Norbert Loacker, Leben Lesen Träumen
Vielleicht liegt es am Thema, das ja völlig nach innen gerichtet ist, dass Norbert Loackers Buch sich so gegen Leser wehrt. Alle diese drei Zustands-Tätigkeiten ?leben, lesen, träumen haben wahrscheinlich als gemeinsames Geheimnis, dass sich davon nichts erzählen lässt.
Der Autor fädelt nun einige Gedankengänge auf, wie man sie manchmal bei einem philosophischen Plausch aus sich heraus lässt oder als Redner, wenn es mit philosophischem Gestus zu erzählen gilt, dass das Lesen etwas Besonderes ist.
Auch wenn in einer Stadt absolut nichts los ist, eignet sie sich immer noch als ideales Übungsgelände für einen literarischen Stadtführer.
Die Vergangenheit schüttet oft in milder Weise halbe Sätze zu, so dass in der Erinnerung bloß noch die skurrilen Teile vom Gesagten oder Erlebten in die Zone der Wahrnehmung ragen.
Wie jede Geschichte ist auch die Literaturgeschichte etwas äußerst Unruhiges, das ständig neu geschrieben werden muss. Eine recht aufregende Form, sich dem literarischen Geschehen einer Epoche zu nähern, ist die Präsentation von Insider-Wissen mit persönlicher Note.
Gute Geschichten sind meist durch eine gemeinsame Fließrichtung untereinander verknüpft, wie ein Strom rinnen die einzelnen Episoden abendfüllend dahin, und tauchen schließlich unter im Meer des Geschichtenschatzes.
Kann man von einem knapp zwanzig jährigen Autor als Leser etwas Aufregendes fürs Leben lernen? - Und wie, wenn der Autor frech und ungezwungen das Leben ausleuchtet!
In einer Welt, in der die wichtigsten Nachrichten in der Spam-Box abgelegt werden, haben echte Nachrichten oft keinen Abnehmer mehr. Was nützt es, wenn die besten Offenbarungen allgemein zugänglich sind, wenn der Wert der Nachrichten nicht mehr erkannt wird?
Prosa-Journale sind Zusammenstellungen von Texten unterschiedlicher Fiktions-Stufen. Suggestionen höchster Realität, imaginative Essays und protokollierte Analysen verlaufen dabei wie diverse Farben auf der Skala eines Teststreifens ineinander und geben eine aufschlussreiche Ersteinschätzung des untersuchten Weltausschnitts wieder.
Wie alle Gebrauchsgegenstände wird auch die Literatur mittlerweile in großer Stückzahl und nach DIN-Vorschriften hergestellt.
Rabenkinder sind die aus dem Nest verstoßenen Kinder von Rabeneltern. Im Volksmund ist man mit diesen Begriffen recht vorschnell, etwas salopp formuliert sind letztlich alle Kinder, die aus dem häuslichen Nest fallen, Rabenkinder.