„Es war vor langer Zeit, vor sehr langer Zeit, vor so langer Zeit, dass sich niemand mehr erinnert. Denn es war zu der Zeit, als es noch keine Menschen gab… An jenem Tag stieg der Dabbadaoben, der den Himmel erschuf und alles, was mit Flügeln fliegt, ja sogar den Wind, vom Berg hinunter, um seinen Bruder zu besuchen …“
Die beiden riesigen Brüder Dabbadaoben und Dabbadaunten treffen sich auf der Erde und Dabbadaoben erzählt seinem Bruder von einem merkwürdigen Traum, in dem er ein komisches Tier gesehen hat. Beide beschließen, dieses Tier, das es noch nicht gibt, zu erschaffen.
„Überlieferungen des Ordens zufolge war es mithilfe des Buche möglich, die Babelfragmente zusammenzufügen, daher kannte man es auch unter dem Namen Die göttliche Fügung. Waren die Fragmente einmal vereinigt, konnte man den Turm von Babel wiedererrichten und so zu göttlicher Macht gelangen.“ (S. 21)
„Die Hirsche machen heute einen Ausflug. In ihrem extraschnellen Cabrio brausen sie durch Felder und Wiesen. Bis zum See geht die Fahrt. Dort stellen sie den Motor aus und schauen sich um. Ganz still ist es hier. Und irgendwie besonders.“
„Ein altes, verblichenes Foto. So groß wie eine Postkarte. Die Gesichter der beiden Männer waren kaum noch zu erkennen, die Zeit hatte fast alle markanten Züge gelöscht. Doch die Haltung war eindeutig: Der eine groß, stolz und selbstbewusst, der andere fast noch ein Junge, schmal, schüchtern, beide in knöchellangen weißen Kitteln. Zwischen ihnen stand, riesig und dunkel glänzend, ein Nashorn.“ (S. 11)
„Später möchte ich mal einen Obst- und Gemüsegarten haben und nur essen, was dort wächst … / und ich nie selber kochen, sondern immer mit Freunden ins Restaurant essen gehen.
„Es ist eigentlich nichts besonders überraschend, dass der Tag, an dem mir fast von einem gemeinen Monster das Gesicht weggekratzt worden wäre, ein Donnerstag war. Seit ungefähr dem Anbeginn aller Zeiten […] sind den Leuten aus meiner Familie an Donnerstagen schlimme Dinge widerfahren.“ (S. 13)
„»Das Gliss bedeckt fast unseren gesamten Planeten, und es ist rutschiger als alles, was wir kennen«, erklärte mir Großmutter. »Daher der Name. Tatsächlich gibt es auf Gliss überhaupt keine Reibung. Wir wissen nicht, wie so etwas möglich ist, aber wir wissen, dass es so ist. Man kann es messen.« Ich verstand damals nicht, was sie damit meinte und wieso sie es so nachdenklich sagte. Dass das Gliss das große Wunder unserer Welt ist, habe ich erst später begriffen.“ (S. 6)
„Normalerweise kochte sich Snöfrid jeden Morgen ein schönes Schüsselchen Haferbrei. Allerdings kam bisweilen etwas Unvorhergesehenes dazwischen. Und das sollte auch an diesem speziellen und übrigens recht angenehmen Morgen so sein. Nur ahnte Snöfrid noch nichts davon.“ (S. 14)
„»Ihr beiden, steht mir bei. Auf dass unser Stück den Beifall der Menge findet.« »Sprich mir nicht von der Menge, Direktor!« »Ihr gefällt allein die Oberfläche; nur wer in die Tiefe geht, bleibt der Nachwelt erhalten.« »Nachwelt! Nachwelt! Verschont mich damit! Wer macht denn der Mitwelt Spaß?« »Vor allem muss genug geschehen! Die Masse könnt ihr nur durch Masse bezwingen« »Fühlt ihr denn nicht, wie schlecht ein solches Ansinnen ist? Wie wenig das dem echten Künstler gemäß ist?«“ (S. 7)
„»Ich habe das Gefühl, du hast das Tier gesehen, das wir suchen«, sagte Reynard. »Und ich glaube, du wirst uns helfen.« Silas antwortete nicht. Er war ein wenig überrascht, dass der Fuchs sprach, aber nicht so sehr, wie ihr vielleicht denkt. Ein sprechender Fuchs wirkte gar nicht so seltsam, wenn er direkt vor einem saß und einen aus freundlichen goldenen Augen anschaute.