Péter Nádas, Spurensicherung
Manchmal läuft die Zeitgeschichte so verrückt ab, dass man sie sich selbst als Zeitgenosse nicht glaubt.
Péter Nádas, zu Zeiten des kommunistischen Regimes verfolgter und verbotener Dichter, sichert in seinem Essayband diverse Spuren, die bereits nach zwanzig Jahren ins Groteske und Absurde eines totalitären Systems führen.
Manchmal entsteht sogar in der Arbeitswelt der Hauch von Verzückung und Geheimnis. Zumindest für den Leser gibt es nichts Schöneres, als durch das längst ausgestorbene Buchstabenreich einer alten Druckerei zu wandern.
In einer mittelmäßigen Kleinstadt muss ein Schriftsteller immer damit rechnen, dass er argwöhnisch beäugt wird, wenn er etwas schreibt. Andererseits hinterlassen die Menschen einer solchen Stadt auch immer Wünsche, was der Autor als nächstes schreiben soll.
Jede Gesellschaft besteht aus Untergesellschaften, die nach eigenen Spielregeln handeln und in sich abgeschottet sind. Man denke nur an die Kaste der Politiker, Adeligen oder Universitätsprofessoren, die vor allem eines im Auge haben:
Vielleicht ist die Poesie das Rauschen zwischen den Begriffen, von denen unerwartete Botschaften ins Zeileninnere ausgesendet werden. Vielleicht ist der Wahnsinn eine Abschweifung der Poesie, wenn Begriffe aus den Zeilen fallen.
Zu einer Zeit, als es noch kein Big Brother im Fernsehen gab, waren Hungerkünstler zur Unterhaltung am Werk, indem sie ihre Hungerei öffentlich zur Schau stellten. Franz Kafka hat in seiner gleichnamigen Erzählung so einen Hungerkünstler als ironisches Lichtbild eines idealen Künstlers entworfen, der Künstler wird darin einfach im Käfig vergessen und stirbt.
Wirf den Schaffner aus dem Zug! - Mit diesem fulminanten Buch-Titel hat Dietmar Füssel vor gut zwanzig Jahren seine Schriftstellerkarriere begonnen. Seither ist er seinem Konzept einer grotesken Darstellung der Welt treu geblieben.
Eine Liebesgeschichte, die mit Ludwig Wittgenstein loslegt, kann das gut gehen? - Und wie, denn das Verhältnis zwischen Klarheit und Unklarheit lässt sich kaum besser ausdrücken als mit dem Bild Ludwig Wittgensteins, wonach jeder einen anderen Käfer in seiner Schachtel sieht.
Wenn es ein Weltall gibt, das der Welt entspricht, muss es auch ein Birnall geben, das dem Birnbaumer entspricht.
Ganz selten verströmt ein Roman eine solch plastische Wahrheit, dass man als Leser mit beiden Händen zupackt und den Text nie mehr im Leben aus der Hand geben will. Winfried Gindls Kompakt-Text über einen Herrenabend aus dem Jahr 1981 ist so ein Roman.