Fantasy | Science Fiction

Vladimir Sorokin, Bro

h.schoenauer - 28.03.2006

Buch-Cover

Wie erklärt ein 1955 geborener russischer Schriftsteller um 2005 seinen Lesern, wie das mit dem Stalinismus gewesen ist? – Ganz einfach, er bedient sich eines literarischen Januskopfes aus den Erfolgsserien Universum und Verheißung.

Der Roman Bro legt plastisch, dynamisch und russisch-realistisch los, wie man es sich von Puschkin oder Dostojewski erwarten würde, müssten sie heute noch immer schreiben. 1908 wird der Ich-Erzähler geboren und zur gleichen Zeit geht in Sibirien ein Giga-Meteor nieder. Das Kind erlebt alles easy und ist umspült von satt-bunter Leichtigkeit, wie eben die Kindheiten ausschauen, wenn sie von gesetzten Dichtern als pure Kindheit rekonstruiert werden.

Hubert Flattinger, Als ich Lord Winter war

h.schoenauer - 21.12.2005

Buch-CoverEs gibt Texte, die dem Fass der Gattung entsprungen und ohne Umhüllung etwas Eigenes sind, am ehesten mit einer Lacke ausgeronnener Flüssigkeit zu vergleichen. In Hubert Flattingers Trance-Text über seltsame Helden verschwinden die Grenzen zwischen Gelesenem und Erlebtem.

Der Erzähler macht sich anscheinend auf, Astrid Lindgren zu besuchen, die Traumfrau aller Fiktionen. Er fährt nach Stockholm, vielleicht um ein Interview mit der Grande Dame der Erfindungen zu führen, vielleicht aber auch, um den wahren Gehalt von Geschichten zu erkunden.

Brigitte Weninger / Jakob Kirchmayr, Tiroler Sagen

h.schoenauer - 09.10.2005

Buch-CoverSagen sind wie Bäche, sie fräsen sich stetig durch den Fels des Gedächtnisses eines Landes. Daher müssen Sagen immer wieder neu und zeitgemäß erzählt werden, damit der uralte Sagenkern stetig frisch bleibt.

Die erfolgreiche Kinderbuchautorin Brigitte Weninger hat nun die wichtigsten Sagen in ein aktuelles Sprachkleid gesteckt, der Illustrator Jakob Kirchmayr hat die markantesten Szenen flott ins Bild gesetzt. Beide Künstler lassen das Know-how der Gegenwart einfließen, beide wissen, wie man das Publikum zähmt und lüstern macht.

Franz Josef Weißenböck, Übrigens

h.schoenauer - 05.10.2005

Buch-CoverWenn in einem normalen Verlag plötzlich ein promovierter Theologe publiziert, heißt es für den klugen Leser: Vorsicht, ungefragte Gottesbeweise liegen in der Luft!

Mit "Übrigens" beginnen meist Ministrantenwitze, an deren Ende mäßiges Gelächter vom langen Gesicht auf die angeklatscheten Oberschenkel rinnt. Franz Josef Weißenböck erzählt uns in seinem Übrigens ungefragt neun Interviews mit Machiavelli, Erasmus, Thomas Morus, Montaigne, Pascal, Stendhal, Dostojewskij, Tolstoj und Tucholsky.