Erzählung

Wolfgang Schopper, beiläufig unrasiert

h.schoenauer - 29.07.2009

Buch-CoverWas kann man sich unter beiläufig unrasiert vorstellen? Vermutlich ein meist männliches Gesicht, in dem der Gesichtsträger mit irgendeinem scharfen Gegenstand elektrisch oder mit geschäumter Klinge herumgefahren ist.

Dieses chaotische Trimm-Konzept verwendet Wolfgang Schopper, um Erlebnisschnitzel aus seinem Leben, journalistische Highlights, Familienplanung und Familientrennung zu erzählen.

Sepp Schluiferer, Fern von Europa

h.schoenauer - 29.07.2009

Buch-CoverDas ganze Land marschiert durch das Andreas-Hofer-Jubiläums-Jahr, man feiert allerorten die berühmt berüchtigten Geschehnisse vor zweihundert Jahren und vergisst dabei eines:

Vor hundert Jahren, am 26. August 1909 ist unter dem Pseudonym Sepp Schluiferer das Buch Fern von Europa von Carl Techet erschienen.

Péter Nádas, Spurensicherung

h.schoenauer - 27.07.2009

Buch-CoverManchmal läuft die Zeitgeschichte so verrückt ab, dass man sie sich selbst als Zeitgenosse nicht glaubt.

Péter Nádas, zu Zeiten des kommunistischen Regimes verfolgter und verbotener Dichter, sichert in seinem Essayband diverse Spuren, die bereits nach zwanzig Jahren ins Groteske und Absurde eines totalitären Systems führen.

Katja Lange-Müller, Die Letzten

h.schoenauer - 23.07.2009

Buch-CoverManchmal entsteht sogar in der Arbeitswelt der Hauch von Verzückung und Geheimnis. Zumindest für den Leser gibt es nichts Schöneres, als durch das längst ausgestorbene Buchstabenreich einer alten Druckerei zu wandern.

Bei Katja Lange-Müller freilich ist für die Ich-Erzählerin die Druckerei ein ärgerlicher Höhepunkt einer miesen Arbeitswelt. Quasi als Not-Job heuert die Erzählerin in einer Klein-Druckerei an und ist sofort von seltsamen Kollegen umgeben.

Alex Capus, Der König von Olten

h.schoenauer - 23.07.2009

Buch-CoverIn einer mittelmäßigen Kleinstadt muss ein Schriftsteller immer damit rechnen, dass er argwöhnisch beäugt wird, wenn er etwas schreibt. Andererseits hinterlassen die Menschen einer solchen Stadt auch immer Wünsche, was der Autor als nächstes schreiben soll.

Alex Capus ist ein begeisterter Olten-Bewohner, der für einen Außenstehenden geradezu berührende Geschichten über jenes Kleinod des Zusammenlebens schreibt, das unsereins in der Hauptsache als Bahnknoten kennt.

Günther Zäuner, Unterösterreich

h.schoenauer - 02.07.2009

Buch-CoverJede Gesellschaft besteht aus Untergesellschaften, die nach eigenen Spielregeln handeln und in sich abgeschottet sind. Man denke nur an die Kaste der Politiker, Adeligen oder Universitätsprofessoren, die vor allem eines im Auge haben:

Niemand, der nicht die Initiationsriten dieser Subgesellschaft absolviert hat, darf in diesen kompakten Kleinwelten auftreten.

Peter Enzinger, Rimbauds Kantine

h.schoenauer - 01.07.2009

Buch-CoverVielleicht ist die Poesie das Rauschen zwischen den Begriffen, von denen unerwartete Botschaften ins Zeileninnere ausgesendet werden. Vielleicht ist der Wahnsinn eine Abschweifung der Poesie, wenn Begriffe aus den Zeilen fallen.

Das poetische Ich steht in Peter Enzingers Prosagedicht jedenfalls gehörig unter Phantasie-Strom. Von der Dichtung gezeichnet, knapp am Absinth-Delirium, von der Sinnsuche entstellt kämpft sich das Ich durch die eigene Dichtung.

Georg Elterlein, Der Hungerkünstler

h.schoenauer - 29.06.2009

Buch-CoverZu einer Zeit, als es noch kein Big Brother im Fernsehen gab, waren Hungerkünstler zur Unterhaltung am Werk, indem sie ihre Hungerei öffentlich zur Schau stellten. Franz Kafka hat in seiner gleichnamigen Erzählung so einen Hungerkünstler als ironisches Lichtbild eines idealen Künstlers entworfen, der Künstler wird darin einfach im Käfig vergessen und stirbt.

Bei Georg Elterlein tritt der Hungerkünstler als modernen Held voller Psychosen auf.

Dietmar Füssel, Gelsomina

h.schoenauer - 28.06.2009

Buch-CoverWirf den Schaffner aus dem Zug! - Mit diesem fulminanten Buch-Titel hat Dietmar Füssel vor gut zwanzig Jahren seine Schriftstellerkarriere begonnen. Seither ist er seinem Konzept einer grotesken Darstellung der Welt treu geblieben.

Beim aktuellen Buch Gelsomina handelt es sich um ein Abenteuerbuch für junge Leser und abgeklärte Erwachsene. Ganz im Sinne der Streiche von Max und Moriz geht es hier um Stiche nach dem Motto. "Dieses war der erste Stich, Nummer zwei folgt sicherlich!"

Isabella Breier, 101 Käfer in der Schachtel

h.schoenauer - 28.06.2009

Buch-CoverEine Liebesgeschichte, die mit Ludwig Wittgenstein loslegt, kann das gut gehen? - Und wie, denn das Verhältnis zwischen Klarheit und Unklarheit lässt sich kaum besser ausdrücken als mit dem Bild Ludwig Wittgensteins, wonach jeder einen anderen Käfer in seiner Schachtel sieht.

Isabella Breier unterlegt den Kosmos von Nähe und Ferne, Liebe und Coolness, Nähe und Distanz mit einem minimalen Plot.