Erzählung

Urs Widmer, Stille Post

h.schoenauer - 08.09.2011

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Geschichten leben ja nicht nur von der eigenen Substanz, von der sie erzählen, sondern sie vermitteln auch durch ihre Umgebung, in der sie sich aufhalten, eine zusätzliche Botschaft. So macht es durchaus Sinn, wenn ein Autor im reifen Alter seine verstreuten Geschichten zusammenpackt und unter einem neuen Motto frisch gekämmt versammelt.

Urs Widmer stellt unter dem programmatischen Titel "Stille Post" sogenannte kleine Prosa vor, die es aber groß in sich hat. In einer Übungskonstellation wird das Kommunikationsspiel "stille Post" anhand einer raffinierten Initiationsgeschichte in den Alpen literarisch angewendet.

Lydia Davis, Formen der Verstörung

h.schoenauer - 01.09.2011

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Unter Erzählungen erwartet man sich meist etwas Rundes, Bemerkenswertes, wo einem als Leser stilistische Besonderheiten und Aufregung im Plot lange in Erinnerung bleiben.

Die Erzählungen von Lydia Davis bleiben von vorne herein im Langzeitgedächtnis verankert, denn ihre Stories bestehen im Extremfall aus nur einem Satz oder aus einem scheinbar unlesbaren seitenlangen Protokoll.

Franz Tumler, Volterra Wie entsteht Prosa

h.schoenauer - 31.08.2011

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Oft sind es unscheinbar geplante Nebenwerke eines Autors, die die Literaturgeschichte verändern.

Franz Tumler, jener Südtiroler Autor, der sein Geburtsland bereits mit einem Jahr verlassen hat, hat mit seinem dünnen Doppelwerk "Volterra". Wie entsteht Prosa längst Literaturgeschichte geschrieben. Es vergeht kaum ein Seminar, in dem nicht der Text, der für eine Vorlesung 1961 geschrieben wurde, herangezogen würde.

El Awadalla, Dort und da

h.schoenauer - 21.08.2011

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Gründe für eine Reise gibt es viele. In El Awadallas Aufzeichnungen von dort und da fährt die ich Erzählerin als Afrikanistik-Studentin in den Senegal, um das Gelernte zu überprüfen und die eingespeisten Vorurteils-Bilder neu aufzupixeln.

In der Hauptsache bewegt sich die Erzählerin in Dakka, wird dort von einem Bekannten durch die Stadt und Gesellschaft geführt, eine Reise nach Tibuktu findet letztlich nicht statt.

Irene Prugger, Letzte Ausfahrt vor der Grenze

h.schoenauer - 17.08.2011

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Nichts ist so aufregend wie das Märchen von der letzten Chance. Diese ultimative Drohung mit radikaler Veränderung verzeiht den Helden keinen Fehler, andererseits spekulieren diese mit dem Möglichkeitssinn: Was passiert eigentlich, wenn ich die letzte Chance nicht schaffe?

Irene Prugger stellt in achtzehn Erzählungen sogenannte Beziehungsdramen vor, worin die Darsteller mehr oder weniger ans Ende gekommen sind, aber dann doch noch versuchen, die Kurve zu kratzen.

Manfred Chobot, Der Tag beginnt in der Nacht

h.schoenauer - 14.08.2011

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Tag und Nacht greifen bekanntermaßen ständig ineinander über, so dass sich auch der Mensch am Tag auf die Nacht vorbereitet und in der Nacht auf den Tag. Ein ideales Vorbereitungsmittel hierfür ist der Traum. Einen guten Traum rettet man aus der Nacht heraus in den Tag, umgekehrt träumt man in der Nacht Geschichten des Tages zu Ende.

Manfred Chobot platziert seine Erzählung im Schlagschatten des jeweils anderen Zustands. Mag sein, dass diese Sequenzen teilweise zusammen geträumt sind, es kann aber durchaus sein, dass die hellwache Tagesfiktion in das Licht der Nacht getreten ist.

Johann Georg Lughofer (Hrsg.), Reise nach Ljubljana

h.schoenauer - 20.06.2011

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Anthologien erzählen über die einzelnen Texte hinaus immer auch von einer Idee, die mit diesen Bausteinen verwirklicht wird.

Reise nach Ljubljana versammelt Texte jener österreichischen Autorinnen und Autoren, die ständig unterwegs sind und beispielsweise auf einen Sprung oder ein Projekt in Laibach vorbeischauen, wo die Literatur gerade eine Blüte erlebt.

Nadja Spiegel, Manchmal lüge ich und manchmal nicht

h.schoenauer - 19.06.2011

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So ein Satz bringt Wahrheitsfanatiker auf die Palme. Manchmal lüge ich, manchmal nicht. Eine verschmitzte Erkenntnis, die ganze Wissenschaftszweige ad absurdum führt.

Nadja Spiegel stellt in ihren zwanzig Erzählungen jeweils Heldinnen vor, die sich in zwiespältigen Situationen lapidar zu wehren wissen. Die Situationen gleichen oft einem Münzwurf, bei dem Kopf oder Zahl, Lüge oder Wahrheit, Sein oder Nichtsein gleich wahrscheinlich auftreten.

Rut Bernardi, Lyrik und Prosa kreuz und quer

h.schoenauer - 18.06.2011

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Es gibt Literaturen, die sind so klein, dass sie fast ausschließlich sich selbst zum Inhalt haben. In der Serie Kleine Literaturen Europas stellt Rut Bernardi quasi im Alleingang das Ladinische in Lyrik und Prosa vor.

In den Texten taucht immer wieder die Frage auf, wie eine kleine Sprache überleben kann, was man auf Dauer mit dem Konzept Einweg-Übersetzungen anfängt und wie die aktuelle Gegenwart sich auf die Semantik einer archaischen Sprache auswirkt.

Richard Wall, Connemara

h.schoenauer - 07.06.2011

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Für unvergleichliche Dinge muss man einen unvergleichlichen Erzählstil schaffen. - Seit Jahrzehnten reist Richard Wall in den Westen Irlands und hat dabei performativ in Connemara ein Stück Literatur gefunden.

Connemara liegt in der Grafschaft Galway und die Aussprache des Namens ist eine genaue Wiedergabe von Land, Meer und Wind am Atlantik. Performativ nennt sich jener Vorgang, wo durch das Aussprechen oder Aufschreiben ein Stück Wirklichkeit geschaffen wird.