Erzählung

Anna Stecher, Aus der Flügelstadt

h.schoenauer - 20.04.2008

Buch-CoverManchmal dauert ein Roman so lange wie eine Krankheit und umgekehrt kann sich eine Krankheit hinschleppen wie ein Roman.

In Anna Stechers Großerzählung Aus der Flügelstadt reist die kranke Mora mit ihrer Begleiterin Elisa nach Peking. Sie ist schwer krank, hat eine in Europa als unheilbar angesprochene Lähmung, die chinesische Heilkunst soll die letzte Rettung sein.

Marlene Streeruwitz, Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin

h.schoenauer - 17.04.2008

Buch-CoverIm Verkehrsgeschehen ist es egal, in welcher Stimmung sich die Akteure darin bewegen, so hat selbst so ein aufwühlendes Ereignis wie ein Begräbnis ein triviales Ende, nämlich eine gewöhnliche Autofahrt.

Die Ich-Erzählerin sitzt aufgewühlt in ihrem Auto, Fluche zucken durch den Kopf, kann der nicht blinken!, dann wieder Kleinigkeiten, dass jemand schmatzt beim Schweinsbraten zum Totenmahl.

Kurt Bracharz, Pantomime vor Blinden

h.schoenauer - 16.04.2008

Buch-CoverSkurriler geht es kaum! Keine Gattung wird von Kurt Bracharz in Ruhe gelassen, und aufgeschreckt in ihrer Gattungsschatulle fangen die Texte wie von selbst zu toben an.

Gleich zu Beginn schikanieren sich ein Lehrer und ein Philosoph auf antikem Felde mitten in Griechenland.

Bernd Schuchter, Jene Dinge

h.schoenauer - 15.04.2008

Buch-CoverIn guten Verwandtschaften gibt es zwischen den Mitgliedern meist eine Höflichkeitslücke, in welche jene Geschichten eingepflanzt sind, über die man nicht spricht.

"Jene Dinge" ans Tageslicht zu karren, die über Jahrzehnte im Dunkeln gehalten worden sind, ist für einen Erzähler eine Eselsaufgabe.

Andreas Höfele, Abweg

h.schoenauer - 15.04.2008

Buch-CoverWer hat sich nicht schon einmal so einen Abgang von seinem Büro gewünscht: Man lege ein kleines Feuerchen, gehe nicht zu schnell aus dem Haus, tauche in den Plan B ein und beobachte aus der Ferne, wie die ehemalige Dienststelle abbrennt.

In Andreas Höfeles Erzählung Abweg geht es um diesen gekonnten Abgang.

Peter Plattner, Herman Ein verschüttetes Leben

h.schoenauer - 14.04.2008

Buch-CoverDas Leben ist letztlich wie verschüttete Milch, man kann es nicht mehr rückgängig machen. Herman jedoch, ein Künstler aus Fiktion und Blut, verschüttet tatsächlich sein Leben, indem er vom dritten Stock in die Tiefe springt, Farbtuben in den Händen.

Unten angekommen zerplatzt er in den Farben, das Blut mischt sich spektakulär authentisch mit dem Indigoblau und Sonnengelb. Herbeigeeilte Künstler kratzen alles zusammen und machen daraus ein Kunstwerk.

Bora Cosic, Die Vogelklasse

h.schoenauer - 05.03.2008

Buch-CoverNormalerweise hocken Schüler, die gerade eine Klasse wiederholen müssen, in der hintersten Reihe, hier in dieser Vogelklasse aber sitzen sie frech in der Mitte des Klassenzimmers.

Ein rasanter Erzähler mit großer Belesenheit und philosophischem Touch kommentiert aus der Hüfte heraus die absurdesten Zustände unseres Lebens. In der Provinz oder überhaupt in der Randlage des Kontinents gibt es immer wieder Unterricht, dessen Zweck aber allen Beteiligten unbekannt ist.

Tobias Schiefer, Napoleon

h.schoenauer - 21.01.2008

Buch-CoverEin kontinentales Gemetzel, wie es Napoleon seinerzeit quer durch Europa vor und wieder zurück durchführen ließ, beflügelt auch nach zweihundert Jahren noch die Phantasie der Schriftsteller.

Tobias Schiefer nimmt für seinen Schlachtentext aus dem Jahre 1812 die Form der Novelle und erzählt aufgeklärt aus heutiger Sicht, wie es wohl einem Kriegsteilnehmer aus der Gegend um Speyer unter Napoleon ergangen sein könnte.

Selma Mahlknecht, Im Kokon

h.schoenauer - 17.01.2008

Buch-CoverKein Wurm mehr aber auch kein Schmetterling, das ist in der Insektenkunde das Stadium des Kokons. Bei den Menschen heißt das schlicht Pubertät.

Die Erzählerin durchlebt gerade diesen Kokon, das bedeutet, dass keine passende Sprache zur Verfügung steht, dass die Freundschaften wackeln, dass die Vorstellung von der Welt überhaupt nicht der sogenannten Welt entspricht.

Andrej Kurkow, Herbstfeuer

h.schoenauer - 16.01.2008

Buch-CoverHerbstfeuer, das riecht nach weitem Land in Russland und der Ukraine, am Fuße einer unsäglichen Wetterfront machen die Bewohner noch einmal richtig Dampf und sieden und braten alles, was sie für den langen Winter brauchen.

In der Titelgeschichte Herbstfeuer wird zudem alles verheizt, was eigentlich verboten ist.