Erzählung

Josef Schweikhardt, Sozusagen

h.schoenauer - 09.02.2005

Buch-CoverManchmal braucht es in der Lyrik das große Lineal, um dem Sprachgebrauch auf die Finger zu klopfen, wenn er zu vorwitzig ist. Das tut dann weh sozusagen. Und schlicht "sozusagen" heißt der Gedichtband Josef Schweikhardts, in dem Poetisches nicht nur vermischt sondern auch gleich aufgemischt wird.

Rasante Lyrik trägt immer auch ein Konzept als Schärpe durch die Gegend, der Autor hat sein aktuelles Konzept in einem Vor-Waschzettel formuliert. "Die Zonen verbaler Unschärfe bilden im Zeitalter von Morphing und fuzzy logic ein atmosphärisches Feld jenseits binärer Sprachspiele: eine Chance für geöffnete Redeweisen. Das Helle ist dunkel, das Tragische komisch genug. Und sozusagen umgekehrt."

Klaus Merz, Los

h.schoenauer - 01.02.2005

Buch-CoverDie kürzesten Wörter lösen oft die größten Geschichten aus. In diesem kleinen "LOS? ist alles drin: Schicksal, Befehl, Abzählreim, Tombola oder schlicht - was ist los?

Klaus Merz hat die Erzählung dann noch kürzer und straffer gehalten, als es dieses kleine Wort ohnehin suggeriert. Im klassischen Duktus einer Grenzgeschichte bricht Mister Thaler zu einer Bergtour auf, stürzt ab und ist sein Leben los. Von hinten her, als Thaler schon verschollen und gestorben ist, rollt sich sein Leben in flockig leichten aber spitzkantigen Sätzen auf.

Jörg Zemmler, leihworte

h.schoenauer - 13.01.2005

Buch-Cover

Ein Buch, das irgendwie mit der Hand geschrieben ist, erregt sofort Aufmerksamkeit.

Jörg Zemmler hat die Schnauze voll von Times und Arial und schreibt sich nicht nur die Geschichten selber sondern auch die Buchstaben.

Siegfried Singer, Mein Reutte

h.schoenauer - 28.10.2004

Buch-Cover

Ha, das ist ein fröhliches Buch, vorne am Buchumschlag radelt dem Leser ein Kabarettist entgegen und hinten fährt er wieder aus dem Buch hinaus.

Es muss sich um einen Kabarettisten handeln, denn die Kleidung ist irgendwie Bürgermeisterlich und das Rad ist offensichtlich aus einem Tati-Film übrig geblieben.

Raimund Lang (Red.), Czernowitzer Pasticcio

h.schoenauer - 21.10.2004

Buch-Cover

Der Osten Europas hat schon seit einigen Jahren Saison. Nicht nur wegen der EU-Vergrößerung und der wirtschaftlichen Connections, wahrscheinlich auch wegen der Lust an der eigenen Vergangenheit kümmern sich immer öfter Gruppierungen und Vereine darum, verschollene Kulturen und Gegenden wieder ins Bewusstsein zu heben.

Selma Mahlknecht, rosa leben

h.schoenauer - 28.09.2004

Buch-Cover

Diese unheimliche Farbe rosa! In den Romanen "Fasching" (1967) und "Katzenmusik" (Nachlass, 1974) des österreichischen Autor-Bibliothekars Gerhard Fritsch werden Sexualität, Politik und irreale Aufklärung in rosarotes Krepp-Papier gewickelt, während die Protagonisten rosa Punschkrapfen essen. Seither ist rosa eine literarische Farbe für das Klebrige, Zähe, Österreichische.

Norbert Gstrein, Wem gehört eine Geschichte?

h.schoenauer - 25.09.2004

Buch-CoverEs gibt momentan zwei österreichische Weltdichter, die jenseits des unsäglichen Austrokoffers auf den Literaturbetrieb "gaggen", wie man so nett zu sagen pflegt.

Der eine ist Peter Handke, der soeben mit seinem Don Juan als germanistischem Genericum schwindelerregend kühn die Geschichte vom nachgebauten Liebhaber erzählt hat, und der andere ist Norbert Gstrein.

Walter Grond, Drei Männer

h.schoenauer - 15.08.2004

Buch-Cover

"Einzig in der Grazer Tagespost, einem österreichischen Provinzblatt, war von ihrem Tod zu lesen: Prinzessin Djavidan ist am 5. August 1968 nach kurzem Leiden im 92. Lebensjahr sanft entschlafen." (72)

So eine sanfte Entschlafung macht natürlich neugierig, wer ist diese Prinzessin, was hat sie so getrieben?

Antonio Fian, Bis jetzt

h.schoenauer - 01.08.2004

Buch-Cover

Einen Jubiläumsband zum 48. Geburtstag zu ordern, das entspricht genau der Schreibverfassung Antonio Fians. Er greift die Dinge wie ernst auf und verfremdet sie durch eine zu kurze oder zu lange Einschätzung der Lage.

Bei ihm sind die Bretter generell zu kurz abgeschnitten und die Einbauschränke zu lang, aber gerade dadurch sprengt er das Korsett des gewohnten Blicks, meisterhaft ausgeführt in seinen Dramoletten.