Emil Kaschka, Grünholz
Seit dem griechischen Gesellschaftsmodell „Sparta“ gibt es die Einrichtung des Internats. Darin werden Lernen, Freizeit und Schlaf gebündelt den Insassen an den Kopf geworfen in der Hoffnung, dass dadurch für die Betroffenen ein nützliches Maß an Allgemeinbildung abfällt. In der Literatur gehört folglich der Internatsroman zu einem wesentlichen Bestandteil der Gesellschaftsbeschreibung, die vielleicht in Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ (1906) ihren kanonisierten Höhepunkt findet.
In Südtirol sprechen sich heute noch die Jahrgänge der Achtzigjährigen mit der Insiderfrage an, in welchem Internat warst du? Denn seit Jahrzehnten lässt sich in der regionalen Führungsschicht das Denken auf drei Internatsschulen zurückführen: hermetisch, katholisch, patriotisch-folkloristisch.
„»Liebe Bewohnerinnen und Bewohner von Wiesenwald!«, rief er mit gerunzelter Stirn und seiner Lesebrille zwischen den Fingern. »Ich habe heute eine beunruhigende Nachricht für euch: Unsere Wiese ist in großer Gefahr!« »Was?« »Warum?« »Was hat er gesagt?« »Gefahr? Hab ich das richtig gehört?« (S. 24)
„Es war wie ein Albtraum – doch es passierte wirklich, selbst wenn es immer noch unvorstellbar war. Der Krieg hatte Europa erreicht. Wie ein gigantischer Waldbrand hatte er sich vom Nahen Osten aus von Land zu Land gefressen und die Weltmeere übersprungen – alle innerhalb weniger Stunden.“ (S. 9)
„An diesem Morgen wusste Paolo noch gar nicht, dass er König werden würde. Woher hätte er das auch wissen sollen? Er war ja nur ein ganz normaler 13-jähriger Junge, nicht besonders groß, mit Haaren, die ständig verstrubbelt waren, und der schlechten Angewohnheit, an seinen Fingernägeln herumzukauen, wenn er angestrengt nachdachte.“ (S. 7)
„Der Rauch von der Explosion folgte ihm die ganze Whitehall Street hinab. Während er so ging, wurde er Teil eines Trupps von Gespenstern. Das Ticken der Uhr spürte er ganz deutlich in der Hand. Er hätte sie Williamson geben sollen, hätte es tun müssen. Nur der Bombenbauer wusste genau, wann eine Bombe explodieren würde. Der Alarm war eingestellt gewesen, um ihn zu warnen.“ (S. 60)
„Schließlich – Endlich! – Gelang mir vor 12000 Jahren im Nahen Osten ein unerwarteter Durchbruch … In Gestalt einer kleinen Weizenähre führte ich einen armen Sapiens namens Faustus in Versuchung.“ (S. 14)
„»Ist zehn viel?«, fragte der kleine Wolf seinen Papa, als sie gemeinsam im Wald spazieren gingen. »Kommt ganz darauf an«, meinte daraufhin Papawolf. »Worauf denn?«, fragte der Kleine neugierig und spitzte seine Ohren. Papawolf überlegte ein Weilchen.“
Die Menschen im Haus hätten schon seit Stunden schlafen sollen, doch an Schlaf war in diesen furchtbaren Nächten nicht zu denken. Josie, die im Wohnzimmer auf dem Sofa saß, holte tief Luft, sprach ein kurzes Gebet und schlich zum Fenster, um einen Blick auf das Auto zu werfen. Schlingerte es wie üblich hin und her, oder hatte er es unter Kontrolle? War er betrunken, wie immer in diesen Nächten, oder hatte er nicht ganz so viel Alkohol intus wie sonst?
Was gibt es schöneres als mit seinem Papa einen abenteuerlichen Tag in den Bergen zu verbringen, die Stadt zu verlassen und die Ruhe der Wälder und Berge zu genießen. Da ist bereits die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer der halbe Spaß.
„Ich hatte sofort dieses komische Gefühl, das mich immer vor schlechten Nachrichten überkommt, wie damals, als der Doktor meiner Mom das Abhörgerät auf den Rücken gedrückt hatte und mir, noch bevor er es sagte, klar gewesen war, dass sie in Sanatorium müsste. Genauso fühlte ich mich, als der fette Mann hinter meinem Vater in das Juweliergeschäft drängte.“ (S. 8)