Erzählung

Gerhard Jaschke, rund um die grüne soße

h.schoenauer - 07.02.2010

Buch-Cover

Es gibt so Pilger-Orte, die bei den Pilgern oft auch Entsetzen und Ekel auslösen. Aber solange die versprochene Erlösung durch Aufsuchen dieser Orte eintritt, werden alle seltsamen Rituale in Kauf genommen.

Gerhard Jaschke ist als Schriftsteller und Kleinverleger (Freibord) schon seit Jahrzehnten in Frankfurt auf der Buchmesse. Berühmt geworden ist er für seinen Klapp-Ständer-Koffer, mit einem leichten Schnapper lässt sich sein Koffer zu einer Vitrine mit dem Gesamtwerk des Verlages umwandeln.

Bernhard Strobel, Nichts, nichts

h.schoenauer - 06.02.2010

Buch-CoverManchmal ist der Alltag so aufregend, dass man ihn weder aktiv noch passiv hinkriegt. Eine typische Reaktion für eine überschwappende Ereignislosigkeit ist auf die Frage, was los sei, das alles erklärende "Nichts, nichts".

In Bernhard Strobels Erzählungen erklären einander die Figuren oft dieses Nichts, es sind gewöhnliche Heldinnen und Helden, manchmal schon etwas seniorenhaft am Leben ausgeeitert, aber ihr Schlachtfeld bereiten sie sich meist selbst oder mit jenen Resten, die aus früheren Familienbeziehungen übrig geblieben sind.

Doris Rüdisser, Fuchsgesicht

h.schoenauer - 29.01.2010

Buch-CoverDie wildesten Geschichten, das wissen wir seit Michael Kohlhaas, wuchern immer aus sogenannten Chroniken hervor. In den Chroniken nämlich wird das Leben beinhart, klar und schroff dargestellt.

In Doris Rüdissers Erzählung Fuchsgesicht wird gleich zu Beginn eine Chronik zum Anklingen gebracht, damit alles klar ist.

Kurt Fallnbügl, Wo Gott wohnt

h.schoenauer - 18.01.2010

Buch-CoverJede Literatur ist letztlich Reiseliteratur, denn es gibt nichts anderes auf der Welt zu erzählen, als wie Menschen zu sich, zu anderen oder sonst wohin unterwegs sind.

Kurt Fallnbügl erzählt wild und wüst von der ganzen Welt, weshalb er seiner Literatur die Struktur von Reisebeschreibungen unterlegt. In Wirklichkeit ist dieser Essay ein phantastisches Stück Text über Gott und die Welt, weshalb das Erzählunternehmen auch augenzwinkernd heißt: Wo Gott wohnt.

Waltraud Seidlhofer, Tage, Passagen

h.schoenauer - 12.01.2010

Buch-CoverNach einer intensiven Reise wird das Informationsmaterial meist in einer Schachtel abgelegt und Jahre später wird alles umgestülpt und neuerlich zum Vorschein gebracht. Die wahre Ordnung einer Reise aber bestimmt stets der Reisende.

In Waltraud Seidlhofers poetischer Materialschachtel betritt vielleicht jemand ein Museum, umkreist es, geht hinein und legt sich eine Ordnung der ausgestellten Dinge zurecht. Ähnlich geht man ja auch beim Erkunden einer Stadt vor, man reist an, umkreist sie und durchschreitet sie mit aufgerissenen Augen.

Susanne Dir, Es hat sich eröffnet

h.schoenauer - 09.12.2009

Buch-CoverManche Jahreszeiten brauchen ziemlich viel Input, damit sie anschließend mit vollem Lebensglück zurückstrahlen. Aus diesem Grund gibt es für jedes größere Fest eine Unzahl von Gebrauchsbüchern, die das Ereignis mit Tipps unterfüttern.

Susanne Dirr hat eine Advent-Unterstützung geschrieben, die ihren Reiz darin hat, dass die Empfehlungen alle aus erprobter Praxis kommen. Und außerdem ist es durchaus lesenswert, was in einem spezifischen Bezirk, in diesem Fall dem Außerfern, so alles an stimmungsvollem Material in der Luft liegt.

Beppo Beyerl, Achtung Staatsgrenze

h.schoenauer - 07.12.2009

Buch-CoverEin guter Beruf braucht vor allem eines, eine gute Bezeichnung. Beppo Beyerl ergreift jeweils für ein paar Wochen im Jahr den Beruf des Limenologen und geht darin vollends auf. Bewaffnet mit Diktafon, Fotoausrüstung und dem Fahrrad Genesis geht es dabei an die Wurzeln des Berufs, denn ein Limenologe (73) ist nichts anderes als ein Grenzforscher.

In mehreren Anläufen geht es dieses Mal auf den Spuren des Eisernen Vorhangs entlang der Grenzen zu Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien. Die slowenische Grenze wird freilich nur bis zum steirischen Ende abgeschritten, denn der Autor weigert sich standhaft, nach Kärnten auch nur einen Fuß hineinzusetzen.

Nicolas Mahler, Längen und Kürzen

h.schoenauer - 06.12.2009

Buch-CoverJedes Buch, das unsereins in den Händen hält, hat schon einmal die Kategorien Komödie und Tragödie durchlaufen. Entweder der Inhalt ist traurig und bringt den Verleger zum Lachen, oder der Verleger wird bei der Lektüre traurig, und bringt so den Autor zum Lachen.

Nicolas Mahler erzählt mit Händen und Füßen, in Wort und Bild, die Geschichte eines Manuskriptes, das zu einem Gesamtwerk ausgewalzt werden soll.

Hans Eichhorn, Das Fortbewegungsmittel

h.schoenauer - 06.12.2009

Buch-CoverAlles, was dir einfällt, ist ein Fortbewegungsmittel. (13) - Mit dieser Theorie im Hintern lässt sich sowohl gute Literatur als auch gute Realität bewerkstelligen.

Hans Eichhorns Text braut sich vor den Augen der Leserschaft zusammen.

Sebastian Tom Strobl, und du kommst auch nicht weiter als zuvor

h.schoenauer - 17.11.2009

Buch-CoverEin klassischer Satz kann die Welt verändern und nach Jahrhunderten einen neuen Witz verströmen.

Der berühmte Satz im Goethe-Faust, "da stehe ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor" wird von Sebastian Tom Strobl konterkariert und neu definiert: Der Held von heute kommt auch nicht weiter als zuvor. Und die Schmuddelkinder (1965) sind die geradezu sensationelle Kampfansage des Revolutionssängers und -autors Franz-Josef Degenhardts, der dem Softsänger Reinhard Mey seinerzeit über den Wolken durchaus eine Schlacht des Bewusstseins geliefert hat.