Erzählung

Martin Kolozs, Die Geschichte geht so

andreas.markt-huter - 10.09.2007

Erzählen heißt normalerweise, dass etwas in einem Zeitablauf von früher in einen Zeitablauf der Gegenwart gebracht wird. Wie bei einer Sanduhr gibt es ein Stoffdepot, das über die Engstelle in die Gegenwart rinnt.

Martin Kolozs Erzählung Die Geschichte geht so ist eine Erzählung über das Erzählen. Dabei wird so gut wie alles verrückt, die Spielregeln werden ununterbrochen verändert, Vergangenheit kann Zukunft sein, die Gegenwart ein Stoffuniversum an Gleichzeitigkeit.

Thomas Ballhausen, Die Unversöhnten

andreas.markt-huter - 01.09.2007

Buch-Cover"Die beste Lösung scheint mir nun die Auflösung, das absolute Aufgehen im Zustand der Löschung." (74)

In Thomas Ballhausens Erzählung kämpfen diverse Heroen, Zeitgeister und Mythen um die Weltherrschaft des Gedächtnisses. Unversöhnt sind sie alle, die griechischen Halbgötter mit der irdischen Gegenwart, die Philosophie des Kopfes mit den Lebensbedingungen moderner Städte, die Karriereplanung Intellektueller mit dem trivialen Abschaum des Alltagsgeschäftes eines Auftragskillers.

Wolfgang Pollanz, Das Seufzen meiner Mutter

andreas.markt-huter - 04.07.2007

Buch-CoverEin aufregendes Leben beginnt üblicherweise mit einer Sturzgeburt, während die Mutter seufzt.

Wolfgang Pollanz nimmt die Kunst der literarisch aufgeblasenen Selbstbiographie äußerst wörtlich und stellt in sechs Episoden ausgewiesene Helden vor, die als Icherzähler letztlich alle vom Zeitgeist erzählen, der durch die Republik Österreich weht.

Udo Kawasser, Einbruch der Landschaft

andreas.markt-huter - 04.07.2007

Buch-CoverEinbruch ist so ungefähr das aufregendste Wort, das in der Literatur auftauchen kann. Da gibt es den Klassiker im Krimibereich, wo einfach ein Einbruch geschieht, im Sport erleiden Helden oft knapp vor dem Ziel ihren totalen Einbruch und auch der psychische Einbruch ist nicht ohne.

Wenn nun plötzlich die Landschaft einbricht, steckt vermutlich ein geographisch psychologisches Urereignis im Hintergrund.

Peter Paul Wiplinger, Steine im Licht Licht an den Mauern

andreas.markt-huter - 24.06.2007

Buch-CoverVielleicht ist die ewige Stadt Rom respektlos betrachtet wirklich ein Haufen Steine, die im Licht der Zeitlosigkeit dahin dösen.

Peter Paul Wiplinger jedenfalls hat sich einen Herzenswunsch erfüllt, und während eines Romaufenthaltes zwei dichte Literatrkonzentrate geschrieben, eine Gedichtsammlung und ein Prosa-Notizbuch. Beide Textsorten ergeben jetzt ein kompaktes Buch über Rom, literarische Annäherung, Alltag und leichter Überlebenskunst.

Walter Pucher, Marsgeografie

andreas.markt-huter - 20.06.2007

Buch-CoverVom Umschlag blinzelt das Rote Haus aus Dornbirn herunter, eine kleine Referenz an den roten Planeten, wie der Mars wegen seiner Feurigkeit und Lust auf ferne Emotionen genannt wird.

In Walter Puchers Novelle „Marsgeografie“ geht es um Sehnsucht, Wissenschaft, Herzausschüttung und die Vermessung der scheinbar unermessbaren Gefühlsgeographie. Schmachtender Held ist der italienische Astronom Giovanni Virginio Schiaparelli (1835-1910), der als der Entdecker der Marskanäle gilt.

Martin Suter, Unter Freunden

andreas.markt-huter - 03.06.2007

Buch-CoverWenn jemand regelmäßig etwas tut, glaubt er, es laust ihn der Affe. Wir kennen das vom Einkaufen, Busfahren oder Cafe-Besuche.

Martin Suter zeigt uns in seinen Glossen, dass nichts so lächerlich gewöhnlich ist, wie das Auftreten von Wirtschaftsbossen unter sich. Natürlich spielen dabei die Frauen die Hauptrolle, weil sie ja das geheime Ziel sind für diese GEOs, zumindest wenn sie sich leger und lebensnah geben.

Markus Köhle, Riesenradschlag

andreas.markt-huter - 20.05.2007

Buch-CoverAuf der ganzen Welt kennt man dieses Riesenrad, das bei günstiger Optik genau hinter dem Stefansdom aufgestellt ist, während in der Tiefe dieser Installation vielleicht ein Fiakerpferd im rosaroten Mannerschnitten-Look furzt.

Der Tiroler Sprachartist Markus Köhle ist ohne Frust nach Wien übersiedelt und liebt uns Hinterbliebene, indem er uns manchmal Briefe schickt, ein Mittelding zwischen Artistik und Ratgeber.

Robert Engele und Christian Penz, Kramasuri

andreas.markt-huter - 13.05.2007

Buch-CoverAltes Gerümpel wird ehrfürchtig Kramasuri genannt, wenn man daraus vielleicht noch etwas machen kann. Philosophisch gesehen ist Kramasuri ein Chaos, das liebevoll nach einem ordnenden Eingriff schreit.

Die beiden Redakteure Robert Engele und Christian Penz haben nun das gesamte so genannte Steirerwissen auf einen Haufen geworden und dadurch einen dampfenden Wissensborn erschlossen. Man glaubt s kaum, was nicht alles für eine Meldung gut sein könnte.

Manfred Schullian, Die Essenz der getrockneten Tomate

andreas.markt-huter - 15.04.2007

Buch-CoverOffensichtlich gibt es eine Literatur, die nicht für unkompliziertes Lesen gedacht ist. Der Reiz dieser Geschichten besteht oft darin, wie bei einem Rodeo-Ritt möglichst lange im Sattel zu bleiben, ehe man verlässlich abgeworfen wird.

Manfred Schullian fordert in seinen drei Erzählungen vom Leser eine gewisse Geduld. Fast jeder Satz wird ausgewalzt, bis auch der letzte denkbare Begriff darin untergebracht ist. Immer wieder hört man den Rechtsanwalt aus diesen Texten, unendliche Plädoyers für einen Helden, dessen juristische Vertretung der Autor übernommen hat.