Kurt Bracharz, Pantomime vor Blinden
Skurriler geht es kaum! Keine Gattung wird von Kurt Bracharz in Ruhe gelassen, und aufgeschreckt in ihrer Gattungsschatulle fangen die Texte wie von selbst zu toben an.
Gleich zu Beginn schikanieren sich ein Lehrer und ein Philosoph auf antikem Felde mitten in Griechenland.
In guten Verwandtschaften gibt es zwischen den Mitgliedern meist eine Höflichkeitslücke, in welche jene Geschichten eingepflanzt sind, über die man nicht spricht.
Wer hat sich nicht schon einmal so einen Abgang von seinem Büro gewünscht: Man lege ein kleines Feuerchen, gehe nicht zu schnell aus dem Haus, tauche in den Plan B ein und beobachte aus der Ferne, wie die ehemalige Dienststelle abbrennt.
Das Leben ist letztlich wie verschüttete Milch, man kann es nicht mehr rückgängig machen. Herman jedoch, ein Künstler aus Fiktion und Blut, verschüttet tatsächlich sein Leben, indem er vom dritten Stock in die Tiefe springt, Farbtuben in den Händen.
Normalerweise hocken Schüler, die gerade eine Klasse wiederholen müssen, in der hintersten Reihe, hier in dieser Vogelklasse aber sitzen sie frech in der Mitte des Klassenzimmers.
Ein kontinentales Gemetzel, wie es Napoleon seinerzeit quer durch Europa vor und wieder zurück durchführen ließ, beflügelt auch nach zweihundert Jahren noch die Phantasie der Schriftsteller.
Kein Wurm mehr aber auch kein Schmetterling, das ist in der Insektenkunde das Stadium des Kokons. Bei den Menschen heißt das schlicht Pubertät.
Herbstfeuer, das riecht nach weitem Land in Russland und der Ukraine, am Fuße einer unsäglichen Wetterfront machen die Bewohner noch einmal richtig Dampf und sieden und braten alles, was sie für den langen Winter brauchen.
Am aufregendsten sind Bibliotheken immer dann, wenn sie als ganzes verschollen sind, wenn sie sich insgesamt als Gerücht herausstellen, oder wenn sie etwas Skurriles sammeln.
Manche Bücher bewegen das Leben des Lesers, indem ein seltsamer Energiesaft von den Buchseiten über die Unterarme in den Körper strömt.