Bora Cosic, Die Vogelklasse
Normalerweise hocken Schüler, die gerade eine Klasse wiederholen müssen, in der hintersten Reihe, hier in dieser Vogelklasse aber sitzen sie frech in der Mitte des Klassenzimmers.
Ein rasanter Erzähler mit großer Belesenheit und philosophischem Touch kommentiert aus der Hüfte heraus die absurdesten Zustände unseres Lebens. In der Provinz oder überhaupt in der Randlage des Kontinents gibt es immer wieder Unterricht, dessen Zweck aber allen Beteiligten unbekannt ist.
Ein kontinentales Gemetzel, wie es Napoleon seinerzeit quer durch Europa vor und wieder zurück durchführen ließ, beflügelt auch nach zweihundert Jahren noch die Phantasie der Schriftsteller.
Kein Wurm mehr aber auch kein Schmetterling, das ist in der Insektenkunde das Stadium des Kokons. Bei den Menschen heißt das schlicht Pubertät.
Herbstfeuer, das riecht nach weitem Land in Russland und der Ukraine, am Fuße einer unsäglichen Wetterfront machen die Bewohner noch einmal richtig Dampf und sieden und braten alles, was sie für den langen Winter brauchen.
Am aufregendsten sind Bibliotheken immer dann, wenn sie als ganzes verschollen sind, wenn sie sich insgesamt als Gerücht herausstellen, oder wenn sie etwas Skurriles sammeln.
Manche Bücher bewegen das Leben des Lesers, indem ein seltsamer Energiesaft von den Buchseiten über die Unterarme in den Körper strömt.
Die Natur tut letztlich, was sie will, sie ist die letzte, die sich aus ihrer Unversehrtheit vertreiben lässt und ist die erste, die nach der Vertreibung als Pionierpflanze wieder zurückkommt.
Ein Vexierbild ist eine vorläufig fixierte Illusion, die sich bei genauerem Hinsehen als etwas ganz anderes entpuppen kann.
Verzettelung ist wohl das Lieblingswort eines Bibliothekars. Erst wenn er die Welt so halbwegs verzettelt hat, liegt sie ihm zu Füßen und er kann sie ins Regal stellen. Selbst in Zeiten der Digitalisierung gilt echtes Verzetteln als hohe Kunst.
Wie man durch ein kleines Fenster große Sachen sehen kann, wenn das Fenster gut positioniert ist, kann man als Leser auch durch eine so genannte kleine Anthologie allerhand Bemerkenswertes aus der Tiroler Nachwuchsliteratur herauslesen.