Erzählung

Xóchil A. Schütz, Was ich nie mehr sagen will zu Mickey Rourke

h.schoenauer - 21.01.2009

Buch-CoverFilmfiguren müssen immer das aussprechen, was im Drehbuch steht, während wir als Publikum alles sagen dürfen, was uns am Herzen liegt.

Was also will die Erzählerin dieser wundersamen Geschichte jenem Helden Mickey Rourke sagen, der für sein hartes Anfassen und seinen Wrestler-Ausdruck weltweit bekannt ist? - Nein, kein Sex jetzt! (43)

Elmar Drexel, Die silberne Gasse

h.schoenauer - 10.12.2008

Buch-CoverManche Erzählungen bleiben einem unvergessen wegen eines ewig weiter klingenden Schlusssatzes. "Er hörte noch hinter sich die Tür ins Schloss fallen. Er hatte sie nie mehr gesehen. Er hatte gehört, sie sei Lehrerin geworden, habe geheiratet und Kinder zur Welt gebracht." (66)

In den drei Erzählungen von Elmar Drexel geht es um das Verklingen der eigenen Geschichte und der erzählten Geschichte. In der Titelgeschichte ?Die silberne Gasse kehrt ein mittlerweile alt gewordener Bub als Universalerbe in seine Kindheit zurück.

Martin G. Wanko, Die Wüste lebt!

h.schoenauer - 28.11.2008

Buch-CoverWenn ein Österreicher in die Wüste geschickt wird, kann daraus nur etwas Skurriles entstehen.

Österreich hat also seinen Erfolgstrainer Peppi Hickersberger in die Wüste geschickt, eigentlich ist er freiwillig gegangen, wie eben alle österreichischen Fußballtrainer immer freiwillig gehen. Jetzt trocknet ihm in der Wüste das Hirn aus, schräge Gedanken verfolgen ihn und nichts erscheint ihm mehr selbstverständlich.

Hans Karl Peterlini, Tirol - Notizen einer Reise durch die Landeseinheit

h.schoenauer - 14.11.2008

Buch-CoverWenn in Tirol wieder einmal ein Krawall-Jahr bevorsteht, wie die Hofer-Gedenkjahre bei manchen Gruppierungen süffisant genannt werden, gibt es jede Menge geistige Auseinandersetzung mit Tirol und seiner so genannten Landeseinheit.

Hans Karl Peterlini benützt für seinen patriotischen Rundgang durch das Dauerthema Landeseinheit das Alphabet, von A wie Autobahn bis Z wie Zams werden historische Entwicklungen, Alltagsgeschichten und nützliche Überlegungen vom Zusammenbleiben und Auseinandergehen angeführt. Zu Beginn jeden Kapitels gibt es ein Kurzinterview mit jenen, deren Stammbaum sich quer über Nord- und Südtirol legt.

Fritz von Herzmanovsky-Orlando, Prosa

h.schoenauer - 04.11.2008

Buch-Cover"Mein Innenleben wird immer summender, und ich muss das 'kategorische Kusch' immer neu verschärfen. Und das 'kategorische Kusch', das ich ihm an Konvenienz vor der Realität des Alltags öfter zurufen muss, bringt das Gegenteil von Dämpfung hervor. (267)

Manche Sätze winken schon von weitem ganz verrückt einem Leser zu und werden auch bei literarischem Gegenwind sofort als Herzmanovsky-Orlando erkannt, diese Sätze nämlich würgen voller Vielfalt den Leser, ehe dieser röchelnd zugibt, den Sinn verstanden zu haben.

Otto Licha, Geiger

h.schoenauer - 30.10.2008

Buch-CoverGeiger - was für eine präzise Beschreibung für ein Lebensgefühl. "Geiger kann niemand ohne musikalische Berührung werden." (307)

Otto Licha erzählt von Vater David und Sohn Simon Lehar, die sich jeweils auf ihre Art durchs Leben geigen. David lebt in Innsbruck ein relativ unscheinbares Leben, seine musikalischen Fähigkeiten sind hervorragend, aber zum kompletten Genie reicht es nach Auskunft seiner Mit-Musikanten nicht. Aber seine Geige gilt als genial.

Peter Patzak, Akte Im Schweigen vermählt

h.schoenauer - 16.10.2008

Buch-CoverTausende Augen von posierenden Frauengesichtern schauen uns in einem Museum an, wir Besucher freilich haben oft nur den Blick für das Schild, auf dem der Namen des Malers steht.

Peter Patzak führt uns einen Akt-Reigen vor, in welchem die Frauen als Modelle die Hauptrolle spielen. Aus flüchtigen Bemerkungen der malenden Helden und aus Nuancen zwischen den Zeilen der heroischen Künstlerbiographien hat der Autor die schweigenden Schicksale zum Klingen gebracht.

Walter Wippersberg, Eine Rückkehr wider Willen

h.schoenauer - 14.10.2008

Buch-CoverGerade wenn das Leben gelungen dahin flutscht, nimmt es oft einen geradezu atemberaubenden Lauf.

Walter Wippersberg erzählt von diesem Hüftknick, der einen so mitten im Saft stehend erwischen kann. Irgendwie hat alles mit der Stadt Steyr zu tun, hier wuchs der Ich-Erzähler auf, hier wurden seine Routen für die Zukunft angelegt, hier kam es zu ersten literarischen Aktionen.

Dietfried Bernet, Argumente für den Herrn im Frack

h.schoenauer - 12.10.2008

Buch-CoverEs gibt wundersame Berufe, die sind so einmalig, dass sie nicht einmal zur Verkleidung im Fasching taugen. Der Dirigent ist so ein exotisches Berufstier, das jeder Mensch als fleischgewordenen Taktstock im Frack kennt.

Dietfried Bernet erzählt frisch von der Leber weg, was es mit der Dirigiererei so auf sich hat. Natürlich braucht es für diesen Beruf Begabung, vor allem aber Hingabe und glühendes Interesse.

Claudia Bitter, Verloren gehen

h.schoenauer - 05.10.2008

Buch-CoverIm Märchen gehen manchmal Menschen für die sichtbare Welt verloren und finden sich dann in einem unter- oder überirdischen Feenreich wieder, entrückt von der Welt aber durchaus mit Gewinn in einem neuen Zustand aufbereitet.

Claudia Bitter schickt in ihren zwölf Erzählungen ihre Heldinnen und Helden scheinbar in die Verlustzone, aber die Figuren schlagen sich meist tapfer und erleben auf ihre eigene Weise etwas wie seltsames Glück.