Erzählung

Georg Paulmichl, Nirgendwo

h.schoenauer - 10.11.2011

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"Kleine Kinder werden ins Taufwasser geschüttet. Damit werden sie in die Gemeinschaft der Kirchgänger aufgenommen." (26)

Das ist der Südtiroler Schriftsteller Georg Paulmichl. Kurz, humorvoll, genau, und scheinbar leicht daneben. Der Autor gilt als das Paradebeispiel für eine Literatur des Handicaps. ?Ich bin nicht behindert, ich kann reden lautet einer seiner wichtigsten Sätze.

Andrzej Stasiuk, Dojczland

h.schoenauer - 03.10.2011

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Nichts ist für ein Land wertvoller, als wenn zwischendurch jemand von außen kurz einen Blick darauf wirft.

Andrzej Stasiuk wirft einen beinahe magischen Blick auf das Gebilde, das in einer Mischung aus Paradies und Verachtung "Dojczland" genannt wird. Im Sinne eines frechen Essays oder eines hitzigen Reise-Romans fährt ein erzählendes Ich durch Deutschland, meist wegen literarischer Auftritte, so spult das Ich Stadt für Stadt und Literaturhaus für Literaturhaus (31) herunter. Zwischendurch gibt es diese Arbeitsessen, manchmal sogar in einem Keller voller Fressen, überall liegt beim Empfang Essen herum. Und die Hotels haben es auch in sich, am besten beurteilt man sie nach den Auswüchsen der Minibar.

Peter Paul Wiplinger, Lebenswege

andreas.markt-huter - 29.09.2011

Buch-CoverEine Erinnerung lässt sich vielleicht sammeln und ordnen, sie bricht aber immer wieder aus und geht ihre eigenen Wege.

Peter Paul Wiplinger tut der Erinnerung daher keinen Zwang an, er lässt sie gewähren wie ein Stück Zeitgeschichte, pflegt sie als Archivar eines ganzen Jahrhunderts, kümmert sich um seine Familiengeschichte, um Bilder, die an der Kippe zum Verlorengehen sind. Und ab und zu widmet er sich augenzwinkernd der Dokumentation seines eigenen Lebens.

Gerard Kanduth, Durch die Gleitsichtbrille

h.schoenauer - 29.09.2011

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Wohl die wenigsten, die sich eine Brille überstülpen, ahnen, dass es sich dabei vielleicht sogar um eine eigene Literaturgattung handeln könnte.

Gerard Kanduth versieht seine Beobachtungen mit der Optik einer Gleitsichtbrille, die Geschehnisse gehen fließend von der realen Wahrnehmung in die fiktive Gedankenverarbeitung über, der Blick ist gereift, wie bei einem Gleitsichtbrillenträger.

Siegfried Höllrigl, Was weiß der Reiter vom Gehen

h.schoenauer - 28.09.2011

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Eine Reise mit sich ist ja ohnehin schon ein literarisch anspruchsvolles Thema, eine Reise mit sich zu Fuß durch den halben Kontinent ist wahrscheinlich ein Lebensprogramm, das man nur einmal unternimmt.

Der Drucker, Graphiker und Poet Siegfried Höllrigl beschließt im März 1980, eine intensive Reise zu Fuß nach Istanbul ins Österreichische Wunder-Gymnasium "anzugehen". Es dauert aber noch knapp ein Vierteljahrhundert, ehe die Eigen-Expedition im Jahre 2004 durchgeführt werden kann.

Arno Heinz, Vielleicht nicht ich

h.schoenauer - 08.09.2011

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Die größten Geheimnisse in der Literatur haben immer damit zu tun, dass jemand seine Identität erforscht, die Rolle von Mitbewerbern beim Lebenssinn erkennt und den Ablauf von gepixelten Alltagsteilen zu einer Geschichte zusammenfügt.

Arno Heinz stellt in seiner Spurensuche letztlich alles in Frage. Der Ich-Erzähler hatte offensichtlich einen Unfall und das Gedächtnis hat gelitten. Darauf deutet der erste Teil hin, indem ständig neue Psychiater, Ärzte oder halb-kriminelle Gutachter das Hirn des Erzählers (und was davon übrig geblieben ist) erforschen wollen.

Urs Widmer, Stille Post

h.schoenauer - 08.09.2011

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Geschichten leben ja nicht nur von der eigenen Substanz, von der sie erzählen, sondern sie vermitteln auch durch ihre Umgebung, in der sie sich aufhalten, eine zusätzliche Botschaft. So macht es durchaus Sinn, wenn ein Autor im reifen Alter seine verstreuten Geschichten zusammenpackt und unter einem neuen Motto frisch gekämmt versammelt.

Urs Widmer stellt unter dem programmatischen Titel "Stille Post" sogenannte kleine Prosa vor, die es aber groß in sich hat. In einer Übungskonstellation wird das Kommunikationsspiel "stille Post" anhand einer raffinierten Initiationsgeschichte in den Alpen literarisch angewendet.

Lydia Davis, Formen der Verstörung

h.schoenauer - 01.09.2011

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Unter Erzählungen erwartet man sich meist etwas Rundes, Bemerkenswertes, wo einem als Leser stilistische Besonderheiten und Aufregung im Plot lange in Erinnerung bleiben.

Die Erzählungen von Lydia Davis bleiben von vorne herein im Langzeitgedächtnis verankert, denn ihre Stories bestehen im Extremfall aus nur einem Satz oder aus einem scheinbar unlesbaren seitenlangen Protokoll.

Franz Tumler, Volterra Wie entsteht Prosa

h.schoenauer - 31.08.2011

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Oft sind es unscheinbar geplante Nebenwerke eines Autors, die die Literaturgeschichte verändern.

Franz Tumler, jener Südtiroler Autor, der sein Geburtsland bereits mit einem Jahr verlassen hat, hat mit seinem dünnen Doppelwerk "Volterra". Wie entsteht Prosa längst Literaturgeschichte geschrieben. Es vergeht kaum ein Seminar, in dem nicht der Text, der für eine Vorlesung 1961 geschrieben wurde, herangezogen würde.

El Awadalla, Dort und da

h.schoenauer - 21.08.2011

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Gründe für eine Reise gibt es viele. In El Awadallas Aufzeichnungen von dort und da fährt die ich Erzählerin als Afrikanistik-Studentin in den Senegal, um das Gelernte zu überprüfen und die eingespeisten Vorurteils-Bilder neu aufzupixeln.

In der Hauptsache bewegt sich die Erzählerin in Dakka, wird dort von einem Bekannten durch die Stadt und Gesellschaft geführt, eine Reise nach Tibuktu findet letztlich nicht statt.