Raoul Schrott (Hrsg.), NC Kaser elementar
Dieses Elementar-Buch ist von A bis Z aufregend. Das fängt schon damit an, dass ein Schriftsteller für Randlagen, wie Raoul Schrott es in seinen Romanen und Editionen ist, sich mit einem Dichter der Randlage Südtirol beschäftigt, aufregend ist in der Folge, wie man aus einem mehrbändigen Gesamtwerk einen handfesten griffigen Reader komponiert, und die Frage nach der Unsterblichkeit von Biographien und Werken ist schließlich eine der elementarsten der Literatur.
Raoul Schrott geht die Sache chronologisch an, denn die Zeit ist das einzig Verlässliche bei der Neuherausgabe von Literatur. Unter dem Entstehungsjahr versammelt Raoul Schrott nach subjektivem Augenmaß jeweils die wichtigsten Texte des Kaserschen Produktionsjahrs. Als Präambel gibt es einen kleinen Datenblock, sodann laufen die Texte ab, ganz egal ob Prosa, Brief oder Gedicht. Das germanistische Schema der Gewaltenteilung in der Fiktion ist also aufgegeben zugunsten der biographischen Wertung. So lässt sich oft gut verstehen, wie ein Gedicht aus einem Brief entstanden ist, oder wie ein Briefempfänger höchst persönlich zu einem frischen Gedicht gekommen ist.
Nirgendwo lässt sich die Geschichte so genau beschreiben wie im Familienkreis. Selbst die großen weltbewegenden Vorgänge wirken manchmal wie ein Durchblättern eines Familienalbums.
Erzählen heißt normalerweise, dass etwas in einem Zeitablauf von früher in einen Zeitablauf der Gegenwart gebracht wird. Wie bei einer Sanduhr gibt es ein Stoffdepot, das über die Engstelle in die Gegenwart rinnt.
"Die beste Lösung scheint mir nun die Auflösung, das absolute Aufgehen im Zustand der Löschung." (74)
Ein aufregendes Leben beginnt üblicherweise mit einer Sturzgeburt, während die Mutter seufzt.
Einbruch ist so ungefähr das aufregendste Wort, das in der Literatur auftauchen kann. Da gibt es den Klassiker im Krimibereich, wo einfach ein Einbruch geschieht, im Sport erleiden Helden oft knapp vor dem Ziel ihren totalen Einbruch und auch der psychische Einbruch ist nicht ohne.
Vielleicht ist die ewige Stadt Rom respektlos betrachtet wirklich ein Haufen Steine, die im Licht der Zeitlosigkeit dahin dösen.
Wenn jemand regelmäßig etwas tut, glaubt er, es laust ihn der Affe. Wir kennen das vom Einkaufen, Busfahren oder Cafe-Besuche.
Auf der ganzen Welt kennt man dieses Riesenrad, das bei günstiger Optik genau hinter dem Stefansdom aufgestellt ist, während in der Tiefe dieser Installation vielleicht ein Fiakerpferd im rosaroten Mannerschnitten-Look furzt.