Antonio Fian, Im Schlaf
Wer kennt nicht das Gefühl, am Morgen mit einer verrückten Geschichte im Kopf aufzuwachen und zu überlegen: Spinn ich oder ist da etwas dran?
Gute Literatur ist ähnlich verrückt organisiert wie es heftige Träume sind. Antonio Fian greift daher in seinen vorgeblich gigantischen Traumschatz und erzählt eine groteske Geschichte nach der anderen.
Aktuelle Gegenwartsliteratur kommentiert man am besten dadurch, dass man sie veröffentlicht und zur Diskussion stellt. In der Serie Zeichensetzung.
Die Polizei sieht zwar alles, aber das gelingt ihr nur, weil sie in Spezialisten-Trupps unterteilt ist. So wie es eine Autobahn-, Staats- oder Vereinspolizei gibt, gibt es auch eine Arbeitslosenpolizei. Die nennt sich vielleicht offiziell nicht so, aber es kommt auf das gleiche hinaus.
Nicht umsonst gilt die Ukrainische Literatur als die wahnsinnigste der Welt, sie ist nämlich nach Osten und Westen hin gleich lose oder sehnsüchtig verankert, ihr ist kein Thema zu schade, und in einem Staatsgefüge, das täglich aus dem Leim geht, gilt jeder fiktionale Satz automatisch als Staatstragend.
Was so monumental schlicht das Haus genannt wird, entpuppt sich bald als monströses Gebilde der Psychiatrie. Unter dem Haus verbirgt sich nichts anderes als das Spital auf der Baumgartner Höhe in Wien.
Üblicherweise verbindet man mit einer Großstadt etwas Bedrohliches und Unmenschliches, nicht umsonst heißt ein philosophischer Bestseller über dieses Thema die "Unwirtlichkeit unserer Städte".
Das Glück ist ein Vogerl, heißt es im Volksmund, bei William Trevor ist es ein kurzer geliehener Augenblick. Die vier hier versammelten Erzählungen gelten mit Recht als die schönsten aus dem Erzählkosmos des Bildhauers und Lehrers William Trevor, der das Schauen und Begreifen zum Inhalt seiner Texte gemacht hat.
Ein Sprichwort, so hat es den Anschein, soll eine innere Wahrheit ausdrücken und immer richtig sein. Das ist genau der Punkt, wo Alois Hotschnig mit seinen Texten einsetzt.
Wer im Sumpf sitzt, kriegt nicht viel mit und hält das Quaken der Frösche für Ansprachen. Österreicher sind begnadete Sumpf-Sitzer, weshalb es gut tut, wenn ab und zu eine Korrespondentin von außen den Saftladen begutachtet, den viele für den Mittelpunkt der Welt halten.
Es gibt diese aufregende Erlebnisschleuse, wo die Gegenwart sich verabschiedet und in Geschichte übergeht. Plötzlich ist etwas nicht nur ein Stück gewöhnliche Gegenwart, sondern das Ereignis sammelt den Staub der Unverwechselbarkeit um sich und wird zu einer historischen Einmaligkeit.