Erzählung

Andreas Neeser, Unsicherer Grund

h.schoenauer - 31.03.2010

Buch-Cover

Nach einer kühnen These besteht die Unterscheidung zwischen fiktionalen und sachbezogenen Texten darin, dass man sich bei Sachtexten um Sicherheit bemüht, während in fiktionalen Texten gerade das Unsichere zum Thema gemacht wird.

Andreas Neeser kümmert sich in seinen Erzählungen um das "Unsichere", fast alles ist auf schlammigen Erkenntnisgrund gebaut und das einzig Feste und Sichere scheint die Erzählkunst zu sein, denn in den Geschichten ist der Tonfall des Ungewissen das einzig Sichere.

Josef Oberhollenzer, Der Traumklauber

h.schoenauer - 24.03.2010

Buch-CoverTräume sind das halbe Leben, heißt es im Volksmund. Ob man sie nun bei Tage als unerreichte Zukunftspläne aussitzt, in der Nacht als handfeste Geschichten herunter spult oder auf der Couch dem Psychiater an den Kopf wirft, immer geht es um einen beinahe komplementären Zustand zur sogenannten Realität.

Josef Oberhollenzer bringt in seiner Erzählung einen Traumklauber in Position. So wie andere Kleinodien, Oldtimer oder Raritäten sammeln, sammelt er Träume.

Fabio Pusterla, Zur Verteidigung der Schule

h.schoenauer - 23.03.2010

Buch-CoverAuch wenn der Alltag manchmal in seiner flachen Erscheinung das Hirn gerne in einem Flachbett ruhen lässt, gibt es erstaunlicherweise gerade im Schulsystem immer wieder Pädagoginnen und Pädagogen, die beim Betreten des Unterrichtsgebäudes die allgemeine Narkose beenden und sich Gedanken machen.

Ein solcher Gedankenjäger ist Fabio Pusterla, der sich in einer Figur als sinnierender Lehrer in kleinen Erzählungen Luft macht und dabei zu einer "Verteidigung der Schule" ansetzt. In 37 Geschichten brütet der Lehrer freie Gedanken über so genannte Selbstverständlichkeiten aus.

Egyd Gstättner, Frau Wegscheiders Welt

h.schoenauer - 19.03.2010

Buch-CoverOft lässt sich das Gemüt eines Landstriches am besten dadurch beschreiben, dass man eine skurrile Person in Szene setzt, die sowohl Wahnsinn wie auch Alltagsweisheit in sich vereint.

Egyd Gstättner hat zu diesem Zweck die Figur der Frau Wegscheider ausfindig gemacht, die über Gott und die Welt Bescheid weiß und ihr Wissen in kleinen Glossen-großen Portionen tagtäglich abzustoßen bereit ist.

Wolfgang Hermann, In Wirklichkeit sagte ich nichts

h.schoenauer - 25.02.2010

Buch-CoverManche Situationen schreien geradezu nach einem philosophischen Satz, der die verzwickte Lage auflöst. In Wirklichkeit sagte ich nichts ist vielleicht eine Erlösungsformel, die ein geordnetes Weiterleben zumindest für die nächste Viertelstunde ermöglicht.

Wolfgang Hermann gilt als Meisterinterpret jener unauffälligen Geschehnisse, die letztlich dem Leben der Figuren wenn schon keinen Sinn, dann zumindest einen ermunternden Dämpfer verpassen.

Martin Kolozs, Lange Abende

h.schoenauer - 25.02.2010

Buch-CoverIn wirklich guten Erzählungen muss der Erzähler zu Tode kommen, weil es nach der Erzählung keinen Lebenssinn mehr gibt.

Mit etwas Augenzwinkern hält sich Martin Kolozs an diese seltsame Faustregel, er schickt seinen Helden Christian in den Suizid und lässt ihn zuvor noch einmal bis zur bitteren Neige zu Wort kommen.

Gerhard Jaschke, rund um die grüne soße

h.schoenauer - 07.02.2010

Buch-Cover

Es gibt so Pilger-Orte, die bei den Pilgern oft auch Entsetzen und Ekel auslösen. Aber solange die versprochene Erlösung durch Aufsuchen dieser Orte eintritt, werden alle seltsamen Rituale in Kauf genommen.

Gerhard Jaschke ist als Schriftsteller und Kleinverleger (Freibord) schon seit Jahrzehnten in Frankfurt auf der Buchmesse. Berühmt geworden ist er für seinen Klapp-Ständer-Koffer, mit einem leichten Schnapper lässt sich sein Koffer zu einer Vitrine mit dem Gesamtwerk des Verlages umwandeln.

Bernhard Strobel, Nichts, nichts

h.schoenauer - 06.02.2010

Buch-CoverManchmal ist der Alltag so aufregend, dass man ihn weder aktiv noch passiv hinkriegt. Eine typische Reaktion für eine überschwappende Ereignislosigkeit ist auf die Frage, was los sei, das alles erklärende "Nichts, nichts".

In Bernhard Strobels Erzählungen erklären einander die Figuren oft dieses Nichts, es sind gewöhnliche Heldinnen und Helden, manchmal schon etwas seniorenhaft am Leben ausgeeitert, aber ihr Schlachtfeld bereiten sie sich meist selbst oder mit jenen Resten, die aus früheren Familienbeziehungen übrig geblieben sind.

Doris Rüdisser, Fuchsgesicht

h.schoenauer - 29.01.2010

Buch-CoverDie wildesten Geschichten, das wissen wir seit Michael Kohlhaas, wuchern immer aus sogenannten Chroniken hervor. In den Chroniken nämlich wird das Leben beinhart, klar und schroff dargestellt.

In Doris Rüdissers Erzählung Fuchsgesicht wird gleich zu Beginn eine Chronik zum Anklingen gebracht, damit alles klar ist.

Kurt Fallnbügl, Wo Gott wohnt

h.schoenauer - 18.01.2010

Buch-CoverJede Literatur ist letztlich Reiseliteratur, denn es gibt nichts anderes auf der Welt zu erzählen, als wie Menschen zu sich, zu anderen oder sonst wohin unterwegs sind.

Kurt Fallnbügl erzählt wild und wüst von der ganzen Welt, weshalb er seiner Literatur die Struktur von Reisebeschreibungen unterlegt. In Wirklichkeit ist dieser Essay ein phantastisches Stück Text über Gott und die Welt, weshalb das Erzählunternehmen auch augenzwinkernd heißt: Wo Gott wohnt.