Marion Kraske, Ach Austria!
Wer im Sumpf sitzt, kriegt nicht viel mit und hält das Quaken der Frösche für Ansprachen. Österreicher sind begnadete Sumpf-Sitzer, weshalb es gut tut, wenn ab und zu eine Korrespondentin von außen den Saftladen begutachtet, den viele für den Mittelpunkt der Welt halten.
Marion Kraske beginnt richtigerweise mit einem Seufzer, Ach Austria! Damit ist schon viel gesagt. Gleich zu Beginn schaut ein Deixianer satt grinsend über den eigenen Gartenzaun ins Leere, unter einem Deixianer versteht man einen typischen Österreicher, der von Deix gezeichnet worden ist.
Es gibt diese aufregende Erlebnisschleuse, wo die Gegenwart sich verabschiedet und in Geschichte übergeht. Plötzlich ist etwas nicht nur ein Stück gewöhnliche Gegenwart, sondern das Ereignis sammelt den Staub der Unverwechselbarkeit um sich und wird zu einer historischen Einmaligkeit.
Die ganze Welt redet von Krise und einstürzenden Finanzwelten und tut so, als ob der Weltuntergang kurz bevorstünde. In der Literatur freilich ist das Chaos der Weltordnung ein normales Thema und auch Literatur über Finanzzusammenbrüche gibt es jede Menge.
Strom, was für ein programmatischer Titel. Im Gebirge wird alles, was fließt, dazu verwendet, Strom zu erzeugen, in der Literatur fließt der Strom oft unterirdisch zwischen den Zeilen und zeigt sich an raren Stellen als Erzählstrom.
Was ist in der Literatur normal? - Das, was Germanisten dafür halten!
Obwohl über die Liebe wahrscheinlich so gut wie alles gesagt ist, ist es doch von Buch zu Buch für den Leser aufregend, wie jemand für die aktuelle Gegenwart dieses Thema angeht.
Eine adäquate Kultur muss wahrscheinlich irreal wie die Menschheit sein, um als Ausdrucksform dieser Menschheit durchzugehen. So gesehen ist die Auto-Kultur etwas vom Höchsten, was die Menschheit in den letzten fünfzig Jahren hervorgebracht hat.
Im Zeitalter der Koch-Shows scheint es für manche Menschen nur noch ein Thema zu geben: Essen in allen Varianten und Kapazitäten.
So unüberschaubar lustvoll kann die Welt gar nicht sein, als dass nicht die bibliothekarische Ordnung durch das Alphabet eine gewisse Ruhe schaffte.
Meist sind Verletzungen durch die Liebe spitz, hart und tief gehend. Ab einem gewissen Alter jedoch werden auch die amourösen Verwundungen sanft, dass Messer, das schneidet, wird gar als süß empfunden.