Franz Weinzettl, Abseits, auf den Gleisen
Vielleicht ist unser Leben ein spärlich befahrener Schienenstrang, holperig verlegt durch krummes Gelände, überwuchert von den Schlingpflanzen der Saison und ausgesetzt den hemmungslosen Verwitterungen.
Franz Weinzettl nennt seinen Lebensentwurf Abseits, auf den Gleisen. Eine Bahntrasse führt durch entlegenes Gelände und ein Beobachter bewegt sich leise auf den Schienen, während sein Blick ständig abschweift in die unmittelbare Umgebung.
Unter Morgenbetrachtung stellt man sich landläufig ein paar besinnliche Sätze vor, die philosophisch einwandfrei vorgetragen ein Tagespublikum beim Aufstehen erheitern sollen.
Manchmal ist ein Buch so verdammt gut, dass es dich als Leser vor Staunen während der Lektüre aus den Hüften haut.
Was der Herr Karl sagt, ist Österreich, und Österreich ist folglich Karl. Spätestens seit Helmut Qualtingers grandiosem Monolog "Der Herr Karl" aus dem Jahre 1961 lässt sich Österreich auf die Kurzformel Karl bringen.
Tage und Jahre, einmal in Fluss geraten, laufen unauffällig ihrem Ende entgegen, oder im Kreis, oder vor das Blickfeld eines Beobachters.
Wenn jene Generation, welche üblicherweise nicht in der Stadtregierung vertreten ist, über die Heimatstadt literarisch zu flunkern beginnt, dann fliegen die Funken. So auch im wunderschönen Kompliment-Buch glänzendes Graz.
Hilf dir selbst, sonst hilft dir Gott. So in etwa könnte die Grundbotschaft jener beiden Erzählungen lauten, die den Ich-Erzähler an jene Grenze gebracht haben, hinter welcher entweder das Jenseits oder die irdische Verstümmelung warten.
Es war im November 2006. - Während die Leser bereits eine Gänsehaut aufstellen, wie sie es für jene Krimis gelernt haben, welche mit einer furchtbar detaillierten Zeitangabe beginnen, ist Entspannung angesagt. Die Autorin hat an diesem markant-gewöhnlichen Datum nämlich einfach bloß beschlossen, ein Buch über ihre Tätigkeit am Brenner zu schreiben.
Toll, die Tiroler, ein kleiner Fetzen des Beobachters, und schon ist daraus ein Troll geworden. Feine Wochenend-Leute, wenn sie sich über den Samstags-Misthaufen lustig machen, geraten oft selbst in eine Situation, worin sich der Rezipient die Nase zuhält.
In heftigen Erzählungen tobt manchmal das Ich gegen seine eigenen Erzähl-Wände.